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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 22.10.2019

Meg Wolitzer: "Die Zehnjahrespause"Was kommt nach den Kindern?

Von Sonja Hartl

Buchcover von Meg Wolitzers "Die Zehnjahrespause" (Dumont)
Meg Wolitzer war eine der ersten amerikanischen Autorinnen, die sich dezidiert mit dem Thema Mutterschaft befasste. (Dumont)

Jahrelang dreht sich alles nur um die Kinder. Aber die werden irgendwann älter und gehen eigene Wege. In "Die Zehnjahrespause" zeichnet Meg Wolitzer ein humorvolles Porträt von vier Vollzeitmüttern auf der Suche nach neuer Erfüllung.

"Keine Kanzlei, kein Unternehmen der Welt konnte einem geben, was man vom eigenen Baby bekam." Zu dieser Erkenntnis ist die Anwältin Amy vor rund zehn Jahren gekommen, als sie entschieden hat, länger als die ursprünglich geplanten acht Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Mason zu Hause zu bleiben. Doch nun wird Mason älter, er braucht sie weniger und die Anfang 40-Jährige weiß nicht, wie sie diese Lücke füllen will.

Damit ist sie in Meg Wolitzers Roman "Die Zehnjahrespause" nicht allein, auch ihren Freundinnen geht es ähnlich: Zehn Jahre lang hat sich alles um Kinder gedreht. Nun könnte Roberta wieder anfangen zu malen, könnte Jill eine akademische Karriere beginnen, aber sie wissen gar nicht, ob sie das noch wollen. Einzig die Mathematikerin Karen scheint glücklich in ihrer Rolle als nicht-arbeitende Ehefrau und Mutter – oder lebt sie vielmehr den Traum ihrer Mutter?

Weiblichkeit, Ehrgeiz und Hoffnung

Amy, Roberta, Jill und Karen sind Frauen der Mittel- und Oberschicht des Post-9/11-New York. Sie können sich das Leben in der Stadt kaum mehr leisten, die unvermindert mit ihrem verheißungsvollen Versprechen lockt, dass hier alles möglich sei. Zu ihnen kommen weitere Frauenfiguren, vor allem Mütter, auch ihre eigenen.

Dadurch erzählt Wolitzer, die hierzulande vor allem mit ihrem Generationenporträt "Die Interessanten" bekannt geworden ist, von Weiblichkeit, vom veränderten weiblichen Ehrgeiz und von Frauenleben in verschiedenen Jahrzehnten und Milieus, die vereint sind in der Hoffnung, dass es die kommende Frauengeneration besser haben und machen wird.

"The Ten Year Nap" – so der Originaltitel des Romans, der unterstreicht, wie schnell diese Zeit für die Frauen vergangen ist – ist in den USA bereits 2008 erschienen. Damals war die US-Amerikanerin Meg Wolitzer mit Rachel Cusk eine der ersten Autorinnen, die sich dezidiert mit Mutterschaft auseinandersetzte. Seither ist das Schreiben über das Thema radikaler, mutiger geworden.

Mutterschaft beeinflusst das ganze Leben

In "Die Zehnjahrespause" indes ist der Erzählton distanzierter, ruhiger, nahezu fließend. Meg Wolitzer blickt präzise und mit oftmals trockenem Humor auf diese Vollzeitmütter, ihre Ambitionen und Entscheidungen. Aber sie werden niemals der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern ernstgenommen in ihrer Suche nach Erfüllung. Diese Jahre der Mutterschaft, sagt Amy einmal zu Jill, seien nur eine Phase. Dieser Roman aber erzählt, wie sie das gesamte Leben beeinflussen.

In den elf Jahren, die zwischen dem Entstehen des Romans und dem Erscheinen der Übersetzung liegen, haben sich die Erwartungen an Frauen noch einmal verändert. Heute gilt es, Mutterschaft und Karriere zu vereinbaren und in beidem gleichermaßen Erfüllung zu finden. Im Buch deutet sich diese Erwartung nur an. Man mag sich kaum ausmalen, was sie mit Amy, Jill, Roberta und Karen gemacht hätte.

Meg Wolitzer: "Die Zehnjahrespause"
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger
Dumont, 2019
448 Seiten, 24 Euro

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