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Breitband | Beitrag vom 30.07.2016

Medien und MeinungenBöses Darknet, böse Killerspiele, böse Hashtags

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Darknet ist fast schon das Schlagwort der Woche. Der vermutlich rechtsextremistische Täter soll sich seine Waffe über das Darknet besorgt haben. Jetzt wird über diesen Teil des Internets diskutiert. Nicht immer kompetent. Einige haben anscheinend noch nie etwas vom Darknet gehört. Für sie ist das jetzt wahrscheinlich so etwas wie der dreckige Hinterhof des Netzes mit schmutzigen Geschäften.

Es gibt Überlegungen zum Beispiel vom rheinland-pfälzischen Justizminister, Herbert Mertin, "etwas Licht in diesen dunklen Teil des Netzes zu bringen".  So der Politiker wörtlich im DPA-Interview. Allerdings warnt auch er vor schnellen Schlüssen und stereotypen Forderungen.

Dem Chaos Computer Club ist wichtig, dass das Darknet nicht grundsätzlich verteufelt wird. Eigentlich sei es nämlich zum Schutz von Verfolgten in Diktaturen entwickelt worden, um sich anonym informieren und kommunizieren zu können. Forderungen nach Zensur seien Quatsch, so Chaos Computer Club-Sprecher Linus Neumann hier im Deutschlandradio Kultur.

Zum Darknet hat sich in dieser Woche auch BKA-Chef Holger Münch geäußert. Allerdings blieb auch er eher zurückhaltend in seiner Bewertung. Zum Thema Waffenkauf wies es lediglich daraufhin, dass es ihn gebe, aber zum Glück nicht in der Menge wie zum Beispiel bei Betäubungsmitteln.

Killerspiele - not again

Auch über sogenannte Killerspiele wird nach dem Amoklauf wieder diskutiert. Jetzt auch mit einer ersten Konsequenz. Die zieht der Sender Pro 7 Maxx. Eigentlich wollte der Sender Counter-Strike-Turniere übertragen. Damit sollten Vorbehalte gegen Ego-Shooter ausgeräumt werden. Jetzt wurde aber bekannt, dass der Täter von München angeblich leidenschaftlich Counter-Strike gespielt hat. Damit greifen wieder alte Reflexe, anscheinend auch bei Pro 7 Maxx. Die geplanten Übertragungen wurden mit Verweis auf die Ereignisse abgesagt.

Für den Journalisten Christian Schiffer ist die neue Diskussion um Killerspiele der #failoftheweek. Im Zündfunk-Blog des Bayrischen Rundfunks schreibt er, dass Counterstrike nicht gewaltverherrlichend sei, sondern mehr eine Art Räuber und Gendarm des digitalen Zeitalters. Zudem gebe es keine nachhaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung von Ego-Shootern. Die Debatte lenke nur von den eigentlich wichtigen Fragen ab. Zum Beispiel: Warum es zu wenige Schulpsychologen gebe.

#olympia - ist das ein Hashtag oder eine Marke?

Nach den emotionalen Debatten noch die merkwürdigste Meldung der Woche. Für die hat der Deutsche Olympische Sportbund gesorgt. Er will Firmen die Nutzung von Hashtags verbieten. Es geht um Unternehmen, die keine offiziellen Sponsoren der olympischen Spiele sind. Sie sollen #Rio2016, #Olympische Spiele und #Olympia nicht nutzen dürfen. Putzig, aber der Deutsche Olympische Sportbund beruft sich damit auf die Richtlinien des IOC. Da heißt es nämlich, dass nur offizielle Partner mit den Spielen werben dürfen. Tatsächlich sind die Begriffe auch markenrechtlich geschützt. Das bedeutet aber nicht, dass man sie deswegen auf keinen Fall in einem Tweet verwenden darf. Das sagen zumindest einige Juristen. So zitiert Spiegel Online den Medienanwalt Carsten Ulbricht: "Beschreibende Sätze bei Twitter wie 'Wir freuen uns auf #Rio2016' können gesetzlich keine Markenverletzung sein".

 

Bild: IMG_7841 von Omar Faruk.bd auf Flickr.com CC BY

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Eine Hand blättert in einem Buch mit leeren Seiten. (Unsplash / Anomaly)

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