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Buchkritik | Beitrag vom 16.11.2019

Martin Korte: „Hirngeflüster“Dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen

Von Volkart Wildermuth

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Buchcover zu "Hirngeflüster" von Martin Korte (Europa-Verlag)
Martin Korte verrät in seinem Buch, wie man sein Gedächtnis effektiv trainieren kann. (Europa-Verlag)

Lebenslanges Lernen ist wichtig, hält gesund und jung. Wie das gelingt, das erklärt der Hirnforscher Martin Korte. Sein Buch ist anschaulich, praxisnah und frei von hochkomplexen Abhandlungen.

Bücher von Hirnforschern sind hip. Manche wollen komplexe Geheimnisse enthüllen und fragen in hochkomplexen Abhandlungen nach dem Bewusstsein. Andere schreiben Pamphlete, verdammen digitale Geräte oder wollen die Erziehung revolutionieren. Und dann gibt es solche Bücher von Hirnforschern, die lebensnah und anschaulich sind. Martin Kortes Buch "Hirngeflüster. Wie wir lernen, unser Gedächtnis effektiv zu trainieren" ist so eines. Und was der Untertitel verspricht, das löst der Neurowissenschaftler auf nur 200 Seiten tatsächlich ein.

Laufen, Lachs und Liebe 

Auch wenn Fachbegriffe wie "Dopamin" oder "Basalganglien" selbstverständlich fallen, will Martin Korte seine Leserinnen und Leser ermächtigen, besser lernen zu können. Dazu, so der Hirnforscher, muss auch das Drumherum stimmen. Ein erfolgreicher Geist braucht einen aktiven Körper: "Bewegung ist der Grundstein, um unser Gedächtnis, ja sogar unser gesamtes Gehirn möglichst lange leistungsfähig zu halten." Später spricht der Autor von den drei "L": Laufen, Lachs (der steht für die gesunde Ernährung) und Liebe (soziale Kontakte). Denn nichts festigt Gelerntes so sehr, wie es anderen zu erzählen. Natürlich finden sich in dem Buch auch viele konkrete Tipps wie Gedächtnisstrategien, Wiederholungsmanagement und der leistungssteigernde Effekt von Pausen. Ganz wichtig: Lernen ist kein Selbstzweck. Sondern man muss so lernen, dass die neuen Vokabeln einem auch wirklich einfallen. "Das A und O ist hierbei, die assoziative Kraft von neuronalen Netzwerken in unserem Gedächtnissystem zu nutzen", schreibt Korte. Und meint damit: Neues mit Bekanntem verknüpfen.

Ohne Durchhaltevermögen geht es nicht

Das Gute an diesem Buch ist: Alle Ratschläge werden neurobiologisch begründet. Womit lernt man besser, mit einem Computer oder einem Buch? "Die Überlegenheit des Buches liegt darin, dass auch unser Faktengedächtnis auf Gehirnstrukturen beruht, die evolutiv dem räumlichen Gedächtnis entstammen." Und das lernt besonders leicht.

Dabei führen alle wissenschaftlichen Ratschläge an einer Tatsche nicht vorbei: "Man muss trainieren und üben, das ist der Preis für ein generell verbessertes Gedächtnis." Gedächtnis Apps und Neuro-Enhancer helfen nichts. Beim erfolgreichen Lernen sind Willenskraft und Durchhaltevermögen gefordert. Wie sich die vernünftig einsetzen lassen, erklärt dieses kurzweilige Buch. Und verspricht auch einen hohen Lohn:  Wer lebenslang lernt und offen ist für Neues, der hält sein Gehirn gesund. Oder wie Martin Korte es neurobiologisch begründet, "das menschliche Belohnungssystem springt nicht nur auf Essen und Sex an, sondern enthält eine Art Kapiertrieb, der evolutiv in uns angelegt ist". 

Martin Korte: "Hirngeflüster. Wie wir lernen, unser Gedächtnis effektiv zu trainieren"
Europa Verlag, Berlin 2019
216 Seiten, 18 EUR

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