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Konzert / Archiv | Beitrag vom 19.12.2019

Maxim Emelyanychev beim Konzerthausorchester BerlinJunger Dirigent ganz klassisch

Moderation: Volker Michael

Der Pianist und Dirigent Maxim Emelyanychev (Jean-Baptiste Milot/Konzerthaus Berlin)
Gibt seinen Einstand beim Konzerthausorchester Berlin, der Dirigent Maxim Emelyanychev (Jean-Baptiste Milot/Konzerthaus Berlin)

Wie ein Balletttänzer bewegt sich der Dirigent Maxim Emelyanychev vor dem Orchester. Jetzt kam das Konzerthausorchester Berlin erstmals in den Genuss, mit ihm zu spielen - das Programm war mit Haydn, Mozart, Beethoven und Mendelssohn ganz klassisch.

Das letzte Mal stand er auf der Bühne des Konzerthauses Berlin, um einen Schallplattenpreis entgegenzunehmen. Nun gab der russische Dirigent Maxim Emelyanychev zwei Jahre später seinen Einstand als Dirigent beim Konzerthausorchester Berlin. Er hat sich mit dem Alte-Musik-Ensemble "Il pomo d'oro" vor allem als Spezialist für Barock und Frühklassik einen Namen gemacht. Seit drei Jahren ist er dessen Chefdirigent. Außerdem leitet er als Nachfolger von Robin Ticciati das Scottish Chamber Orchestra. Ganz auf die klassische Epoche setzte Emelyanychev auch in diesem Programm am dritten Adventswochenende.

Auftakt zum Beethovenjahr

Drama und Überraschung waren die Stichworte für die Werkauswahl. Ein kleiner Auftakt fürs Beethovenjahr war es zudem, was der 31 Jahre alte Dirigent aus Nischnij Nowgorod und das Konzerthausorchester da boten. Denn die Ouvertüre zur Prometheus-Ballettmusik des Bonner Meisters eröffnete den Abend. Und jedes Werk von Mozart und Haydn zeigt deutlich, aus welchen Quellen Beethoven geschöpft hat. Die Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy wiederum ist ein nahtloses Kontinuum dessen, wofür der Wahlwiener Komponist zeitlebens künstlerisch gestanden hat.

Der Soloflötist des Konzerthausorchesters Berlin, Yubeen Kim (Taeuk Kang/Konzerthaus Berlin)Der Soloflötist des Konzerthausorchesters Berlin, Yubeen Kim (Taeuk Kang/Konzerthaus Berlin)

Es ist immer ein großer Moment für ein Orchester, wenn eines seiner Mitglieder als Solist in einem Konzert in Erscheinung treten kann. Diesmal war es für den Ersten Solo-Flötisten des Konzerthausorchesters, für Yubeen Kim soweit. Er hatte sich für sein umjubeltes Heimspiel eines der beiden Flötenkonzerte Mozarts ausgesucht, nämlich das in D-Dur. Zwischen Opernarie und Gesellschaftstanz wechselt hier der Ausdruckscharakter, oft aber wirken die Solokadenzen wie verträumte Gesänge eines vorromantischen Geistes. Seine Masterarbeit hat Yubeen Kim zwar in Lyon über die Flötenetüden des deutsch-koreanischen Komponisten Isang Yun geschrieben, für das klassische Konzert am dritten Adventswochenende in Berlin entschied sich der junge Flötist aber für ein Werk Carl Philipp Emanuel Bachs als Zugabe. Isang Yun hat einerseits länger in Berlin gelebt als Carl Philipp Emanuel Bach, andererseits haben Mozart, Haydn und andere Wiener Klassiker eben jenen Bach-Sohn als großes Vorbild verehrt, Isang Yun konnten sie ja noch gar nicht kennen.

Mit Haydn in London

Mit Verve und ironischem Hintersinn dirigierte Maxim Emelyanychev die vorletzte der so genannten Londoner Sinfonien Joseph Haydns. Der Beginn dieser Sinfonie ist besonders mystisch mit dem zu improvisierenden Paukenton und dem dunklen Motiv der Celli und Fagotte, das an das Dies Irae aus der Totenmesse erinnert. Doch Haydn wäre nicht Haydn, wenn nicht auch diese Sinfonie vor allem durch ihre melodiösen Einfälle und die vielen klingenden Überraschungen für gute Laune sorgen würde. Für Märchen und Dramatik hatte zuvor die Melusinen-Konzertouvertüre Felix Mendelssohn Bartholdys gesorgt, ein beeindruckend präzises und transparentes Werk, das die Gattung sinfonische Dichtung vorweggenommen hat.  

In der Konzertpause stellt Ihnen Cornelia de Reese den langjährigen Graphiker des Konzerthauses Berlin, Jörg Schultz-Liebisch vor. Außerdem berichtet Maxim Emelyanychev von seinem Studium bei der Dirigentenlegende Gennadij Roschdestwenskij. Die Gespräche können Sie hier nachhören:

Im Anschluss hören Sie eine kleine Kostprobe aus der Produktion "Christmas Contemporary" vom Sänger Dietrich Henschel, dem Ensemble United Berlin und dem Dirigenten Vladimir Jurowski. 

Konzerthaus Berlin
Aufzeichnung vom 14. Dezember 2019

Ludwig van Beethoven
Ouvertüre zu "Die Geschöpfe des Prometheus" C-Dur op. 43

Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Flöte und Orchester D-Dur KV 314

Felix Mendelssohn Bartholdy
"Das Märchen von der schönen Melusine", Konzertouvertüre F-Dur op. 32

Joseph Haydn
Sinfonie Nr. 103 Es-Dur

Yubeen Kim, Flöte
Konzerthausorchester Berlin
Leitung: Maxim Emelyanychev

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