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Fazit / Archiv | Beitrag vom 01.09.2010

"Männertrip"

Hans-Ulrich Pönack über einen irren Randalefilm

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Schräg, scharf, hemmungslos: In "Männertrip" geht es um die Reanimation eines abgestürzten Altrockers - mit wildem Humor und derben Späßen.

Der Debütfilm des Harvard-Absolventen Nicholas Stoller war 2008 der lockere Eifersuchtsschwank "Forgetting Sarah Marshall", hierzulande betitelt mit "Nie wieder Sex mit der Ex". Haupt-Produzent war damals der 42-jährige Judd Apatow. Der zählt gegenwärtig zu den Erfolgsmachern in Hollywood. Er trifft mit seinen "Zoten-Späßen" vor allem den Unterhaltungsnerv vieler jugendlicher Kinogänger. Er hat - als Drehbuch-Autor - zum Beispiel die Chaoten-Show "Walk Hard: Die Dewey Cox Story" 2007 entwickelt; als Regisseur und Autor im selben Jahr den Hit "Beim ersten Mal" realisiert und als Produzent die "kontroversen" Trabbel-Movies "Ricky Bobby – König der Rennfahrer" (2006), "Superbad" (2007) und zuletzt "Ananas Express" (2008) verantwortet. Judd Apatow, in Long Island/New York geboren, ist der John Hughes der Neuzeit.

Der beeinflusste bekanntlich einst mit seinen "Kinderfilmen” wie "Breakfast Club – Der Frühstücksclub" und "Ferris macht blau" die filmischen 80er Kids-Jahre maßgeblich. Und sorgte später, als Produzent, für Ami-U-Klassiker wie "Kevin – Allein zu Haus" (1990; plus die New York-Fortsetzung 1992) und "101 Dalmatiner" (1996). Judd Apatow macht so weiter: Schräg, scharf, hemmungslos.

In "Get Him to the Greek" (Originaltitel) geht es mal wieder und buchstäblich um den "verruchten" Rock´n´Roll des Lebens. Schweinkram-pur. Dabei ist der dickliche Naiv-Praktikant Aaron Green (Jonah Hill) eigentlich ein "ordentlicher" Typ. Doch dann hat er eine Idee, die ihm noch leid tun soll: Er macht seinem Chef, einem überkandidelten Plattenlabel-Boss (Sean "P. Diddy" Combs), den Vorschlag, einen längst abgestürzten Alt-Rocker profitabel wieder aus der Versenkung zu holen: Aldous Snow (Russell Brand). Gedacht, gesagt, unterwegs. Auf dem Weg gen London. wo der exzentrische Musiker haust.

Fortan gilt es für Aaron, diesen ausgeflippten, barbarischen Rock-Rabauken binnen 72 Stunden zum Tourneestart nach Los Angeles zu bringen. Dies erweist sich als (sehr) viel komplizierter als gedacht. Denn dieser Aldous Snow ist der ewige pubertäre, chaotische, egozentrische Kaputtmacher, der sich an keine Regeln hält, für den das Dasein eine ewige Party aus Drogen, Suff und Weibern bedeutet. Der übertölpelte, überforderte Aaron muss fortan "mitspielen", um dranzubleiben. Was für ihn natürlich unangenehme, schmerzhafte Dauerbegleiterscheinungen plus herbe Körper-Folgen bedeutet. Und auch den häuslichen Beziehungsfrieden zur wartenden Freundin mächtig "stört". Körperflüssigkeiten wechseln sich ab mit Hochprozentigem und Hysterie, der Humor knallt "nach unten". Motto: Der Harte und der Zarte. Wie "geschaffen" füreinander.

Ein Ja-was-Soll´s-Gig. Laut und heftig. Mit bisweilen urigen Schmutz-Gags, irren Slapstick-Nummern, schwarzhumorigen Breitseiten gegen die "Verderblichkeiten" im Musik-Business und Showbiz. "Männertrip" oder eine schräge, schrill tönende Pfui-Deibel-Performance, bei der vor allem der charismatische britische Clowndolli, Outlaw-Moderator und Stand-Up-Comedian Russell Brand (35 / hatte bei "Nie wieder Sex mit der Ex" den anrüchigen Lover-Sex mit der Ex) als exaltierter Skandalist mit seiner brachialen Verbal-Komik und "unappetitlichen" Körpersprache für "poppige Unruhe" sorgt. Ein attraktives Ekel mit rüdem Selbstzerstörungs-Charme. Man kann ihn förmlich "riechen"…..

"Männertrip" ist Geschmacksachen-Radau. Mit ulkigen Gastauftritten von Promis wie Christina Aguilera, Pink oder Metallica-Drummer Lars Ulrich. Sozusagen - ein knalliger Slapstick-Randale-Pups für die dringend notwendigen "begleitenden Getränke".

USA 2010. Regie: Nicholas Stoller. Hauptdarsteller: Russell Brand, Jonah Hill, Rose Byrne. 109 Minuten.

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