Studio 9 - Der Tag mit ... 26.03.2019

Margarete van Ackeren über Hilfe gegen Stress"Der Staat kann nicht alles verordnen"Moderation: Korbinian Frenzel

Beitrag hören Eine Frau arbeitet am 05.07.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) in einem Homeoffice. (dpa / Daniel Naupold)Freiheit oder freiwillige Ausbeutung im Homeoffice: Nach Meinung der Journalistin Margarete van Ackeren kann ein "mündiger Arbeitnehmer" selbst einschätzen, wie viel Stress er sich bereitet. (dpa / Daniel Naupold)

Die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Leiden ist laut einem Zeitungsbericht so hoch wie nie. Sollte die Bundesregierung eine Anti-Stress-Verordnung erlassen? Margarete van Ackeren von "Focus Online" hält davon nicht viel.

Die Zahlen lassen aufhorchen: Von 2007 bis 2017 hätten sich in Deutschland die Krankentage wegen psychischer Probleme mehr als verdoppelt - auf 107 Millionen. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die sich auf das Bundesarbeitsministerium berufen.

Die Linksfraktion hatte eine entsprechende Anfrage gestellt. Aus der Linken werden nun auch Forderungen nach einer staatlichen Anti-Stress-Verordnung laut.

Die Journalistin Margarete van Ackeren (Hubert Burda Media)Die Journalistin Margarete van Ackeren (Hubert Burda Media)

Eine solche Verordnung passe nicht zu ihrem Bild von einem Staat, der den Bürgern maximale Freiheit lasse, sagte Margarete van Ackeren im Deutschlandfunk Kultur. Die Chefkorrespondentin von "Focus Online" glaubt, dass das System aus Gewerkschaften und Arbeitgebern "da selbstregulierend etwas machen könnte".

Dennoch seien die Zahlen so deutlich, "dass man sagen muss, da ist eindeutig etwas im Argen, da überlasten sich Arbeitnehmer oder werden überlastet."

Die Angst vor der Befristung

Nach Ansicht der Journalistin könne man allerdings dem "selbstbewussten und mündigen Arbeitnehmer zutrauen", selbst einschätzen zu können, wie viel Stress er sich zum Beispiel mit ständiger Erreichbarkeit und Homeoffice bereite: 

"An sich ist Homeoffice in der Tat Freiheit, aber wenn jemand das nicht wirklich nutzt oder sich selber freiwillig ausbeutet, dann ist es eine Gefahr", so van Ackeren. Es liege an der individuellen Lebenssituation.

"Das zeigt ja auch schon, dass man nicht alles vom Staat verordnen kann, sondern dass es da auch maximalen Freiraum geben sollte."

Grundsätzlich sieht van Ackeren in der verbreiteten Angst, nicht mithalten zu können, aber auch in der Angst vor Befristung erhöhte Stressfaktoren. Es gebe trotz Regulierungsversuchen des Gesetzgebers nach wie vor viele Beschäftigte, die sich von "Befristung zu Befristung" hangelten, immer in der Sorge, etwas zu verlieren:

"Das sind harte Faktoren, die man sich nochmal sehr genau anschauen müsste in Deutschland."

(bth)  

Das vollständige Gespräch mit Margarete van Ackeren hören Sie hier:

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