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Fazit | Beitrag vom 26.02.2019

Mariam Lau zur Herkunftsdebatte #vonhierDas "Woher" ist interessant

Moderation: Vladimir Balzer

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Eine Illustration zeigt Menschen im Gespräch, während sie Kaffee trinken. (imago / Ikon Images)
Die Frage nach der Herkunft verstehe sie als Interesse des Gegenübers, sagt Mariam Lau. (imago / Ikon Images)

Deutsche mit ausländischen Wurzeln erfahren, dass der deutsche Wohnort als Antwort auf die Frage der Herkunft oft nicht ausreicht. Die aus Teheran stammende Journalistin Mariam Lau findet Nachfragen zum ethnischen Ursprung nicht diskriminierend.

Die peinliche Befragung einer fünfjährigen "Das Supertalent"-Teilnehmerin zu ihrer "wahren" Herkunft durch TV-Juror Dieter Bohlen hat auf Twitter die Debatte #vonhier ausgelöst.

Dass sie trotz ihres deutschen Passes aufgrund ihres Aussehens immer wieder nach ihrer Herkunft und der Herkunft der Eltern befragt werde, erfahre sie täglich, sagte die Journalistin Mariam Lau im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Lau wurde im Iran geboren, lebt aber seit Jahrzehnten in Deutschland.

Als Gesprächseinstieg finde sie diese Frage nach den eigenen Ursprüngen nicht ausgrenzend:

"Wenn man anders aussieht als die Mehrheit der Menschen, die man hier antrifft, dass man dann gefragt wird - das finde ich einfach ganz normal."

Sie verstehe die Frage als Interesse des Gegenübers. "Ich will's auch immer wissen. Also ob die Eltern beispielsweise aus Pommern oder dem Frankenwald kommen. Es ist einfach interessant, wo jemand herkommt, egal wo er herkommt. Für mich ist das eine unverfängliche Frage."

Penetrantes Nachfragen ist tabu

Insistierendes Nachfragen sei in jedem Fall schlecht, da habe man sich gefälligst zurückzuhalten, wenn der Befragte blocke. "Ich habe auch schon mal gehört 'Sie sprechen aber gut deutsch' - das leg ich irgendwie zu den Akten."

Die Journalistin Mariam Lau nimmt teil an der Konferenz "Zuwanderung nach Deutschland - Einwanderungsland Bundesrepublik?" am 14.04.2015 in Berlin. (Jörg Carstensen/dpa)Die Journalistin Mariam Lau (Jörg Carstensen/dpa)

Man müsse natürlich unterscheiden, ob nach der Herkunft gefragt werde, oder ob jemand – wie ihr aus Indien stammender Nachbar, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt – mit der Frage konfrontiert wird, wann er wieder zurückgehe.

"Das ist dann in der Tat die Grenze zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus. Aber bis dahin ist es ein gutes Zeichen, wenn man sich interessiert, was es mit den Nachbarn auf sich hat." 

Es geht um die Frage "Wer sind wir?"

Dass die Debatte nun auch hoch politisiert stattfinde, habe auch mit der Flüchtlingskrise zu tun. Seit ein paar Jahren gehe es im Kern um die Frage, wer wir, die Deutschen, eigentlich sind.

"Wer gehört hierher und wer nicht? Wer ist für wen verantwortlich? Wer schuldet wem was? Es haben sich viel stärker Lager gebildet, als ich das noch vor ein paar Jahren erlebt habe. Es gibt bei vielen die Tendenz sich schnell identifizieren zu wollen, schnell klären zu wollen 'Bist du für oder gegen mich?'" 

Identitätsfage muss gestellt werden

Sie sehe die Debatte als Indikator dafür, dass sich das Klima verschlechtert habe und dass die gesellschaftliche Mitte poröser und verunsicherter geworden sei.

"Ich glaube aber auch, dass man in einer Einwanderungsgesellschaft immer wieder diese Fragen vorlegen muss. Das kommt alle paar Jahre vor und dann ändert sich auch immer ein bisschen was, was man von anderen verlangen kann und was nicht. Ich würde das aber nicht für ein Zeichen des Untergangs halten."

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