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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 28.12.2016

Mehr als Wilder Westen Wenn das harte Cowboyleben zur Poesie wird

Von Rolf Büllmann

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Zwei Cowboys zu Pferde treiben ein Rind mit Lassos zur Herde zurück.  (picture-alliance / dpa)
Zwei Cowboys zu Pferde treiben ein Rind mit Lassos zur Herde zurück. (picture-alliance / dpa)

Im Westen der USA blüht eine Cowboy-Kultur jenseits aller Klischees. Mit Hollywood-Helden hat sie wenig zu tun. Umso mehr mit dem harten Leben als Viehzüchter und Farmer, das in Liedern und Gedichten verarbeitet wird. Ein Festival in Nevada feiert diese Cowboy Poetry.

Wenn man eine Geschichte über Cowboy-Kultur erzählen will - über Kultur, die das Hollywood-Klischee des Wilden Westens hinter sich lässt - dann ist der Besuch in der alten Turnhalle von Elko im US-Bundesstaat Nevada genau der richtige Ort um anzufangen.

Normalerweise trainieren hier die Ringer der örtlichen Highschool, die Elko Indians, und das ziemlich erfolgreich: An den Wänden hängen stolz die Namen der Staatsmeister der verschiedenen Gewichtsklassen, die die Schule hervorgebracht hat. Heute aber findet hier ein Tanzkurs statt - ein Kurs mit dem unverdächtigen Namen "old-time ranch dances". Das klingt unkompliziert, und einfach und täuscht darüber hinweg, wie komplex das Ganze sein kann. John Elswick und seine Frau Barbara haben erkennbar viel Spaß - aber einfach sind die "old time ranch dances" nicht: 

- "Das ist das erste Mal, dass ich das versuche, und ich dachte mir: Ich tue lieber so als ob, als nur rumzustehen. Ich habe einfach auf die Musik gehört und hatte wirklich Spaß."

- "Ja, das hatten wir! Wir wussten ja nicht, was wir tun!"

-  "Das hier ist unser erster Ausflug in die Cowboy-Kultur, alles neu, sehr aufregend."

Poesie, Tanz und Workshops in Elko

Der Tanzlehrer heißt Craig Miller. Groß, schlank, weißes Hemd mit Westernkrawatte, schwarze Jeans und - natürlich - Cowboystiefel. Er führt seine große Gruppe in der alten Turnhalle durch eine komplizierte Abfolge von Drehungen und Promenaden und Tempowechseln. Das Endergebnis: Ein klassischer amerikanischer Cowboytanz, bei dem die Tanzpartner immer wieder wechseln, bei dem Männer und Frauen in gegenläufigen Kreisen aneinander vorbeigehen, nur um sich auf der gegenüberliegenden Seite des Kreises dann wieder zu finden.

 Sieht nicht besonders schwierig aus, doch der Weg dahin ist nicht einfach. Und deswegen ist es so passend, eine Geschichte über Cowboy-Kultur hier zu beginnen, in der Turnhalle beim Tanzkurs. Denn wie der Tanz sieht Vieles, was die Cowboykultur ausmacht, einfach und unprätentiös aus, und es versteckt ein bisschen, wie viel Arbeit dahinter steckt. 

 Einmal im Jahr kann man sich alle Aspekte dieser Kultur anschauen - von Musik, über Tanz und Poesie bis hin zu Workshops: beim Cowboy Poetry Gathering in Elko, in Nevada im Westen der USA.
 
"Im ersten Jahr hatten wir das als einmalige Veranstaltung geplant, und waren uns nicht sicher, ob überhaupt jemand kommt. Und dann kamen über 1000 Menschen - wir haben immer mehr Stühle aufgebaut und gesagt: Hört das noch mal auf." 

Erzählt Hal Cannon, der Gründungsdirektor des Festivals. Und tatsächlich hat es bis heute nicht aufgehört: seit 32 Jahren gibt es das Cowboy Gathering, und nichts deutet darauf hin, dass es bald zu einem Ende kommen könnte. Es ist erfolgreich, und das mit gutem Grund.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, und uns draußen auf den Ranches umgehört und festgestellt, dass es da die Tradition der Cowboy Poesie gibt - was uns ganz neu war, und fremd. Wir haben überall Cowboys gefunden, die entweder Gedichte geschrieben haben oder alte Gedichte rezitiert haben. Und das passte ja nun überhaupt nicht zum gängigen Klischee."

