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Das Literarische Quartett | Beitrag vom 14.05.2021

Mai 2021Mit Vea Kaiser, Eva Menasse und Götz Alsmann

"Das Literarische Quartett": Thea Dorn, Götz Alsmann, Eva Menasse und Vea Kaiser sitzen, jeder auf seinem Stuhl oder kleinen Sofa, nebeneinander und schauen in die Kamera. (ZDF / Svea Pietschmann)
Thea Dorn, Götz Alsmann, Eva Menasse und Vea Kaiser in der Sendung 14.05.2021 (ZDF / Svea Pietschmann)

Die vier Literaturexperten diskutieren über die Bücher von Iwan Gontscharow, Helga Schubert, Mathias Enard und Joyce Carol Oates.

Iwan Gontscharow: "Eine gewöhnliche Geschichte", Hanser 2021

Alexander soll in der Hauptstadt Karriere machen, dabei ist er in den Augen seiner Mutter noch viel zu jung, um den Herausforderungen des Lebens gewachsen zu sein – Sorgen einer Helikopter-Mama anno 1847. Bei seinem Erscheinen erregte der Roman, Vorgänger des weltberühmten "Oblomow", in Russland enormes Aufsehen. In dem jugendlich-schwärmerischen, zwischen alt und neu zerrissenen Protagonisten erkannten die Zeitgenossen ein Portrait ihrer Zeit, der in absurden Konventionen erstarrten, dem Untergang geweihten Feudalgesellschaft. Was erzählt uns die "gewöhnliche Geschichte" in der Neuübersetzung von Vera Bischitzky heute über Russland?

Helga Schubert: "Vom Aufstehen", dtv 2021

Episodenhaft, im freien Wechsel zwischen Fiktion und Autofiktion, erzählt Helga Schubert ein deutsches Jahrhundertleben, die Geschichte der Nachkriegsgeneration, der die Kindheit gestohlen wurde. Als Mädchen bewegt sie sich zwischen verschiedenen Heimaten. Als Erwachsene wird sie jahrelang von der Stasi bespitzelt. Als sie die ersten wirklich demokratischen Wahlen erlebt, ist sie beinahe fünfzig. Doch vor allem ist "Vom Aufstehen" die Geschichte einer schmerzhaften Versöhnung: mit sich selbst, mit der immerzu kritisch-maßregelnden Mutter, mit einem Leben voller Widerstände.

Mathias Enard: "Das Jahresbankett der Totengräber", Hanser Berlin 2021

Der überzeugte Großstädter David zieht aufs Dorf. Er will die Sitten und Gebräuche der einheimischen Bevölkerung studieren, das Landleben im 21. Jahrhundert anthropologisch erforschen. Nie hätte er sich träumen lassen, dass ihn die anfangs so beunruhigende Stille, vor allem aber die überraschende Unangepasstheit der Dörfler, derart in Bann ziehen könnten. Bei aller Faszination für die ihm fremde Welt mit ihren wild verästelten, teils bizarren Geschichten muss David erkennen, dass er ein Außenseiter bleibt, ein Fremder.

Joyce Carol Oates: "Blond", Ecco 2021

In flirrend verdichteten Szenen haucht Joyce Carol Oates der vermeintlich zu Tode erzählten Lebensgeschichte von Norma Jeane Baker, besser bekannt als Marilyn Monroe, neues Leben ein. Der Aufstieg des introvertierten, traumatisierten Mädchens zur Ikone gerät zum kühnen Ritt durch den amerikanischen (Alb)traum: Alles ist möglich, doch der Preis heißt Selbstzerstörung. Die deutsche Übersetzung von "Blond" war zwischenzeitlich vergriffen. Jetzt ist dieses Monument US-amerikanischer Erzählkunst in einer überarbeiteten Neuausgabe wieder zugänglich.

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