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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.11.2017

Mediziner Dietrich GrönemeyerDer Rückenpapst

Moderation: Ulrike Timm

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Dietrich Grönemeyer (Claudio di Lucia)
Mediziner und Unternehmer Dietrich Grönemeyer (Claudio di Lucia)

"Die Wirbelsäule ist wie ein offenes Buch", sagt Dietrich Grönemeyer. Der Mediziner beschäftigt sich seit langem mit der Prävention von Rückenleiden. Und auch die Seele seiner Patienten nimmt er wichtiger als manch anderer Arzt.

Er gilt als Deutschlands "Rückenpapst": Dietrich Grönemeyer. Der Mediziner engagiert sich seit langem in der Prävention von Rückenleiden; in seinem Bochumer Grönemeyer-Institut für MikroTherapie forschen und behandeln Ärzte, Ingenieure, Informatiker und Reha-Fachleute.

Für den Radiologen ist die Wirbelsäule wie ein offenes Buch:

"Sie erzählt uns, was wir falsch machen: Wenn wir zu lange nach unten gucken, dann bekommen wir so einen Druck in die Schulter; und wir sehen auch, wie wir die Schultern hochziehen. Wenn wir bedrückt sind, wenn wir Angst haben, wenn wir uns ärgern, gehen wir genau in diese Haltung rein und wir buckeln. Es ist eine Frage der Haltung, wie wir uns unserem Rücken eigentlich nähern. Das heißt, hinhören, dass er uns sagen will: Mensch, kümmer‘ dich um dich, körperlich, aber auch um deine Emotionen, um deine Psyche."

Grönemeyers Motto: "Turne bis zur Urne!" 

Er will die Menschen im wahrsten Sinn des Wortes bewegen:

"Das geht schon morgens los: Im Bett schon mal richtig räkeln, strecken, gähnen, so richtig gähnen, dann aktiviert man die gesamten 64 Muskeln, die fürs Lachen zuständig sind im Gesicht. Dann fühlt sich der Körper schon wohler."

Und, wenn man es denn kann: Schon morgens auf einem Bein stehen, zum Beispiel beim Zähneputzen.

Das vermittelt der dreifache Vater und Großvater bereits Kindern in seiner eigenen Stiftung, die sich für Gesundheitserziehung einsetzt. Sein Ziel:

"Die Kinder von heute sollen nicht die Patienten von morgen werden."

Dietrich Grönemeyer, geboren 1952, stammt aus einer Bergarbeiterfamilie; wäre es nach seinem Vater gegangen, wäre er in dessen Fußtapfen getreten. Mütterlicherseits gab es aber auch viele Ärzte, und so entschied er sich für die Medizin.

Der Bruder starb in seinen Armen

Einschneidend – auch für sein Selbstverständnis als Arzt – war der frühe Tod seines mittleren Bruders Wilhelm. Er starb 1998 mit nur 44 Jahren an Leukämie.

"Ich musste die Nachricht des Todes meines Bruders, der in meinen Armen gestorben ist, meinem Vater und meiner Mutter überbringen. Und ich habe noch nie jemanden so schreien gehört, wie meinen Vater … Und meine Mutter in der stillen Trauer; beide haben aufgehört zu sprechen danach, beide wurden und werden betreut, haben sich zurückgezogen. Und für mich als Arzt, der ja auch die ganze Therapie mit konzipiert hat, habe ich eben festgestellt: Ich bin nicht derjenige, der bestimmt, wann wir kommen und wann wir gehen, sondern da gibt es andere Kräfte. Und ich habe gelernt, einfach dies ein bisschen auch in die Motivation zu übertragen: Für jeden Patienten noch mehr da zu sein, noch mehr als Zuhörer, noch mehr als kleiner Helfer, der dem Einzelnen Kraft gibt. Auch in ganz schweren Zeiten und seelsorgerisch, eben in den Arm nehmend auch dabei zu sein. Denn das ist auch ein wesentlicher Teil der Medizin, der leider immer mehr vergessen wird."

Herbert liebt den VFL, Dietrich die Borussia

Mit seinem jüngsten Bruder, dem Sänger Herbert Grönemeyer, verbindet ihn die Liebe zur Musik und zum Ruhrgebiet. Beim Thema Fußball scheiden sich aber die Geister: Herbert ist bekennender VFL Bochum-Fan, Dietrich Grönemeyers Herz schlägt für Borussia Dortmund.

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