Sagt Hal Cannon, und weiter:

"Ich bin ein Volkskundler, und wir haben nach etwas gesucht, was dem ECHTEN amerikanischen Westen entspricht und nicht dem populären Image des amerikanischen Westens."

Cowboy-Kultur in Montana: Kunstwerk eine Highschool-Schülers. (Deutschlandradio Kultur/Rolf Büllmann)Cowboy Kultur in Montana: Früh übt sich, wer ein Cowboy-Poet werden will. (Deutschlandradio Kultur/Rolf Büllmann)

Und so kann man in Elko überraschende Einblicke in eine Welt gewinnen, die vor allem uns Europäern fremd ist. In die von Elizabeth Ebert zu Beispiel. Elizabeth ist eine alte Dame von 90 Jahren. Sie hat ihr Leben lang auf abgelegenen Farmen im Nordwesten der USA gelebt und gearbeitet, und: sie hat ihr Leben lang Gedichte geschrieben, sagt sie. Aber die ersten 65 Jahre hat sie ihre Werke nie jemandem gezeigt und vieles davon unveröffentlicht verbrannt.

Es sei ihr peinlich gewesen, sagt sie - niemand, den sie kannte, habe Gedichte geschrieben. 

Die "Grand Old Lady" der Cowboy-Poesie

Heute gilt Elizabeth Ebert als die Grande Dame der Cowboy-Poetry. Ihre Reime sind einfach, und ohne viel Tamtam – und doch voller Leben. Zum Beispiel in ihrem Gedicht "Free Land". 1910 zogen Elizabeth Eberts Großeltern in die Wildnis von South Dakota, auf "Free Land" - Land, dass ihnen von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde, unter der Bedingung, dass sie es urbar machen. Zwei Erwachsene und sieben Kinder in einer selbstgebauten, 25 Quadratmeter großen Hütte. Und das Leben war viel härter, als es sich viele der Siedler vorgestellt hatten. Hier Elizabeth Ebert mit Auszügen aus ihrem Gedicht "Free Land":

"Sie schauten zum Himmel, doch der  starrte nur zurück, und es regnete nicht. Das Getreide vertrocknete, das Gras verbrannte, und es gab keine Ernte dieses Jahr. Viele gaben auf, und verfluchten das Land, in dessen Sand ihre Träume beerdigt wurden. Aber einige blieben, wahrscheinlich zu arm, und zu gehen.

Geduldig ertrugen sie die Dürre, und die Sommersonne und die Winterkälte machten bald aus jungen Leuten alte Leute. Aber von irgendwo, tief im Inneren, erwuchs ihnen ein trotziger Stolz, ein Gleichmut, der ihnen half, alles zu ertragen. Und sie lernten den weiten blauen Himmel lieben, und die grauen Schneewolken, das sanfte Versprechen der Apriltage, und die brennende Sonne im August, das weite, klare, offene Land. Und sie bauten ein Zuhause. Aber sie alle würden zustimmen: nichts war ihnen geschenkt worden." 

- "Es geht mehr ums echte Leben, nicht darum, Preise zu gewinnen. Obwohl die Cowboy Poetry manchmal wirklich literarisch wertvoll ist. Aber mir scheint, dass die klassische, akademische Poesie oft nicht den Schneid hat und die Seele, dass es ihr daran fehlt, richtig geerdet zu sein." 

Sagt Hal Cannon - und trifft damit den Nagel auf den Kopf: Die Cowboy Kultur, die das Festival in Elko zeigt, ist im wahrsten Sinne des Wortes geerdet und bodenständig. Pat Sullivan aus dem Vorstand des Festivals sagt über diese Art Poesie:

"Die echte Poesie, die beste Poesie ist die, die auswendig gelernt wird, und vorgetragen wird. Die nicht in einem Buch gelesen wird, an der Uni, von irgendeinem Professor, sondern von Menschen kommt, die hart arbeiten, und darüber schreiben, was sie tun." 

Es geht nicht um Revolverhelden und Schießereien

Doch es geht in den Gedichten und Geschichten nicht um Revolverhelden und Bardamen, um Schießereien und Indianer. Es geht um das Leben als Viehzüchter und Farmer, in einer harten, unerbittlichen Landschaft und in wilder Natur, die einerseits atemberaubend schön aber andererseits gefährlich und sogar todbringend sein kann - oder zumindest: war. Die Todesgefahr ist selten geworden auf modernen Farmen. Stattdessen lauern andere Gefahren, zeitgemäße Gefahren: Einer von ihnen hat Bonnie Krogman ein ganzes Gedicht gewidmet. Die zentrale Stelle darin:

"Tut mir leid, dass ich's noch schlimmer machen muss, sagt sie am Abend eines harten Tages zu ihrem Mann, aber: Die Bank hat heute angerufen. So ist das nun mal - reich wird man nicht als Farmer und Rancher."

Doch es wäre falsch, wenn man den Eindruck vermitteln würde, in der Cowboy-Kultur gehe es immer nur um Schmerz und harte Arbeit und ausstehende Zinszahlungen, dafür ist sie viel zu lebensbejahend. Für jedes Gedicht über verheerende Stürme und gierige Banker gibt es  eine lustige Geschichte über ungeschickte Farmer, die versehentlich den Trecker in die Scheune rammen und waghalsige Teenager, die auf die harte Tour lernen, dass Bullenreiten nichts für Anfänger ist.  

Und es gibt die Musik. Dom Flemons, ist ein Grammy-Gewinner und Multi-Instrumentalist, der in seinem Lied "San Francisco Baby" die Cowboy-Kultur in die Gegenwart und in die Großstadt geholt hat. Im Kern geht es in seinem Lied darum, wie ihm in San Francisco das Herz gebrochen wurde, darüber kann man in jedem Musikstil singen, Dom Flemons tut es eben auf die Cowboy-Art.

Der Grammy-Preisträger und Multi-Instrumentalist Dom Flemons 2016 beim Cowboy Poetry Gathering in Elko, Montana. (Deutschlandradio Kultur/Rolf Büllmann)Sänger Dom Flemons beim Cowboy Poetry Gathering Festival. (Deutschlandradio Kultur/Rolf Büllmann)
Flemons tritt in der G3 Bar auf, im Western Folklife Center, einer Mischung aus kleinem Museum, Bar und Bühne in dem, was wohl als Stadtmitte von Elko durchgehen würde. Elko ist ein passender Ort für ein Festival, das sich einer Kultur widmet, die alles sein will - nur nicht glitzerig. Denn Elko ist ein bisschen wie eine moderne Westernstadt. Auf 1500 Metern Höhe in den Ruby Mountains in der nordöstlichen Ecke von Nevada gelegen ist es geprägt von der rauen Landschaft rundherum. 

Das harte Leben einer Bergbaustadt

Es ist eine Bergbaustadt, in den Minen wird bis heute Gold gefördert, und das merkt man Elko an. Die Bewohner - etwa 20.000 - sind harte Arbeit gewöhnt. Die Häuser sind klein, die Trucks sind groß, die Cowboyhüte haben weite Ränder und die Cowboystiefel haben abgewetztes Leder und schiefgelaufene Absätze. Arbeitsschuhe eben, kein Fashion-Statement wie in anderen Teilen der USA. In der G3 Bar ist das örtliche Publikum an diesem Abend in der Unterzahl.

Von überall in den USA sind Besucher des Festivals angereist. Auch Pat Sullivan ist da, aus dem Vorstand des Festivals. Er ist beides in einem: Besucher und Mit-Veranstalter, denn obwohl er so eng mitarbeitet beim Festival,  lebt er nicht in Nevada. Er kommt von der Ostküste, aus Virginia. Ist er damit nicht so was wie ein Fremdkörper unter all den Westernern?

"Ach, das hier ist ein Ort, wo es keine Rolle spielt, wo man herkommt. Weiße, Schwarze, Republikaner, Demokraten - bei all den Differenzen, die wir haben in unserem Land: hier geht es um die Poesie, und darum, ehrlich zueinander zu sein." 

Und darum, sich unterhalten zu lassen. In der 3G Bar ist heute Abend die Show "Old Time, Good Time" zu sehen.  Neben Dom Flemons ist auch das Duo Sourdough Slim und Robert Armstrong zu sehen. Eine leicht bizarre, aber unterhaltsame Mischung aus Comedy und Musik.

