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Lesart / Archiv | Beitrag vom 16.05.2015

MedienkritikWie Journalisten Deutschland mitregieren

Thomas Meyer im Gespräch mit Christian Rabhansl

Tageszeitungen stecken an einem Zeitungsstand in Drehständern. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Journalisten mischen sich auf unzulässige Weise in den politischen Betrieb ein, meint Thomas Meyer. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Christian Wulff? Von den Medien zum Rücktritt gedrängt. Peer Steinbrück? Im Wahlkampf runtergeschrieben. Der Publizist Thomas Meyer beklagt in seinem neuen Buch einen zunehmenden Kampagnen-Journalismus. Was sich dagegen tun lässt, erklärt er im Interview.

Vor 14 Jahren hat Thomas Meyer das Buch "Mediokratie" geschrieben. Er schilderte darin eine übermäßig von den Medien gesteuerte Demokratie, in der sich die Politik mehr oder weniger freiwillig den Marktmechanismen der Medien unterwirft: schneller, dramatischer, simpler.

Jetzt legt der Dortmunder Politikwissenschaftler nach und schreibt: Politische Journalisten regierten ohne jedes Mandat heimlich mit und gerierten sich als Ko-Politiker – und seien gleichzeitig "Die Unbelangbaren". Aber stimmt das? Sind Journalisten tatsächlich unbelangbar? Strafrecht und Bürgerliches Gesetzbuch gelten auch für sie.

Thomas MeyerDie UnbelangbarenWie politische Journalisten mitregieren (Suhrkamp Verlag)"Die Unbelangbaren" von Thomas Meyer (Suhrkamp Verlag)In der "Lesart" erklärt Thomas Meyer seine Thesen und erläutert, wann und wie sich Journalisten seines Erachtens unzulässig einmischen. Er kritisiert einen zunehmenden Kampagnen-Journalismus bei gleichzeitig abnehmender Selbstkritik innerhalb der Medien. Doch im Buch beruft Meyer sich immer wieder auf renommierte Journalisten und deren Kritik am Medienbetrieb. Wie passt dies zusammen mit der Behauptung, die Massenmedien seien immun gegen Selbstkritik?

Eine systematische Analyse will der Politikwissenschaftler nicht bieten, sondern einen Essay. Er arbeitet mit Einzelfällen und bezeichnet dies als "empirisches Kaleidoskop". Beispiele für einen unzulässigen Kampagnen-Journalismus sieht er zum Beispiel im Ende der Bundespräsidentschaft Christian Wulffs sowie in der gescheiterten Kanzlerkandidatur Peer Steinbrücks. Dieser, so Meyer, sei psychologisch regelrecht hingerichtet worden.

Im "Lesart"-Gespräch verteidigt Thomas Meyer seine Kritik und erklärt, welche Schritte er für nötig erachtet, um zu einem besseren Journalismus zurückzukehren.

Thomas Meyer: Die Unbelangbaren
Wie politische Journalisten mitregieren
180 Seiten, 15 Euro
Suhrkamp

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