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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.11.2018

MalariaEin Impfstoff könnte Millionen Menschen retten

Jürgen May im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Die dreijährige Siama Marjan spielt in Nairobi (Kenia) hinter einem Moskitonetz, das sie vor dem Stich von Malaria-Mücken schützen soll (Archivfoto). (picture alliance /dpa /Stephen Morrison)
Am häufigsten werden kleine Kinder Opfer von Malaria. (picture alliance /dpa /Stephen Morrison)

Durch den Stich einer Malariamücke erkranken jährlich immer noch über 200 Millionen Menschen. Ein Impfstoff könnte die Krankheit nahezu ausrotten, sagt der Tropenmediziner Jürgen May – doch dafür bräuchte man deutlich mehr Geld.

Noch vor ein paar Jahren gab es Erfolge bei der Bekämpfung der Malaria zu vermelden. Doch 2017 registrierte die Weltgesundheitsorganisation WHO zum zweiten Mal hintereinander wieder mehr Malariafälle: 219 Millionen. Und nach wie vor sterben jährlich Hunderttausende Menschen an der Krankheit, die eigentlich vermeidbar und heilbar ist. Verhindert werden Fortschritte vor allem durch einen Faktor: Armut.

Es sei dringend nötig, die Mittel für den Kampf gegen Malaria aufzustocken, heißt es bei der WHO – denn alle zwei Minuten sterbe ein Kind an der Krankheit.

Moskitos auf einem Gitternetz (imago/ZUMA Press)Moskitos auf einem Gitternetz. (imago/ZUMA Press)

Besonders betroffen sind afrikanische Länder wie Nigeria, Mosambik, Mali und der Kongo. Unter anderem habe der Ausbruch von Ebola in einigen dieser Länder zur Folge gehabt, dass sich alle Mittel darauf konzentriert hätten, sagt Jürgen May, stellvertretender Leiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg.

Forschungsförderung ist rückläufig

Die Forschungsförderung für Malaria-Projekte, speziell für die Entwicklung eines Impfstoffes, mit der Malaria fast ausgerottet werden könne, sei seit einigen Jahren rückläufig. Die WHO gebe zwar jährlich etwa drei Milliarden Dollar für die Bekämpfung aus – "doch die WHO sagt, um die Malaria bis 2030 um 90 Prozent zu senken, wird das Doppelte pro Jahr benötigt".

Prophylaxe biete sich in den betroffenen Ländern nicht an, sagt May weiter. Die Bevölkerung müsste sie dauerhaft einnehmen, "doch das geht natürlich nicht. Diese Medikamente haben auch Nebenwirkungen. Es wäre auch viel zu teuer und nicht zuverlässig genug, was die Versorgung der Bevölkerung mit diesen Medikamenten betrifft." Aber: Es gebe sehr wirksame Medikamente, wenn die Krankheit bereits ausgebrochen sei. Speziell den vielen betroffenen Kindern könnte damit geholfen werden. Doch dem stünden die zum Teil sehr schlechten Infrastrukturen in den Malaria Ländern entgegen, die einen Zugang zu rettender Medizin verhinderten.

(mkn)

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