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Nachspiel | Beitrag vom 24.11.2019

Mario Basler "90 Minuten + Nachspielzeit"Wenn Ex-Sportler Kleinkunst machen

Von Thomas Wheeler

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Mario Basler steht auf der Bühne des Kulturzentrums Kammgarn in Kaiserslautern. Der ehemalige Fußballer startete mit diesem Auftritt die Tour seiner Liveshow "Basler Ballert". (picture alliance / Oliver Dietze)
Schon einmal trat Mario Basler in einer Liveshow auf. Das Programm hieß "Basler Ballert". (picture alliance / Oliver Dietze)

"Fußball ist wie Theater, und meistens spiele ich dabei die Hauptrolle." Solche und andere Bonmots kann man bei Mario Baslers Bühnenabend erleben. Beim Besuch von "90 Minuten + Nachspielzeit" wird deutlich: Der Ex-Bayern-Spieler ist eine Rampensau.

"Noch eine Stunde bis zum größten Spiel meines Lebens. Heute ist der 26. Mai 1999. Kann es etwas Geileres geben, als gleich vor 90.000 im Camp Nou das CL-Finale zu spielen."

20 Jahre sind seit dem größten Spiel seiner Karriere vergangen, das mit einer unglücklichen Niederlage endete. Mit dem FC Bayern München verlor Mario Basler gegen Manchester United in der Nachspielzeit. 2004 beendete er dann seine Profi-Laufbahn. Trotzdem steht er immer noch im Rampenlicht. Diesmal allerdings nicht vor 90.000, sondern vor 250 Zuschauern im Hörsaal 5 der Universität Magdeburg.

"Fußball ist wie Theater, und meistens spiele ich dabei die Hauptrolle."

"Im Fußball, da hast du noch zehn Kameraden immer an deiner Seite. Auf der Bühne stehst du ganz alleine, da kann dir keiner helfen. Da bist für dich alleine verantwortlich. Da bist du Einzelsportler, Einzelspieler."

Anfang November habe ich mir Baslers Bühnen-Programm "90 Minuten plus Nachspielzeit" angesehen.

"Weil ich wenig in der Nachspielzeit gespielt hab'. Ich wurde immer meistens vorher ausgewechselt. Ein Fußballspiel hat ja natürlich 90 Minuten, und so sind wir eigentlich da drauf gekommen, dass wir sagen 90 Minuten + Nachspielzeit."

Seit einem guten Jahr tourt der 50-Jährige nun schon durch die Republik. Mal tritt er an kleineren Veranstaltungsorten auf, so wie in Magdeburg. Mal auch vor einer vierstelligen Besucherzahl.

Die Geschichte einer Fußballkarriere

"Ich erzähle natürlich den Leuten die Geschichten meiner Fußballerkarriere. Was ich vor, während und nach den Spielen so getrieben habe. Alles, was ich auf der Bühne erzähle, alles, was ich an Geschichten erzähle, das entspricht voll der Wahrheit, und deswegen freue ich mich noch immer auf die Reaktion der Menschen."

Basler hat immer ein Heimspiel. Denn seine gut 2,5 stündige Show sehen sich in der Regel nur Fans an. Das heißt Menschen, die von ihm als Fußballer begeistert waren bzw. seine offensive und direkte Art mögen.

"Es ist ja immer schön, wenn da auch mal jemand was sagt. Ich hab' ja 'n zweites Mikrofon dabei, so dass ich auch mal ins Publikum gehe und auch mal mit dem Publikum 'n bisschen rede, 'n bisschen spiele, 'n bisschen Spaß mache."

Im Publikum sitzen Bayern-Trikots mit Basler-Aufdruck

Meist, und so ist es auch an diesem Abend in Magdeburg, sitzen im Publikum überwiegend Männer. Einige tragen Bayern-Trikots mit dem Namen Basler auf dem Rücken. Aber es sind auch Paare und alleinstehende Frauen gekommen.

"Ich habe mir das jetzt nicht aufgeschrieben oder auswendig gelernt, sondern bei jeder Abendveranstaltung passiert mal was anderes. Wird mal eine Geschichte vielleicht ein bisschen länger. Manche bisserl kürzer."

Zuweilen klingt das trocken und fad, dann wieder spritzig und amüsant. So dass man durchaus verstehen kann, warum sich einige Zuschauer auf die Schenkel klatschen. 

Der Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, Franz Beckenbauer stößt auf dem Münchner Oktoberfest mit den Profis Mario Basler, Lothar Matthäus und Ruggero Rizzitelli an. (picture alliance / dpa / Frank Mächler)Schon etwas länger her: Franz Beckenbauer mit den damaligen Bayern-Profis Mario Basler, Lothar Matthäus und Ruggero Rizzitelli (v. l.) beim Oktoberfest 1996. (picture alliance / dpa / Frank Mächler)

"Das ist so ein bisschen Comedy klar. Die Leute lachen sehr viel. Mache natürlich auch eine gewisse Mimik in manchen Situationen dazu, aber es ist auch viel Unterhaltung dabei."

Beim Thema Alkoholsucht fehlt Sensibilität

Bei den Erzählungen über den ehemals alkoholkranken Uli Borowka mangelt es Mario Basler allerdings an Sensibilität und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Alkoholsucht, zum Beispiel als die Beiden in eine Polizeikontrolle kamen.

Vor meinem Besuch habe ich einiges über die Show gelesen. Zwei So La La-Kritiken und einen heftigen Verriss. In Letzterem wird der ehemalige Spieler, der seinen Durchbruch in Bremen und beim FC Bayern schaffte, als geistiger Tiefflieger und als Sexist abgestempelt. Vor allem deshalb, weil er von einer Bettgeschichte mit einer ehemaligen Freundin vor einem Spiel des SV Werder gegen Bochum erzählt. Vielleicht hat Basler diese ja deshalb so prägnant im Gedächtnis, da er anschließend seinen einzigen Bundesliga-Hattrick erzielte. Jetzt kann man sich natürlich fragen, ist das inhaltlich so wertvoll, das es die Öffentlichkeit wissen muss? Für Mario Basler schon. Der sich bei seinem Auftritt so selbstsicher bewegt, als ob er das schon Jahre machen würde.

"Nein, nicht direkt auf eine Bühne zu gehen, sondern vor Publikum zu reden, vor Menschen Spaß zu haben oder Menschen Spaß zu bringen. Klar, Kameraleben schon seit 25, 30 Jahren. Also von daher die Ängste waren nie da."

"Also kein Lampenfieber?"

"Überhaupt nicht, noch nie."

Ganz normal, wie zu Hause auch

Vergleichbar mit dem Stadion sei die Bühne für ihn jedoch nicht. Zwei Dinge werden mir an diesem Abend klar. Basler ist authentisch und eine Rampensau. Auch wenn er das selbst herunterspielt.

"Nein, ich inszeniere mich nicht gerne, sondern ich vergleiche mich ja nicht mit einem Promi. Sondern ich bin ja für mich ein ganz normaler Mensch. Natürlich sehen viele Menschen das ganz anders, weil ich halt in der Öffentlichkeit stehe, weil ich irgendwann halt mal Fußball gespielt habe. Aber ich erzähl' ganz normale Geschichten auch über mich selbst und mit meinen Mannschaftskollegen, aber dafür muss ich mich nicht inszenieren, sondern da bin ich ganz normal wie zu Hause auch."

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