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Breitband | Beitrag vom 11.06.2016

Medien und MeinungenNetzneutralität, Online-Sucht und Klammern

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Alle Daten sind gleich. Aber sind manche Daten womöglich gleicher? Das Prinzip der Netzneutralität sieht vor, dass im Internet alle Inhalte zu denselben Bedingungen durchgeleitet werden. Dieser Grundsatz sollte auch in eine Verordnung einfließen, die das EU-Parlament im Oktober verabschiedet hat. Aber: Die Regelung erlaubt Ausnahmen und deshalb ist unklar, ob nicht einzelne Anbieter doch zu Sonderkonditionen ihre Angebote im Internet verbreiten können.

Jetzt soll das Gesetz zur Netzneutralität genauer gefasst werden. Seit diesem Montag läuft der Konsultationsprozess zur Verordnung. Dazu hat die europäische Regulierungsbehörde BEREC Leitlinien veröffentlicht, in der sie die EU-Verordnung vom Oktober auslegt, also sagt, wie diese aus ihrer Sicht konkret gemeint sein sollte.

Dabei geht es zum Beispiel um so genannte Spezialdienste und die Frage: Erhalten bestimmte Anbieter für ihre Inhalte Vorfahrt, wenn sie extra dafür an die Netzbetreiber zahlen? Das können Spezialdienste können z.B. Videotelefonie oder Spiele sein und die BEREC will das unter bestimmten Bedingungen erlauben, nämlich dann, wenn herkömmliche Internetdienste davon nicht beeinträchtigt sind und der Internetzugang des normalen Nutzers ein bestimmtes Qualitätsniveau nicht unterschreitet.

Immer mehr Online-Süchtige

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler warnt vor einer Suchtwelle, die auf die Gesellschaft zukäme, das steht im neuen Drogen- und Suchtbericht von 2016. Demnach sind rund 560.000 Menschen in Deutschland internetabhängig. Besonders süchtig sollen Computerspiele, aber auch soziale Netzwerke machen. Die Folgen seien: "Vereinsamung, Verwahrlosung und Abkoppeln von der Realität", aber auch innere Unruhe und Entzugserscheinungen, wenn das Netzwerk mal nicht erreichbar ist. Inwieweit das Internet schuld ist oder ob es nicht eher nur ein Symptom ist, scheint nicht ganz klar. Die Drogenbeauftragte räumt zumindest ein, dass zum Beispiel Kinder von der Sucht betroffen wären, die sich vernachlässigt fühlten. Weitere Forschung ist also nötig.

((( Klammern ))))


Das Breitband-Meme der Woche hat diese Woche Klammern. Auf Twitter haben viele User ihren Namen im Profil in solche eingeschlossen. Dahinter steckt eine Solidaritätsaktion. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen rechten Hass. Der Hintergrund: amerikanische Neonazis und Antisemiten setzen die drei Klammerpaare um bestimmte Namen und signalisieren damit den eigenen Anhängern, diese Personen sind jüdisch und man kann sich im Netz auf sie stürzen. Die Nazis nennen diese Schreibweise Echos, die Klammern funktionieren also quasi wie ein Signal, das andere erkennen.

Jonathan Weisman von der New York Times zum Beispiel, um dessen Namen auch Klammern gesetzt wurden, ist dadurch zum Opfer eines rechten Mobs geworden. Indem viele Twitter-User nun sich selbst diese Klammern geben, nehmen sie die Betroffenen in Schutz. Allerdings gibt es auch Kritik von Betroffenen. Einige sagen, man verstehe das zwar als Zeichen der Solidarität, aber welche Art von Solidarisierung ist angemessen? Muss sich die Netzgemeinde alles einverleiben, um die Welt zu verbessern? Darüber kann und sollte man sicher diskutieren.

Bild: clamps von Simon Cousins auf flickr CC BY

Breitband

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Eine junge Frau und ein junger Mann drehen sich auf der Straße nacheinander um. (imago / Reporters / Heline Vanbeselaere)

Aus dem Netz in die Buchhandlungen: Gerade ist in 23 Ländern der Erzählband "Cat Person" erschienen - eine Story, die im Rahmen von #MeToo viral ging. Für Christiane Frohmann ein Beispiel dafür, wie Soziale Medien auch neue Kommunikationsräume eröffnen können.Mehr

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