"Robert und ich freuen uns sehr, hier zu sein. Haben ein nettes Hotelzimmer. Obwohl - komische Leute nebenan. Auf der einen Seite ein paar Frauen, die die ganze Nacht rumgebrüllt haben, auf der anderen Seite irgendein Spinner, der andauernd gegen die Wand gehauen hat. Na, was soll's. Ich hab mich nicht stören lassen, und einfach weiter mein Akkordeon gespielt ..."

... und ja, das ist tatsächlich eine Komposition für Säge und Akkordeon, die Sie gerade hören. Den Besuchern gefällt's: 

Tolle Unterhaltung sei das, sagt dieser Mann: Kunst, Musik und Gedichte. Und manchmal sogar alles gleichzeitig. 

Der Cowboy-Soundtrack

Andy Hedges zum Beispiel hat das geschafft. Er hat eines der berühmtesten Cowboy-Gedichte überhaupt genommen, "Into The West" von S. Omar Barker, aus dem Jahr 1924, und eine Art Soundtrack dazu geschrieben. Ein wehmütiges Stück über die Sehnsucht eines kleinen Jungen, den es in die Schönheit des amerikanischen Nordwestens zieht, der dort sein Leben als Cowboy lebt und kurz vor seinem Tod zurückblickt auf seine Zeit. Still wird es da im Saal, auch Cowboys können gerührt sein. 

Doch an anderer Stelle ist das Festival in Elko dafür umso zupackender. Es gibt Workshops zu einer ganzen Reihe von Themen, nicht nur Tanzkurse. Es kann auch ganz praktisch werden, zum Beispiel im Seminar "Farming with Predators" - Landwirtschaft mit Raubtieren. Hilary Adams hält den Vortrag: Ranchersfrau aus Montana, Mutter von vier Kindern und - wie sie selber sagt - in ihrem früheren Leben "wildlife biologist". Eine Biologin, die sich mit wilden Tieren beschäftigt hat. Eine seltene Kombination von theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung, wie gleich am Anfang des Vortrages klar wird:

"Ich wollte mit diesem Bild hier anfangen - es zeigt einen Grizzlybär, der durch den Stacheldraht an der Rückseite unserer Ranch klettert."

... das schafft wohl nur eine zur Rancherin  gewordene Wildtierbiologin, über einen solchen Vorfall ohne allzu große Aufregung zu berichten. Es folgt ein Vortrag, der sogar den nichtbetroffenen Laien fasziniert, und das Fachpublikum geradezu fesselt. Es geht um unterschiedliche Meinungen über Raubtiere - offenbar sind vor allem Wölfe sehr umstritten, während die einen sie lieben, würden die anderen sie am liebsten alle abknallen – und es geht  um die Suche nach gemeinsamen Zielen:

"Uns wurde klar, dass Wölfe und Bären sich nicht um Zäune kümmern. Wir Menschen sind die einzigen, die mit Zäunen zwischen Dein und Mein unterscheiden. Also mussten wir einen gemeinschaftlichen Ansatz finden, wie wir mit dem Problem umgehen wollen. Denn was ein Nachbar tut gegen Raubtiere, hat ganz definitiv Auswirkungen auf die anderen Nachbarn."

Kuh-Umerziehung als Schutz gegen Wölfe

Ein noch fortschreitender Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, wenn man Hilary Anderson glauben kann. Aber wer hätte gedacht, dass man Kuhherden gegen Angriffe von Wolfsrudeln schützen kann, wenn man sie dazu bringt sich weniger wie Kühe zu verhalten, sondern mehr wie Elche? Elche laufen nicht weg, sondern stehen zusammen bei Raubtierangriffen, und offenbar kann der Cowboy, wenn er seine Arbeit richtig macht, den Herdeninstinkt seiner Kühe verstärken, die dann weniger anfällig sind für Angriffe. "Landwirtschaft mit Raubtieren" eben. 

Ein paar hundert Meter weiter, im Theater des örtlichen Colleges, findet ein Workshop der ganz anderen Art statt. 

Gary Allegretto wird auch der "Harmóni-Cowboy" genannt, der Mundharmonika-Cowboy. Er verspricht, jedem der rund 200 Teilnehmer seines Kurses die Grundlagen des Mundharmonika-Spiels in einer guten halben Stunde beibringen zu können. Für Feinheiten ist da nicht viel Platz. Gary bringt uns bei, mit den beiden Zeigefingern alle Löcher der Mundharmonika zuzuhalten, die NICHT gespielt werden sollen. 

