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Interview / Archiv | Beitrag vom 04.06.2019

Medienexpertin Lydia Grün"Für Jugendliche ist YouTube ein Leitmedium"

Lydia Grün im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Eine Hand hält ein Smartphone in die Kamera, auf dem das Logo von Youtube abgebildet ist. (unsplash / Viktor Szabo)
Fast alle Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren nutzen Youtube, sagt Lydia Grün. (unsplash / Viktor Szabo)

Etwa die Hälfte der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 nutzen YouTube-Videos zum Lernen: zur Vertiefung, für Hausaufgaben oder zur Prüfungsvorbereitung. Das müssten die Schulen zur Kenntnis nehmen, fordert Lydia Grün vom Rat für Kulturelle Bildung.

Kochrezepte, Gärtnern, Anleitung zum Gitarrenspiel: YouTube hat sich zu einer Art Bildungsmedium entwickelt, das vor allem von sehr jungen Menschen genutzt wird. So ergab die Studie "Jugend, Youtube, Kulturelle Bildung. Horizont 2019" des Rats für Kulturelle Bildung, dass 86 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren diese Plattform nutzen.

Für Jugendliche sei YouTube ein "Leitmedium", sagt Lydia Grün, Leiterin des Masterstudiengangs Musikvermittlung der Hochschule für Musik in Detmold und Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung. "Das müssen wir erstmal zur Kenntnis nehmen." 

Fast die Hälfte der gut 800 befragten Schüler nutzt der Untersuchung zufolge YouTube auch für das schulische Lernen. "Um ihr Wissen, was sie in der Schule brauchen, zu vertiefen. Also sich Sachen noch mal neu erklären zu lassen zum Beispiel", sagt Grün.

Die Schüler sehen YouTube differenziert

Insofern hätten sich hier "zwei komplett unterschiedliche Bildungspfade" entwickelt, meint die Musikwissenschaftlerin. Diese gelte es, miteinander in Verbindung zu bringen. Dazu müssten die Lehrer an Schulen YouTube als Bildungs- und Lernwelt aber erst einmal entdecken - und sich die Plattform auch medienkritisch aneignen.

Das deckt sich Grün zufolge auch mit den Bedürfnissen der befragten Jugendlichen: "Über 60 Prozent sagen eben auch, sie würden sich wünschen, dass YouTube und YouTube-Videos in der Schule generell thematisiert werden unter einem kritischen Blickwinkel, also: Wer veröffentlicht hier was mit welcher Qualität?"

Denn als kommerzielle Plattform, sei die Währung von YouTube Klickzahl und Verweildauer. Insofern brauche man dringend auch nicht-kommerzielle Räume, in denen Webvideos produziert werden könnten, mahnt die Musikwissenschaftlerin. "Dazu müssen natürlich auch die Akteure selbst, also in dem Fall zum Beispiel die Lehrkräfte oder die Kulturakteure gestärkt werden."

(uko)

Die Studie "Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung. Horizont 2019" wurde vom unabhängigen Expertengremium Rat für Kulturelle Bildung konzipiert und vom Taunussteiner IFAK-Institut durchgeführt. Finanziert wurde die Untersuchung aus Mitteln des Stiftungsverbundes Rat für Kulturelle Bildung e. V. sowie durch eine zusätzliche Förderung der Deutsche Bank Stiftung, der PwC-Stiftung, der Robert Bosch Stiftung GmbH und der Stiftung Mercator.
Der Rat für Kulturelle Bildung ist eine Initiative der Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, Karl Schlecht Stiftung, PwC-Stiftung, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Mercator und der Stiftung Nantesbuch. Dem Rat gehören elf Mitglieder aus verschiedenen Bereichen der kulturellen Bildung an.

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