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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.01.2020

Männer und GleichstellungspolitikEin veraltetes Rollenbild hilft nicht bei Problemen

Moderation: Axel Rahmlow

Eine Figur eines muskulösen Mannes ist auf einer Fläche abgelegt. (Imago )
Um Probleme zu lösen, muss Mann sie sich eingestehen: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey will 3.5 Millionen Euro für Projekte für Männer bereitstellen. (Imago )

Männer sind oftmals Täter, aber auch Opfer: Sie werden häufiger obdachlos und ihre Suizidrate ist hoch. Deswegen sollen die Beratungsangebote für sie ausgebaut werden. Denn bei vielen besteht immer noch eine Scheu, sich Problemen einzugestehen.

Männer sollen mehr in die Gleichstellungspolitik einbezogen werden – das hat Familienministerin Franziska Giffey als Ziel ausgegeben. Ein Fokus auf Männerpolitik heiße nicht, dass die Frauen vergessen würden. Vielmehr gehe es um eine partnerschaftliche Gleichstellungspolitik, so Giffey.

Höhere Suizidrate bei Männern

Beim Thema häusliche Gewalt sind Frauen mit 82 Prozent deutlich häufiger betroffen als Männer. Doch es gibt es auch Bereiche, in denen Männer öfter zum Opfer werden. So sind laut Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fast drei Viertel der wohnungslosen Menschen in Deutschland Männer.

Beim Thema Suizid ist es ähnlich. Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zeigen: Mehr als Dreiviertel aller Suizide in Deutschland begehen Männer.

Die Bundesfamilienministerin will insgesamt 3,5 Millionen Euro bereitstellen, die speziell in Beratung, Weiterbildung und Schutzprojekte für Männer fließen sollen.

Angst, sich anzuvertrauen

Norbert Ries begrüßt die Ankündigung. Der Sozialpädagoge ist Mitgründer der Männerberatung in Ludwigshafen. Er meint, so könne das Angebot seiner Beratung ausgeweitet werden, beispielsweise durch Gruppenarbeit oder Trainingskurse für angehende Väter.

Ries berät einmal die Woche vor allem Männer, die sich in Trennung oder Scheidung befinden. Dadurch falle oft der Freundeskreis und die Familie weg. Er begrüße es, wenn es zu einvernehmlichen Einigungen komme, manchmal verweise er aber auch an Anwälte.

Häufig suchten die Männer, die zu ihm kommen, einfach einen Gesprächspartner, berichtet Ries aus der Praxis. Doch es bestehe eine Scheu, sich die eigenen Probleme einzugestehen. Nach wie vor gelte das Bild, der Mann löse seine Probleme selbst. "Das macht es vielen Männern schwer, sich anderen anzuvertrauen", sagt der Sozialpädagoge.

Auch Ries nimmt in seinen Gesprächen wahr, dass die Suizidgefahr bei Männern sehr hoch ist. "Weil das für Männer eine der ‚Lösungsmöglichkeiten‘ ist", wie er sagt. In solchen Fällen frage der Berater konkret nach, um gegebenenfalls Hilfe zu organisieren und andere Perspektiven zu eröffnen.

(rzr)

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