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Zeitfragen | Beitrag vom 15.06.2018

Margriet de Moor über ihren neuen RomanDie Abgründe des Lebens

Margriet de Moor im Gespräch mit Dorothea Westphal

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Die niederländische Autorin Margriet de Moor im März 2014 in Köln (picture alliance / dpa)
Die niederländische Autorin Margriet de Moor im März 2014 in Köln (picture alliance / dpa)

Margriet de Moors Roman "Von Vögeln und Menschen" handelt von drei Frauen: Zwei haben jemanden umgebracht, die dritte sitzt unschuldig im Gefängnis. Wir haben mit der niederländische Autorin über ihr Buch gesprochen.

"Von Vögeln und Menschen", so lautet der Titel des neuen Romans von  Margriet de Moor. Als 1991 ihr erster Roman "Erst grau dann weiß dann blau" erschien, war dieser gleich ein Bestseller. Und seitdem waren alle ihre Bücher, ob "Kreutzersonate", "Sturmflut" oder "Der Maler und das Mädchen" auch international erfolgreich.

Zur Zeit ist die Autorin auf einer Lesereise durch Deutschland, um ihren neuen Roman vorzustellen.

"Es geht nicht um Verstehen"

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen – zwei haben jemanden umgebracht, die dritte sitzt unschuldig im Gefängnis. So dramatisch diese Konstellation auch sein mag, so ist sie letztlich doch nicht ungewöhnlich. Menschen leben halt in Beziehungen, es seien Vorgänge, die aus dieser Tatsache resultieren können - Stoff jedenfalls für die Schriftstellerin, die ihren Figuren immer einen Rest Geheimnis lässt:

"Es geht nicht um Verstehen. Erstens verstehen wir auch im wirklichen Leben die Menschen nicht. Das ist auch überhaupt nicht notwendig. Es geht darum, die Umstände zu zeigen. Umstände kann man auch nicht verstehen. Es geht nicht um Verstehen. Ein Schriftsteller arbeitet mit dem Material und da ist für den Schriftsteller die Personage, die Figuren. Das braucht man nicht zu verstehen. Man zeigt sie."

Geheimnisse des alltäglichen Lebens

De Moor, die zunächst Gesang und Klavier studierte, bevor sie ihre Karriere als Schriftstellerin begann, interessiert sich immer wieder aufs Neue für die Geheimnisse des alltäglichen Lebens, dessen Abgründe oder auch für die leichte Verschiebung, die das Leben, das man bislang geführt hat, aus dem Lot bringen kann. Auch in ihrem aktuellen Roman "Von Vögeln und Menschen" versucht sie das Phänomen zu ergründen, dass es neben dem gelebten Leben, verursacht durch die Wechselfälle des Schicksals und des Zufalls, noch ein weiteres geben könnte.

Die Konstellation dreier Frauen, von denen zwei Mörderinnen sind und die dritte wegen eines Mordes, den sie nicht begangen hat, im Gefängnis sitzt, hat das Zeug zu einem Melodram. Doch de Moor gibt den Taten etwas Beiläufiges, etwas, das zum Alltag beinahe dazuzugehören scheint, was umso verstörender wirkt.

Eine schöne Zeit 

Im Gespräch geht es schließlich auch um die Frage, wie sehr die Literatur durch das Internet bedroht sei. Der Leserkreis werde zwar kleiner, schließlich sei das doch von Anfang an so gewesen und die Tatsache, dass fast jeder lese, eher eine Ausnahmesituation seit Erfindung des Buchdrucks. Eine schöne Zeit sei das gewesen, die offenbar vorbei sei. Und doch sei die Literatur nicht wirklich bedroht: 

"Die Literatur überlebt und das Buch auch. Das ist sehr schön, was ich dann sehe. Ich lebe teils in Amsterdam, teils in Paris und dort in der Metro hat man immer Menschen Bücher lesen sehen. Das war immer so. Und jetzt ist es noch immer so. Und vor allem sehe ich dort junge Leute, die ein Buch lesen."

Margriet de Moor: "Von Vögeln und Menschen"
Übersetzt von Helga von Beuningen
Hanser Verlag, 2018
272 Seiten, 23,00 Euro

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