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Interview | Beitrag vom 31.10.2019

Martin KippenbergerEin Künstler, der Witz hatte

Susanne Kippenberger im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Der Künstler Martin Kippenberger (1953−1997) in einer Aufnahme aus dem Jahr 1986 (picture alliance / Imagno)
Der Künstler Martin Kippenberger (1953−1997) in einer Aufnahme aus dem Jahr 1986 (picture alliance / Imagno)

Martin Kippenberger arbeitete so intensiv wie er lebte. Jetzt ehrt die Bundeskunsthalle Bonn den mit 44 Jahren verstorbenen Künstler mit einer Retrospektive – einer sehr gelungenen, findet seine Schwester Susanne Kippenberger.

"Obwohl mein Bruder schon seit über 20 Jahren tot ist, wirken die Arbeiten so lebendig und frisch, die könnten von heute sein." Das sagt die jüngste Schwester des Künstlers Martin Kippenberger, Susanne Kippenberger. Ihr Bruder habe so produktiv und vielfältig gearbeitet, dass es selbst für sie in der Ausstellung der Bundeskunsthalle Bonn noch viel zu entdecken gebe.

Kippenberger eckte an

Zu Lebzeiten sei ihr Bruder oft angeeckt mit seiner Kunst. "Für mich ist er kein Zyniker, aber einige Leute haben ihn dafür gehalten. Andere hatten schlichtweg Angst vor ihm. Manche haben ihn auch nicht für einen ernsthaften Künstler gehalten, weil er Witz hatte. Die Leute haben manchmal die Kunst nicht gesehen, weil sie nur ihn und seine Auftritte gesehen haben", so Susanne Kippenberger.

Denn ihr Bruder lebte intensiv. Das sei nicht nur für ihn selbst anstrengend gewesen, sondern auch für die Leute um ihn herum, erzählt Kippenbergers Schwester: "Er brauchte kaum Schlaf, aber er brauchte immer Begleitung – auch nachts. Das hat zum Beispiel seine Galeristen sehr gefordert, die mussten dann mitkommen, oder auch Sammler. Manche haben die Flucht ergriffen, wenn sie ihn gesehen haben, weil sie wussten: Die Nacht wird lang."

Martin Kippenberger hatte zu Lebzeiten eine treue Gruppe von Sammlern. "Aber ganz viele haben ihre Finger davon gelassen, gerade Museumsdirektoren standen nicht Schlange", so Kippenberger.

"Der macht ja nur Sprüche"

Nach seinem Tod habe der Buchhändler Walther König sein ganzes Schaufenster nur mit Büchern von Martin Kippenberger ausgestellt – laut Susanne Kippenberger ungefähr 150 Exemplare.

"Da fielen den Leuten das erste Mal die Schuppen von den Augen. Da haben sie gesehen, was er eigentlich gemacht hat. Viele haben ihn nur in der Kneipe gesehen und gedacht: 'Der macht ja nur Sprüche.' Dabei hat er die ganze Zeit gearbeitet."

(rod)

Auch unser Autor Roland Schmitz hat sich mit  Martin Kippenberger beschäftigt, die Ausstellung in Bonn vorab besucht und unter anderem mit der Kuratorin gesprochen. Sein Beitrag in "Fazit":

Martin Kippenberger: "Bitteschön Dankeschön. Eine Retrospektive"
Bundeskunsthalle Bonn
1.11.2019 bis 16.2.2020

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