Seit 08:05 Uhr Kakadu

Sonntag, 19.01.2020
 
Seit 08:05 Uhr Kakadu

Rang I | Beitrag vom 07.03.2015

Maxim Gorki Theater BerlinDie Rettung von mehr als 4000 Armeniern

Von Jutta Schwengsbier

Podcast abonnieren
Schauspielerin Ruth Reinecke in "Musa Dagh — Tage des Widerstands" am Maxim Gorki Theater  (imago stock&people)
Schauspielerin Ruth Reinecke in der Inszenierung "Musa Dagh - Tage des Widerstands" unter der Regie von Hans-Werner Kroesinger am Maxim Gorki Theater Berlin. (imago stock&people)

Im Gedenkjahr an den Völkermord an den Armeniern hat am Berliner Maxim Gorki Theater Regisseur Hans-Werner Kroesinger "Musa Dagh — Tage des Widerstands" inszeniert. Das Stück erzählt die Rettung von Tausenden Armeniern vom Berg Musa Dagh.

Mit den Themen der Gegenwart hat man im Berliner Maxim Gorki Theater gewiss keine Berührungsängste, jetzt aber geht es dort um ein Stück Vergangenheit, bei dem man schnell zwischen den Stühlen landet. Unter dem Titel "Es schneit im April – eine Passion und ein Osterfest" gedenkt das Haus in zahlreichen Veranstaltungen dem Völkermord an den Armenien, der sich 1915 zugetragen hat.

Unter anderem bringt Dokumentartheater-Regisseur Hans-Werner Kroesinger Franz Werfels Roman "Die 40 Tage des Musa Dagh" von 1933 auf die Bühne und verknüpft ihn mit politischen Dokumenten und der Frage nach der deutschen Mitschuld.

"Jedes einzelne Menschenleben ist ein großer Verlust" – Shermin Langhoff, Intendantin des Berliner Maxim Gorki Theaters über den Armenienschwerpunkt an ihrem Haus.

Das amtierende Theater des Jahres

Das Berliner Maxim Gorki Theater ist nicht nur noch immer das amtierende Theater des Jahres, es hat auch selbst eine lange politische Geschichte – in der ehemaligen Berliner Singakademie, in der es zu Hause ist, arbeitete schon die erste frei gewählte Preußische Nationalversammlung an einer demokratischen Verfassung – bevor sie 1848 aus der Stadt vertrieben wurde.

Shermin Langhoff (Deutschlandradio Kultur/ Norbert Wassmund)Shermin Langhoff (Deutschlandradio Kultur/ Norbert Wassmund)Ein Erbe, das verpflichtet, wie Intendantin Shermin Langhoff findet. Deshalb widmet sie sich nun einem dunklen Kapitel in der Geschichte: Vor genau 100 Jahren trug sich im osmanischen Reich der Völkermord an den Armeniern zu. Daran erinnert das Berliner Maxim Gorki Theater von heute an bis Ende April mit der prall gefüllten Veranstaltungsreihe "Es schneit im April – Eine Passion und ein Osterfest".

Konzerte und Diskussionen

Dabei werden nicht nur Theateraufführungen, sondern zahlreiche Filme und Ausstellungen zu sehen sein, ergänzt um Konzerte und Diskussionen. Im Gespräch mit André Mumot erklärt Shermin Langhoff, dass auch sie "Geschichte persönlich nehme", weshalb es ihr ein besonderes Anliegen sei, dieses schwierige Thema in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken und dabei "die deutsche Perspektive eines deutschen Stadttheaters einzunehmen".

Schließlich würde sich auch die deutsche Regierung noch immer weigern, den Begriff "Völkermord" anzuerkennen. Das Worts selbst, so Shermin Langhoff, sei aber nicht entscheidend: "Am Ende ist wichtig zu begreifen, dass jedes einzelne Menschenleben ein großer Verlust ist."

Weitere Informationen zu der Themenreihe "Es schneit im April – eine Passion und ein Osterfest" auf der Homepage des Maxim Gorki Theaters.

 

Mehr zum Thema:

Verbrechen an den Armeniern - "Das deutsche Wort dafür ist Völkermord"
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 26.10.2014)

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Castorf-Inszenierung in KölnDas amoralische Bürgertum
Die drei Schauspieler Peter Miklusz, Bruno Cathomas, Lilith Stangenberg (Thomas Aurin)

Aus vier Stücken und einem Roman von Carl Sternheim mixt Frank Castorf einen langen Theaterabend. Was vor hundert Jahren funktionierte, gelingt heute immer noch: Unser Kritiker fand in der rund sechsstündigen Aufführung "großartige Momente".Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

Architektenlegende Gottfried Böhm Träume aus Beton
Der kristallin geformte Nevigeser Wallfahrtsdom in Neviges, ein Bau mit viel Beton. (Picture Alliance / dpa / Horst Ossinger)

Ein Gotteshaus aus Beton: Der Architekt Gottfried Böhm hat den Mariendom im Wallfahrtsort Neviges im Stil des Brutalismus errichtet. Nun widmet sich eine Ausstellung in Frankfurt dem Bau – und feiert damit den 100. Geburtstag Böhms.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur