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Interview | Beitrag vom 10.10.2020

Maßnahmen gegen Depressionen am Arbeitsplatz"Ein Klima des Vertrauens herstellen"

Nele Groeger im Gespräch mit Dieter Kassel

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Eine Frau deren Labtop am Boden steht macht in ihrem Wohnzimmer einen Kopfstand. (Gettyimages / Westend61 / Robijn Page)
Yogaübungen in Arbeitspausen sind nur ein kleiner Baustein auf dem Weg zu mehr körperlichem und seelischem Wohlbefinden am Arbeitsplatz. (Gettyimages / Westend61 / Robijn Page)

Nicht jede und jeder kommt mit der Einsamkeit im Homeoffice klar. Etliche leiden unter depressiven Stimmungen. Deshalb sollten Unternehmen gezielt die psychische Widerstandskraft der Mitarbeitenden stärken, sagt Kommunikationsexpertin Nele Groeger.

Die Coronapandemie verlangt der Arbeitswelt viel ab: Mitarbeitende finden sich Vollzeit im Homeoffice wieder, und es sieht nicht danach aus, als werde sich das so schnell ändern. Viele fühlen sich isoliert, einsam. Wer anfällig dafür ist, entwickelt vielleicht depressive Stimmungen oder eine ein ausgewachsene Depression. Auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ist es nicht einfach: Wie hält man seine Mitarbeitenden seelisch gesund und bei der Stange?

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Am 10. Oktober ist der "Welttag der seelischen Gesundheit". Das ist Anlass genug, eine Expertin zu fragen. Die Kommunikationsdesignerin Nele Groeger berät mit Kolleginnen in ihrer Agentur für psychische Gesundheit, Shitshow, Organisationen und Unternehmen für ein besseres Arbeitsklima. Groeger räumt zwar ein, dass es für manche, eher introvertierte und im Arbeitsalltag vielleicht von Kollegen gemobbte Menschen sogar eine Erleichterung sein könne, "aus dem sozialen Verbund genommen zu werden" und alleine zu Hause zu arbeiten.

Schlechte Stimmung hält an? Ab zum Arzt!

Dennoch: Wenn Lustlosigkeit, schlechter Schlaf, schlechte Stimmung, Traurigkeit länger als zwei Wochen andauern, rät Groeger zum Arztbesuch. Sie warnt zugleich davor, Menschen mit Depressionserkrankungen automatisch für nicht mehr voll leistungsfähig zu halten: "Das ist nicht wissenschaftlich belegt."

Groeger weiter: Yoga- und Meditationskurse gehörten vielerorts als Interventionsmaßnahme schon zum festen Repertoire. Doch es bedürfe weiterer Maßnahmen, um die Resilienz der Mitarbeitenden zu stärken: "Das persönliche Verhalten muss sich ändern. Das Individuum muss lernen, wie es den Stress besser managen kann, wie es seine Grenzen schützen kann. Aber auch die Kultur muss verändert werden: das Führungsverhalten und die Kommunikation."

Chefs sollten kulant sein

Gerade in angespannten Zeiten wie diesen sei es wichtig, "ein Klima des Vertrauens und des Wohlwollens herzustellen". Dazu gehöre auf Arbeitgeberseite auch, hier und da "Kulanz walten zu lassen", wenn die Belastungsgrenzen erreicht seien.

(mkn)

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