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Im Gespräch | Beitrag vom 27.01.2021

Managerin Petra von Strombeck"Ohne Quoten passiert zu wenig"

Moderation: Katrin Heise

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Managerin Petra von Strombeck (NEW WORK SE)
"Ich bin ein absoluter Menschenfreund", sagt Managerin Petra von Strombeck. (NEW WORK SE)

Vor einem Jahr rückte Petra von Strombeck in den Vorstand eines Unternehmens vor, das zuvor eine Frauenquote von Null als Ziel ausgerufen hatte. Frauen fordert sie auf: "Traut euch, macht euch bemerkbar".

Bei der immer noch üblichen Frage, wie denn eine Frau Karriere und Kinder vereinbaren könne, reagiert Petra von Strombeck schnell verärgert: "Haben Sie jemals in einem Interview einen Mann gehört der gefragt wurde, wie er das macht? Ich nicht!"

Gerade die Unternehmen seien hier in der Pflicht. Für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse man entsprechende Arbeitszeitmodelle schaffen, so die Vorstandvorsitzende von New York SE, dem Mutterkonzern des Online-Karrierenetzwerks "Xing".

"Wir bieten als Unternehmen sehr flexible Teilzeitregelungen, für Männer und Frauen. Wir bieten auch Elternzeitmodelle für Männer und Frauen. Die werden auch von den Männern sehr stark in Anspruch genommen. Wir versuchen, unsere Mitarbeiter zu begleiten, auch durch ihre Kinderjahre, wenn sie sich denn für eine Familie entscheiden."

Karriere und Kind

Als Petra von Strombeck vor 18 Jahren Mutter wurde, lebte sie in Frankreich. Dort sei es schon damals gang und gäbe gewesen, dass Frauen nach der Geburt schnell wieder in den Beruf zurückkehren.

"Ich habe die ersten drei Jahre nach der Geburt meiner Tochter in Frankreich gearbeitet. Und das hat auf jeden Fall geholfen, mein Selbstbewusstsein in dem Bereich zu stärken. Das ist da gesellschaftlich akzeptiert. Ich glaube, vor knapp 20 Jahren war der Gegenwind in Deutschland für Vollzeit arbeitende Mütter noch größer. Und der kam auch zum Teil von den anderen Frauen. Mal davon abgesehen, dass die Betreuungsmöglichkeiten gar nicht so waren, wie sie heute sind."

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Petra von Strombeck hat Karriere gemacht. Sie war unter anderem Chefin von Lotto 24 und arbeitete für ein Tochterunternehmen des Tchibo-Konzerns. Seit einem Jahr ist sie Vorstandvorsitzende bei New York SE. Das Unternehmen mit etwa 1600 Mitarbeitern erwirtschaftete 2019 knapp 270 Millionen Euro Umsatz.

Dabei hatte die Firma, laut eigener Aussage, "null Prozent Frauen im Aufsichtsrat angestrebt".

"Als weibliche Chefin fällt man auf"

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb befürwortet Petra von Strombeck eine Frauenquote sehr. Zuletzt hatte sich die Große Koalition auf verbindliche Regelungen für mehr Frauen in den Chefetagen geeinigt.

"Ich glaube, man braucht ein klares Ziel vor Augen. Dann erreicht man das auch. Und leider passiert ohne Quoten zu wenig, wie die letzten Jahre gezeigt haben", sagt die Managerin.

Als Vorstandsvorsitzende, als Geschäftsführerin oder als Beraterin bewegte sich Petra von Strombeck stets in einer Männerdomäne, war oft die einzige Frau. Das sei auch ein Vorteil gewesen. "Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Investorenkonferenz. Da fallen sie als weibliche Chefin auf, so dass jeder Sie am Ende kennt. Also es muss nicht negativ sein."

"Auch mal in große Schuhe treten"

Ein gesundes Selbstvertrauen und "keine Angst vor Entscheidungen", diese Eigenschaften, sagt die gelernte Diplom-Kauffrau, hätten maßgeblich bei ihrer Karriere geholfen. Und: "Ich habe gelernt, mit Menschen umzugehen, auf Menschen zuzugehen und tatsächlich zu führen. Ich liebe Menschen und gehe deswegen gern ins Büro, weil ich soziale Interaktion habe. Deswegen vermisse ich es auch so, wenn ich im Homeoffice sitze. Ich bin ein absoluter Menschenfreund."

Und wenn Petra von Strombeck Frauen einen Rat für ihren Berufsweg geben sollte, dann vielleicht diesen hier:

"Ich würde ihnen mitgeben, mit ihrem Mann die Diskussion zu führen, wer bleibt zu Hause und wer arbeitet zu wie viel Prozent? Ich würde Ihnen außerdem mitgeben, auch mal in große Schuhe zu treten und die nächste Position anzustreben. Traut euch das zu, macht euch auch bemerkbar."

(ful)

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