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Echtzeit | Beitrag vom 24.08.2019

Medical DesignWie wird der Rollator sexy?

Detlef Rhein im Gespräch mit Mandy Schielke

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Zwei ältere Herren mit Schutzhelmen und Ihren Gehhilfen verabschieden sich mit einer juvenilen Geste, der Ghettofaust. (imago images / Westend61)
Anders als Brille oder Fahrradhelm ist der Rollator noch kein Objekt, mit dem sich Distinktion betreiben oder Stil vorzeigen ließe, meint Detelf Rhein. (imago images / Westend61)

Für den Medical-Design-Professor Detlef Rhein ist der Rollator eine Manifestation von Einschränkung. Lässt sich das miese Image des praktischen Geräts durch neues Design oder Weiterentwicklungen verbessern?

Der Rollator in seiner heutigen Form wurde 1978 in Schweden erfunden, in den Neunzigerjahren kam er nach Deutschland. Ein Gerät, das Mobilität für alte Leute ermöglicht – und damit Teilhabe am sozialen Leben. So gesehen ist der Rollator natürlich ein Hilfsmittel – er ist aber auch ein Problem, eine Art von "Manifestation" von "Einschränkung", sagt Detlef Rhein, Professor für Medical Design an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.

Anders als Brille oder Fahrradhelm ist der – freilich auch umfänglichere – Rollator, den es in Japan, einem Land mit sehr vielen alten Menschen übrigens kaum zu sehen gibt, noch kein Objekt, mit dem sich Distinktion betreiben oder Stil vorzeigen ließe. Auch wenn sich einiges getan hat, mit dem Material gespielt wird, die Formgebung "schnittiger, race-iger" wird, wie Rhein sagt. Auch Elektroantrieb, Einkaufstaschen und Sitzmöglichkeiten sind Features, die von einer Weiterentwicklung zeugen.

Vom Regenschirm lernen

Um tatsächlich wegzukommen vom Bilde der Hilfebedürftigkeit, das die Grundstruktur des Rollators bislang vor allem hervorruft, müsse man frei und weit denken. Ob nicht mehr Möglichkeiten zur Transformation wünschenswert wären wie bei einem Regenschirm –  dass der Rollator etwa auch als Gehstock benutzt werden könnte. Und dass seine "Durabilität" sich verbessert, zum Wert wird; das Gerät ähnlich von seinem "Gebrauchtwerden", seiner Geschichte zeugen kann, wie das die Schrammen von Aluminium-Koffern tun.

Dass der Rollator eines nicht fernen Tages ein stilvolleres Objekt werden könnte, als er das aktuell ist – dafür spricht die Demografie. Wenn wohlständige Generationen alt und rollatorbedürftig werden, denen ein modisches Bewusstsein von Kindesbeinen wichtig ist.

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