Statt Notenblättern gibt es Zahlenfolgen, wobei jede Zahl einer Öffnung in der Vorderseite der Mundharmonika entspricht, und schwarze oder weiße Pfeile neben den Zahlen zeigen, ob man einatmen oder ausatmen soll beim Spielen. Simpel genug, dass sogar der Reporter nach einer halben Stunde mit Hilfe von Gary Hinweisen eine - zugegebenermaßen ziemlich ruckelige - Version von "You are my sunshine, my only sunshine" hinbekommt.

Was das mit Cowboykultur zu tun hat? Vieles, sagt Gary. Denn weder Cowboys, noch die Siedler, die in den Westen kamen, konnten auf ihren langen Trecks ein Klavier mitnehmen, und oft genug nicht mal eine kleine Geige. Für eine Mundharmonika aber war immer Platz - und so ist es eines der wenigen Male, dass das Klischee stimmt, wenn John Wayne im Western am Lagerfeuer sitzt und wehmütige Mundharmonikastücke spielt.

Überhaupt die Wehmut: Es zieht sich etwas Melancholisches durch die Cowboykultur. Manchmal ist sie Ausdruck schierer Erschöpfung, vor allem in den älteren Gedichten, in denen der tägliche harte Kampf ums Überleben thematisiert wird. 

Manchmal ist es die Einsamkeit, die sich einschleicht, wenn man sein Leben in den Weiten des amerikanischen Westens verbringt. Manchmal aber klingt auch die Wehmut nach, die man empfindet, wenn man an Dinge denkt, die unwiderruflich vorbei sind und vergangen. 

Ja, es gibt noch Cowboys im amerikanischen Westen, und Ranches, und große Viehherden. Es gibt Wildnis, und weite Himmel und Raubtiere, und das Leben kann immer noch hart sein, die Sommer sind heiß und die Winter lang und kalt. Doch es gibt eben auch Allradtrucks und Schneefräsen, es gibt elektronische Ohren-Chips für Kühe, es gibt das Internet. Und sogar in Elko, der kleinen Bergbaustadt im Nirgendwo von Nevada, gibt es einen Flugplatz. 

Hal Cannon, der Mann, der das Festival mit ins Leben gerufen hat vor mehr als dreißig Jahren, sagt:

"Fast jede Kultur hat diese alte Tradition von Hirtengedichten, die auf dem Landleben fußt. In Deutschland, in praktisch jedem Land, wo Viehzucht betrieben wird, gibt es eine dazugehörige Musik- und Poesie-Tradition."

Die Nebengeräusche der Moderne bedrohen die Cowboy-Kultur

Und genauso wie in Deutschland vieles, was die Trachten- und Traditionsvereine am Leben zu erhalten versuchen, von den Nebengeräuschen der Moderne überdeckt zu werden droht, so droht der Cowboy-Kultur das gleiche Schicksal. Cindy Poet, die mit ihrem Mann neun Stunden lang mit dem Auto von Montana nach Nevada gefahren ist, um das Festival zu sehen, sagt:

"Wir sind an einem Punkt angekommen, wo wir etwas tun müssen, wenn wir nicht alles verlieren wollen."

... und deshalb gibt es das Cowboy-Poetry-Gathering in Nevada: Um Leute dazu zu bringen, sich mit ihrem ganz eigenen Erbe kulturell auseinanderzusetzen. Das kann die Cowboy-Kultur sein, sagt  Pat Sullivan, der Cowboy aus Virginia, der zum Vorstandsmitglied des Festivals in Nevada wurde. Das kann aber auch etwas ganz anderes sein:

"Diese Veranstaltung hier hat eine Gruppe oben im pazifischen Nordwesten der USA inspiriert, die sich die Fischer-Poeten nennen. Eine Gruppe von Seeleuten, die darüber schreiben, wie sie vor Alaska, Washington und Oregon Fischfang betreiben. Großartige Poesie!"

Den Fischern von Alaska geht es dabei um dasselbe wie den Cowboys in Elko. Es geht darum, etwas zu tun, damit diese Kultur nicht sang- und klaglos verschwindet. Damit auch künftige Generationen sie noch erleben können. Damit die Cowboy-Poesie nicht einfach verstummt.

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