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Fazit | Beitrag vom 31.08.2021

Max-Stern-Ausstellung in DüsseldorfBiografisches und wenig Originale

Stefan Koldehoff im Gespräch mit Marietta Schwarz

Der Student Max Stern, Bad Nenndorf, um 1926. (Stadtmuseum Düsseldorf / National Gallery of Canada, Library and Archives)
Der jüdische Kunsthändler Max Stern als Student im Jahr 1926 (Stadtmuseum Düsseldorf / National Gallery of Canada, Library and Archives)

In einer Zwangsauktion musste Max Stern 1937 die Bilder seiner Galerie auf Druck der Nazis verkaufen. Seine Lebensgeschichte als jüdischer Kunsthändler und seine Flucht nach Kanada dokumentiert eine Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum.

Mit drei Jahren Verspätung ist im Düsseldorfer Stadtmuseum die Ausstellung über den jüdischen Kunsthändler Max Stern eröffnet worden. Die Nazis hatten Stern 1937 gezwungen seine Düsseldorfer Galerie aufzulösen.

Die Ausstellung sei vor allem dokumentarisch, sagt Kunstmarktexperte Stefan Koldehoff. Sie bezieht sich auf das Leben von Max Stern, auf seine Familie und auf die Tätigkeit seiner Galerie einschließlich Berufsverbot durch die Nationalsozialisten und die Flucht ins Exil.

Wissenschaftlicher Schwerpunkt

Auch die Suche nach abhandengekommenen Werken wird einbezogen. Die überwiegend wissenschaftliche Ausstellung zeigt Zeugnisse, Kataloge und Briefwechsel.

Viele wichtige Bilder, nach denen man erfolgreich gesucht hatte, sind nur als Reproduktionen zu sehen. Mögliche Leihgaben wurden auch wegen der Streitigkeiten im Vorfeld der Ausstellung zurückgehalten.

Langer Weg bis zur Eröffnung

Der Eröffnung war ein jahrelanges Ringen mit internationalen Experten um Restitutionsansprüche vorangegangen. Ein Streit, der sich zu einem großen Politikum entwickelte und dazu führte, dass die Stadt Düsseldorf, die jüdische Gemeinde der Stadt und auch die Leiterin des Stadtmuseums, Susanne Anna, ausgestiegen waren.

Affront gegen die Erben

Bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung sei klar geworden, dass man sich in Düsseldorf sehr bewusst ist, dass in den vergangenen Jahren einiges schiefgelaufen ist, findet Koldehoff. Düsseldorfs Oberbürgermeister Keller habe sich im Namen der Stadt bei den Vertretern der Erben regelrecht entschuldigt, dass sie die Absage 2017 als Affront wahrgenommen hatten.

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Weil Max Stern kinderlos war, hatte er drei Universitäten als Erben eingesetzt. Nach seinem Tod 1987 im Exil in Kanada hatten sie sich auf die Suche nach Bildern begeben. Im Düsseldorfer Stadtmuseum hatten sie dabei ein wichtiges Porträt von Wilhelm von Schadow aus Sterns abhandengekommenen Galerie gefunden.

Unglückliche Kommunikation

Doch das daraufhin geplante gemeinsame Ausstellungsprojekt von Erben und Stadtmuseum wurde von Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe überraschend gestoppt: Es gebe noch Forschungsbedarf auf deutscher Seite.

Dabei war die Begründung offensichtlich unglücklich kommuniziert worden. Die kanadischen Vertreter zogen sich irritiert zurück. 

Äußerst ungeschickt empfand damals auch der Provenienzforscher Willi Korte diesen Rückzug ohne Rücksprache mit den kanadischen Partnern. (Audio) Zudem hatte sich die jüdische Gemeinde Montreal bereits mit 50.000 Euro an der Finanzierung der Ausstellung im Stadtmuseum beteiligt.

Unvollständige Forschung

Auch mit der neuen Ausstellung sei nun keineswegs alles in Ordnung, kritisiert Korte. Weil mit den kanadischen Experten nicht über die Gründe der damaligen Absage gesprochen worden sei, beteiligten sich auch die kanadische Stern-Stiftung und das internationale Stern-Forschungsprojekt nicht. Düsseldorf habe sich isoliert und könne von der internationalen Forschungsarbeit nicht profitieren.

Streit klingt nach

Ohne Streit wäre die Ausstellung mit anderen Akzenten möglich gewesen, meint Koldehoff. Dass Stern in die Flucht gezwungen wurde, hätte man auch in den Texten zur Ausstellung deutlicher formulieren können. Überhaupt entschiedener mit dem Thema umgehen sollen.

Der Streit habe auch zum Mangel an Originalen beigetragen: Das Schadow-Porträt hänge als Leihgabe in der ständigen Ausstellung des Stadtmuseums, statt in der neuen Wechselausstellung. So wie Tonbandaufnahmen von Max Stern wurden sie von den kanadischen Erben nicht freigegeben.  

"Entrechtet und beraubt. Der Kunsthändler Max Stern"
Ausstellung im Düsseldorfer Stadtmuseum bis zum 30. Januar 2022

Mehr zum Thema

Jüdischer Kunsthändler Max Stern - Kritik an Ausstellung in Düsseldorf
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 12.07.2021)

Stadtmuseum Düsseldorf in der Kritk - Ausstellung über jüdischen Kunstsammler Max Stern
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 30.11.2017)

Stadtmuseum Düsseldorf - Jüdische Kunst lebendig machen
(Deutschlandfunk Kultur, Aus der jüdischen Welt, 20.03.2015)

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