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Interview | Beitrag vom 06.11.2018

Margarete Stokowski zur Absage ihrer Lesung„Ich habe nicht gesagt, die Bücher sollten verboten werden"

Moderation: Ute Welty

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Die Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski (picture alliance/Gregor Fischer/dpa)
Die Autorin Margarete Stokowski (picture alliance/Gregor Fischer/dpa)

Durch ihren Protest gegen den Verkauf rechter Werke in der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl hat die Autorin Margarete Stokowski eine Debatte über den Umgang mit solcher Literatur ausgelöst. Die Kolumnistin sagte eine Lesung ab und hat Position bezogen.

Die Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski hat ihre geplante Lesung am 28. November in der Buchhandlung Lehmkuhl in München abgesagt und ihre Entscheidung damit begründet, dass die Buchhandlung auch Bücher von Autoren der "Neuen Rechten" zum Verkauf anbiete. Ihre Absage, die von der Buchhandlung öffentlich gemacht wurde, führt nun zu einer regen Debatte über den Umgang von Buchhandlungen mit rechten Büchern, beispielsweise aus dem umstrittenen Antaios Verlag.

Eigenes Regal für rechte Bücher

Sie habe eine Lesung in der Buchhandlung Lehmkuhl nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, sagte Stokowski im Deutschlandfunk Kultur. In einem Mailwechsel mit dem Geschäftsführer Michael Lemling habe sich zuvor gezeigt, dass er es völlig in Ordnung fand, diese Bücher anzubieten. Sie habe vorher erfahren, dass es in dem Laden ein eigenes Regal mit Büchern aus rechten Verlagen gebe, das mit "neue Rechte, altes Denken" beschriftet sei.

Nicht salonfähig

"Es steht ja jedem frei, diese Bücher zu kaufen oder zu verkaufen", sagte Stokowski. Sie habe nur ihre Lesung abgesagt.

"Ich habe nicht gesagt, die Bücher sollten verboten werden, ich habe nicht gesagt, man sollte die Buchhandlung boykottieren."

Seit einigen Jahren werde darüber gesprochen, was es bedeute, rechtes Denken salonfähig zu machen.

Stokowski kritisierte, dass in einem Regal der Buchhandlung beispielsweise Texte von Alexander Gauland oder aus dem Antaios Verlag stünden, als seien das ganz normale Meinungen. Aus ihrer Sicht enthielten sie minderheitenfeindliche Positionen und das sei nicht in Ordnung.   

Freiheit der Wahl

Natürlich könnten Buchhändler darüber entscheiden, was sie ihren Kunden anbieten, sagte Stokowski. "Aber genauso müssen auch Autorinnen und Autoren entscheiden, wo sie gerne lesen wollen und wo nicht."

Die Autorin sagte, sie habe den Vorgang zunächst nicht öffentlich machen wollen, aber trotz einer Absprache mit der Buchhandlung habe Geschäftsführer Lemling eine öffentliche Stellungnahme abgegeben, auf die sie dann reagiert habe. Stokowskis Stellungnahme ist auf der Webseite des Rowohlt-Verlages nachzulesen. (gem)   

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