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Interview | Beitrag vom 05.10.2018

Maria von Welser zum Friedensnobelpreis "Sehr glücklich" über diese Preisträger

Maria von Welser im Gespräch mit Julius Stucke

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Die Fotomontage zeigt die beiden Friedensnobelpreisträger, die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad und den kongolesischen Arzt Denis Mukwege. (Montage Deutschlandradio / dpa / AFP)
"Sie geben nicht auf. Sie kämpfen." - Maria Welser über Nadia Murad und Denis Mukwege. (Montage Deutschlandradio / dpa / AFP)

Der diesjährige Friedensnobelpreis setzt ein starkes Zeichen gegen sexualisierte Gewalt, die vor allem in Kriegen als Machtmittel eingesetzt werde, sagt die Journalistin Maria von Welser. Ausgezeichnet werden die Jesidin Nadia Murad und der kongolesische Arzt Denis Mukwege.

Die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad und der kongolesischen Arzt Denis Mukwege erhalten in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Sie werden für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten ausgezeichnet. 

"Frauen, Krieg, Gewalt" lautet der Schwerpunkt von Maria von Welser, die an der Universität Paderborn Philosophie unterrichtet. Als Journalistin und Komitee-Mitglied bei Unicef hat sie sowohl Jesidinnen in den Flüchtlingslagern besucht als auch Denis Mukwege in seinem Hospital im Ost-Kongo getroffen.

"Starke Stimme für die Jesidinnen weltweit"

Für die IS-Terroristen mit ihrem islamischen Fatalismus gelten die Jesiden als ungläubig, erklärt sie: "Deswegen kann man sie als Opfer auch missbrauchen, vergewaltigen oder töten." Sie erklärt die besondere Rolle der Jesidin Nadia Murad in ihrer Gemeinschaft:

"Ihr Glaube verbietet ihnen, über ihre Dramen und erlittenes Unrecht zu sprechen. Und Nadia Murad ist die Erste und Einzige, die den Mut hatte, das wirklich auszusprechen. Die ist in diesem Projekt von Winfried Kretschmann damals mit 1.500 Frauen nach Stuttgart ausgeflogen worden. Sie ist in ein psychologisches Umfeld geraten, um sie zu stärken und zu ermutigen. Und das ist die starke Stimme für die Jesidinnen weltweit."

"Jetzt sieht die Welt wieder hin"

Als er ein Attentat nur knapp überlebte, ging der Arzt Denis Mukwege mit seiner Familie ins belgische Exil. Er behandelte in seinem Krankenhaus im Ostkongo vergewaltigte Frauen. Als ihm die Frauen in seiner Heimat Briefe schrieben und Geld für ein Ticket sammelten, damit er zurückkommen möge, nahm er die Arbeit in seinem Krankenhaus wieder auf.

Maria von Welser: "Im Ost-Kongo werden noch täglich 40 bis 50 Frauen vergewaltigt. Unfassbar, was dort vorgeht. Sein Hospital hat 450 Betten, die sind immer voll, da liegen die Frauen zu zweit drin. 230 Spezialisten, 208 Ärzte in Ausbildung, die dort helfen, diesen Frauen wieder eine Zukunftsvision zu schaffen. Das passiert unverändert. Jetzt sieht die Welt wieder hin und darüber bin ich sehr, sehr glücklich!"

Sexuelle Gewalt als Mittel des Krieges sei die Botschaft an den Unterlegenen: "Du kannst deine Frau und deine Kinder nicht schützen!" Es habe etwas mit Macht und Machtstrukturen zu tun. "Und so lange wir Kriege haben, werden wir dieses Thema nicht in den Griff kriegen", erklärt Maria von Welser.

Porträt der beiden Preisträger:

(cosa)

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