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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 09.06.2020

Maria Elisabeth Gräfin Thun-FuggerReichtum verpflichtet – die Fugger heute

Moderation: Britta Bürger

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Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger, aufgenommen am Donnerstag (12.03.2009) in der bayerischen Landesvertretung in Berlin. Die Adelige war Gast eines Festaktes anlässlich des 550. Geburtstags ihre berühmten Urahns Jakob Fugger. (picture alliance / dpa / Tim Brakemeier)
Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger bei einem Festakt zu Ehren ihres Urahns Jakob Fugger in Berlin (picture alliance / dpa / Tim Brakemeier)

Ein echter Wirtschaftsclan mit Tradition: Seit 650 Jahren sind die Fugger in Augsburg ansässig, Jakob galt zu seiner Zeit als reichster Unternehmer Europas. Für neun Stiftungen ist Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger heute verantwortlich – als erste Frau in der Familiengeschichte.

Auf diese Ahnenreihe kann nicht jeder zurückblicken: Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger ist in der 18. Generation Nachfahrin des wohl bekanntesten Kaufmannes der deutschen Geschichte: von Jakob Fugger. Er galt zu seiner Zeit als der reichste Unternehmer Europas, wenn nicht gar der Welt. Die Fugger selbst sind seit 1367 in Augsburg ansässig – also seit 650 Jahren. Seinerzeit ein echter Wirtschaftsclan, weltweit vernetzt, politisch höchst einflussreich – Jakob galt als der "Kaisermacher".

"Jakob Fugger hat mit mehr als einer Idee Karriere gemacht", sagt seine Nachfahrin heute, "sondern sein Erfolg liegt darin begründet, dass er einen hervorragenden Überblick über die Möglichkeiten seiner Zeit hatte. Er war ein Netzwerker, stand in Verbindung mit den damaligen wichtigen Herrscherhäusern."

Und Jakob Fugger schuf etwas Wegweisendes: 1521 gründete er die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt, in der die Bewohner noch heute für eine Jahresmiete von 88 Cent und drei tägliche Gebete für den Stifter wohnen können.

Hilfe für katholische Augsburger

"Wir versuchen, den Stifterwillen auch heute noch sehr genau zu erfüllen. Der Gedanke ist der, armen katholischen Bürgern aus Augsburg ein Dach über dem Kopf zu bieten und wir versuchen auch, durch Sozialarbeiterinnen, den Menschen in ihrem Leben, in ihrem Lebensbereich Hilfe zu bieten."

Zu dem symbolischen Preis kommt ein weiterer, eher ungewöhnlicher Teil der Miete, sagt Maria Gräfin Thun-Fugger.

"Die Miete besteht auch aus drei Gebeten für den Stifter und seine Familie, und das war dem Stifter sehr wichtig für sein Seelenheil, nämlich ein Vaterunser, ein Ave Maria und ein Ehre sei dem Vater. Der Stifter hat darauf Wert gelegt."

Seit fast 50 Jahren in der Verantwortung

Die Fuggerei ist eine der insgesamt neun Stiftungen, für die Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger – Jahrgang 1948 – seit fast fünf Jahrzehnten verantwortlich ist. Sie ist die Vorsitzende des "Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familienseniorats", also eine Art Aufsichtsratsvorsitzende der Stiftungen. Nach dem Tod ihres Vaters musste die damals 20-jährige Jurastudentin ihr Studium abbrechen und seine Nachfolge antreten – als erste Frau in der Familiengeschichte! Den Spruch "Adel verpflichtet" nimmt sie sehr ernst:

"Das Bewusstsein, wenn es mir sehr gut geht im Leben, muss ich auch etwas zurückgeben."


Wir wiederholen ein Gespräch vom Mai 2017.

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