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Interview | Beitrag vom 09.12.2020

Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre: "Alle sind so ernst geworden""Ich verstehe auch nicht alles, was ich rede"

Benjamin von Stuckrad-Barre und Martin Suter im Gespräch mit Dieter Kassel

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Benjamin von Stuckrad-Barre und Martin Suter stehen lachend vor einer grauen Wand. (Maurice Haas / © Diogenes Verlag)
Alles ist peinlich, da hilft nur Komik: Benjamin von Stuckrad-Barre und Martin Suter. (Maurice Haas / © Diogenes Verlag)

Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre plaudern vor sich hin und packen das Ergebnis zwischen zwei Buchdeckel. Ein Doppel-Interview über Komik, Peinlichkeiten, das Ignorieren großer Themen und Freundschaft.

Benjamin von Stuckrad-Barre und Martin Suter sind ein ungleiches Paar. Der "Spiegel" schreibt vom "Nervositätskönig" neben dem "melancholischen Gentleman". Jetzt haben die beiden Schriftsteller gemeinsam ein Buch veröffentlicht, in dem sie locker über Gott und die Welt sinnieren.

Badehosen und unbezahlte Rechnungen

Unter anderem geht es um Badehosen und unbezahlte Rechnungen. Stuckrad-Barre und Suter lernten sich an der Ostsee in Heiligendamm kennen und entschieden nach regem Austausch, dass ihre Gespräche zwischen zwei Buchdeckel gehören - das ist die offizielle Entstehungsgeschichte des Werks.

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Die Feuilletons zeigen an diesem viel Interesse. Der Spiegel hat dem Paar eine Geschichte gewidmet, die "Süddeutsche" schreibt, "Deutschlands Pop-Protestant Benjamin von Stuckrad-Barre" habe "sein Vaterfigurenkabinett um Martin Suter ergänzt".

Das "Hamburger Abendblatt" meint, Suters und Stuckrad-Barres Gesprächsband vereine "Eloquenz und manischen Witzelzwang". Und der Berliner "Tagesspiegel" sieht zwei Autoren, die um die Wette plaudern.

Mangel an Selbstüberschätzung

Suter und Stuckrad-Barre gehen betont entspannt mit Ergebnissen und Einsichten ihrer Gespräche um. Suter nimmt einen "Mangel an Selbstüberschätzung" für sich in Anspruch. Und Stuckrad-Barre sagt: "Ich verstehe auch nicht alles, was ich rede."

Es sei seine Grunderfahrung, dass er sich komisch finde, die anderen aber beschämt guckten. "Wenn mich Menschen verständnislos angucken, kann ich nur sagen: Ich verstehe vollkommen, was sie meinen. Ich teile das."

Er rede gern, um Pausen zu überdecken und die Peinlichkeit "auszustellen", bekennt Stuckrad-Barre. Er finde sowieso alles peinlich. "In den Fehler reingehen: Das habe ich früh von Christoph Schlingensief gelernt, dass da der Witz ist." Und der Witz sei gerade in der Krise "ein probates Mittel, eine gute Strategie und eine Erlösung", betont er.

"Er wäre da, wenn ich ihn brauche"

Viele große Themen - Trump, Rassismus, Klimawandel - haben die beiden Schriftsteller beim Plaudern ausgespart. Das sei aber keine Absicht gewesen, sagt Suter. "Wir haben uns nicht hingesetzt und gesagt: Jetzt reden wir mal über alles, worüber sonst niemand redet." Das Plaudern habe einfach Spaß gemacht. "Und irgendwann haben wir geschaut, ob es eine Form besitzt, die auch anderen Spaß machen könnte."

Beide sagen, dass sie nach der ganzen Plauderei nun gut miteinander befreundet sind. Stuckrad-Barre sei "einer von den ganz Wenigen, von denen ich annehme, wenn ich ihn brauche, wäre er da", bekennt Suter, vollkommen ohne Witz, Ironie und Komik.

Und Stuckrad-Barre gibt dieses Kompliment uneingeschränkt zurück. Er schätze an Suter "exakt dasselbe".

(ahe)

Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre: "Alle sind so ernst geworden"
Diogenes Verlag, Zürich 2020
272 Seiten, 22 Euro

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