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Kompressor | Beitrag vom 27.05.2019

Medienwissenschaftler über Rezo und Co.Die neue Neugier der Jugend

Christoph Engemann im Gespräch mit Shanli Anwar

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Die Studentinnen Erin Maudlin und Frances Yoshikane sitzen auf dem Boden und gucken ein Youtube-Video auf einem Smartphone, um die Anleitung für eine Aufgabe zu erhalten. (imago/ZUMA Press)
Lesen? Nein! Seine Studenten guckten Videos und hörten Podcasts, sagt Medienwissenschaftler Christoph Engemann. (imago/ZUMA Press)

Youtuber Rezo hat mit seiner CDU-Kritik für Aufsehen gesorgt. Das Videoformat zeige, wie heutige Studenten an komplexe Themen herangehen, sagt Medienwissenschaftler Christoph Engemann. Für ihn ein Beispiel für den Konflikt zwischen Jung und Alt.

55 Minuten Vortrag über ein komplexes Thema, angereichert mit zahllosen Quellenangaben: Youtuber Rezo sei ein Beispiel für die Rückkehr der Vorlesung, wie es sie zu Beginn der Universität im späten Mittelalter gegeben habe, sagt Medienwissenschaftler Christoph Engemann von der Bauhaus-Universität Weimar.

Damals habe es ebenfalls einen Wissensvermittler vor einer Zuschauergruppe gegeben, sagt er im Deutschlandfunk Kultur. Der Unterschied zu heute: Damals seien Bücher knapp gewesen, heute hätten theoretisch alle die Möglichkeit, sie zu lesen und sich daraus das Wissen anzueignen.

Weniger Bücher, dafür mehr andere Quellen

Engemann begann damit, sich mit dieser neuen Form der Wissensvermittlung zu beschäftigen, als ihm an seinen Studenten etwas Wesentliches auffiel. "Ich frage die: 'Haben Sie den Text gelesen?' Haben sie nicht. Dann frage ich die: 'Haben Sie ein Bücherregal?' Dann verstehen die die Frage nicht", erzählt er.

Gleichzeitig sehe er, wie komplex ihre Form von Wissensvermittlung mit Podcasts, Videos und anderem sei. "Die bilden sich neue Wahrnehmungs- und Sinngebungsstrukturen, wo wir als Leute, die an einer textbasierten Institution ausgebildet sind, ein Stückweit nicht hinterher kommen." Das sei genau der Konflikt, den beispielsweise auch Parteien mit jungen Wählern auszutragen hätten: "Zwei Formen der Diskursivität versuchen miteinander ins Verstehen zu kommen."

Neugieriger Nachwuchs

Für Engemann steht aber fest: "Warnungen über die Desintellektualität der Jugend stimmen einfach nicht." Der Nachwuchs sei aktiv und interessiert:

"Die haben eine große Neugier und eine große Energie, sie machen es nur halt anders."

(ske)

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