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Studio 9 | Beitrag vom 01.10.2014

MaklergebührWer bestellt, der bezahlt

Zwischenruf: Zum Bestellerprinzip beim Einsatz von Maklern

Von Stefan Maas, Hauptstadtstudio

Besonders in Ballungszentren ist der Bedarf an Wohnungen gestiegen (dpa / picture-alliance / Armin Weigel)
Eine entwürdigende Prozedur - die Wohnungssuche (dpa / picture-alliance / Armin Weigel)

Ein Makler wird künftig von demjenigen bezahlt, in dessen Auftrag er arbeitet. Endlich, meint Stefan Maas. Bisher tragen meist die Mieter bei Vertragsabschluss die Kosten, auch wenn der Makler vom Vermieter beauftragt wurde.

Endlich! Endlich gilt bei den Maklergebühren: Wer bestellt, der bezahlt. Werden jetzt all jene seufzen, die − oft mehr als einmal − die entwürdigende Prozedur erlebt haben, zu der eine Wohnungssuche werden kann. Besonders in Städten mit angesagten Wohnvierteln, in die alle wollen.

Karawanengleich ziehen dort die Wohnungssuchenden von Besichtigungstermin zu Besichtigungstermin. Wenn sie Glück haben, gibt es einen Einzeltermin, im Normalfall eine Massenbesichtigung. Die Menschentrauben drücken sich durch die Räume, die wichtigen Unterlagen gleich zur Hand, in der Hoffnung, den wohlwollenden Blick jenes Wesens zu erheischen, das über Wohl und Wehe entscheidet.

Wie Petrus über den Eingang zum Himmelreich wacht, steht der Makler zwischen dem Wohnungssuchenden und seiner Traumwohnung. Kritischer Blick. Nicht in die Seele, sondern auf die Schufa-Auskunft. Kühl wird der Bewerbungszettel gereicht, dutzendfach, wird eingesammelt. Vielen Dank, wir melden uns. Gibts den Zuschlag, wird die Maklergebühr murrend und schicksalsergeben gezahlt, auch wenn es eigentlich der Vermieter war, der sich durch den Makler die Arbeit vom Hals geschafft hat. Aber was tut man nicht alles für eine neue Wohnung.

Geschäftsmodell überdenken

Vorbei. Endlich vorbei? Wohl kaum. Auch wenn die Maklerbranche schon ums Geschäft fürchtet und angekündigt hat, vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen, wird die neue Regelung wohl nicht bedeuten, dass dieser Berufszweig Wohnungstüren nur noch von außen sehen wird. Oder gar zur aussterbenden Spezies zu werden droht. Die Neuregelung trifft nämlich wahrscheinlich nur eine ganz bestimmte Gruppe Makler. Die in den Großstädten. Und auch dort nicht alle. Für diejenigen, die vom Käufer oder in diesem Fall potentiellen Mieter beauftragt werden, ihm eine neue Bleibe zu suchen, die sich Gedanken machen und Zeit investieren, um eine entsprechende Immobilie zu finden, für die ändert sich wahrscheinlich wenig. Es trifft eher solche Makler, die auf einem Berg von Bestands-Wohnungen sitzen und quasi Eintritt kassieren. Die werden ihr Geschäftsmodell überdenken müssen.

Bislang konnte ihre Leistung dem Vermieter ja egal sein. Zahlen musste eh der Mieter. Wenn jetzt der Vermieter selber in die Tasche greifen muss, wird er wohl überlegen, ob die angebotene Leistung ihren Preis wert ist. Oder es sich nicht doch vielleicht lohnt, sich selber mit potentiellen Mietern zu treffen. Das könnte für einen Qualitätssprung sorgen. Oder aber − und auch das ist nicht unwahrscheinlich − alles bleibt, wie es ist. Und der Vermieter findet einfach nur einen anderen Weg, auf dem er den Mieter die Maklergebühren zahlen lässt.

Mehr zum Thema:

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