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Breitband | Beitrag vom 09.02.2019

Medien in Venezuela"Fake News versetzen die Menschen in Dauerstress"

Adriana Loureiro Fernández im Gespräch mit Vera Linß und Mike Herbstreuth

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Ein Mann hebt die Arme hoch bei einem Protest gegen die Regierung von Präsidenten Maduro. (dpa / picture alliance / Rayner Pena)
Venezolaner protestieren gegen Präsident Maduro (dpa / picture alliance / Rayner Pena)

„Zensur auf neuem Höchststand“ heißt es bei Reporter ohne Grenzen über die Situation der privaten Medien in Venezuela. Die Informationslücken werden mit Fake News und Gerüchten gefüllt, berichtet die Journalistin Adriana Loureiro Fernández.

Schon seit Jahren steckt Venezuela in einer schweren Wirtschaftskrise: Die Bevölkerung hungert, es herrscht Hyperinflation und drei Millionen Menschen sind bereits aus dem Land geflohen. Seit Januar kommt ein offen ausgetragener politischer Machtkampf dazu. Für die Medien wird es immer schwieriger zu berichten. "Zensur auf neuem Höhepunkt" schreibt Reporter ohne Grenzen zur aktuellen Lage.

"Es ist sehr feindselig im Moment. Die Menschen haben extreme Angst, mit der Presse zu sprechen", sagt die Fotojournalistin Adriana Loureiro Fernández. "Einige Redakteure bitten mich um Bilder, die ich normalerweise schnell schießen könnte, was jetzt aber sehr kompliziert ist. Dazu kommt: Die Polizei könnte dich anhalten, deinen Pass einfordern und dich fragen, was du hier für wen machst."

Papierknappheit bei den Zeitungen

Es könne auch vorkommen, dass den Journalisten ihre Ausrüstung weggenommen werde. "Das passiert jetzt öfter als vorher", sagt Fernández. Gerade für Journalisten aus dem Ausland sei es schwierig, die Lage einzuschätzen. "Für mich ist es ein bisschen anders, ich komme aus Venezuela, bin hier geboren und aufgewachsen. Ich gehe nicht an Orte, von denen ich weiß, dass es keine gute Idee ist, sie zu besuchen. Ich habe einfach lange hier gearbeitet und nehme die Signale wahr."

Auch die Jobsituation für Journalisten spitzte sich zu: "Es gibt immer weniger Lokaljournalisten. Wir feiern jede zweite Woche eine Abschied." Zeitungen werden dichtgemacht, weil es kein Papier gibt, auf dem sie gedruckt werden können. Radio-Sendungen werden gestrichen, weil sie Worte benutzen, die der Regierung missfallen und das Fernsehen wird direkt und indirekt vom Staat kontrolliert.

Ein junge Frau steht im Halbdunkel und stützt sich auf einem Stuhl ab (Adriana Loureiro Fernández)Die Fotojournalistin Adriana Loureiro Fernández veröffentlicht in amerikanischen Zeitungen, wie die New York Times, und Agenturen wie Bloomberg oder Reuters. (Adriana Loureiro Fernández)

Die Fotografin denkt, dass die vom Staat kontrollierten Medien jedoch weiterhin ein großes Publikum haben. Aber es gäbe auch einen anderen Trend: Viele Menschen bekommen ihre Nachrichten über Social Media wie WhatsApp-Gruppen oder Twitter. Doch diese Nachrichten sind oft Fake News.

"Jeden Tag ein Gerücht über einen neuen Staatsstreich"

"Es gibt quasi täglich neue Gerüchte", beklagt Fernández. "Einige sind absolut wahnwitzig, andere nur Halb-Wahrheiten. Das macht es für uns Journalisten schwer. Wir sagen den Menschen immer: Benutzt Social Media bewusster!" Aber trotzdem verbreiten sich Gerüchte über einen neuen Staatsstreich rasend schnell durch WhatsApp-Gruppen und Sprachnachrichten: "Wegen dieser Falschinformationen befinden sich die Menschen hier in einer Art Dauerstress."

Es gibt aber auch Kampagnen gegen Zensur und Fake News. Dazu gehört "El Bus TV", eine Gruppe von Journalisten und Journalistinnen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln Nachrichten vorlesen. "Es läuft überraschend gut. Am Anfang wusste ja niemand, wie die Leute darauf reagieren würde, aber es kommt gut an", sagt die Fotografin Adriana Loureiro Fernández.

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