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Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.03.2015

MadonnaDie Queen of Pop und die Altherren-Häme

Ann-Kathrin Büüsker

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Die US-Sängerin Madonna bei ihrem Auftritt bei den 57. Grammy Awards in Los Angeles.  (picture alliance / dpa / Michael Nelson)
Die US-Sängerin Madonna, hier bei den Grammy Awards 2015 in Los Angeles. (picture alliance / dpa / Michael Nelson)

Madonna veröffentlicht ein neues Album. Doch die Kritik interessiert sich vor allem für ihren Körper und wenig für die Musik. Die Queen of Pop beklagte kürzlich die Diskriminierung der gealterten Frau - und wird darin prompt bestätigt.

Eine gestandene Größe des Pop-Business bringt ein neues Album heraus und statt über ihre Musik zu reden, reden alle über ihren Körper. Da Madonna diesen seit jeher zum Teil ihrer Marke gemacht hat, ist es nicht vollkommen überraschend, dass über ihn gesprochen wird. Die Intensität in der es die vornehmlich männlichen Kritiker tun, überrascht dann aber doch.

"Interessant wird es aber, wenn Madonna zum Role Model für das gewachsene Selbstbewusstsein von Frauen jenseits der 50 stilisiert wird, die knappe Kleider tragen und auf Schicklichkeitsideale von vorvorgestern pfeifen. Denn Madonna möchte ja doch augenscheinlich gar nicht wie jemand aussehen, der noch mit 50 wie mit 20 herumläuft: Sie möchte wie 20 aussehen."

Heißt es zum Beispiel in der "FAZ".

Man könnte sich jetzt fragen, warum das ein Problem ist. Doch die Antwort darauf ist wenig schmeichelhaft.

Sich bitteschön mit dem Alter abfinden

Unsere Gesellschaft hat ein klar definiertes Bild davon, wie die ältere Frau zu sein hat. Sie soll sich bitte mit ihrem Alter abfinden. Damit, dass ihr Körper sich verändert, dass sie in einer Welt, in der Jugend als Ideal gilt, nicht mehr begehrenswert ist. Dass sie an Relevanz verloren hat.

Und wer sich damit nicht abfindet, der ist irgendwie komisch …

"Gestern ist mir aufgefallen, dass ich in einem Madonna-Stadtteil lebe. Dort leben sehr viele Frauen. Viele der Frauen haben morgens, abends oder irgendwann am Tag Zeit, zu laufen. In der Nähe ist auch ein Fitness-Center, in dem man sich mit so elektrischen breiten Gürteln Muskeln in Rekordzeit antrainieren kann. Auch da sind sehr viele Frauen.

Fast alle diese Frauen sind sichtbar über 40, viele auch sichtbar über 50. Sie lachen selten, weil sie viel zu viel damit zu tun haben, gegen etwas anzulaufen. Sie sind nicht dick, deshalb kann es nicht der Bauch sein. Es ist das Alter. Muskeln sollen die langsam erschlaffende Haut wieder spannen, Disziplin und Kondition das ersetzen, was langsam schwindet wenn die Kinder zur Schule gehen und einen nicht mehr den ganzen Tag brauchen."

Analysiert der Autor des "Focus" in einem Bericht über Madonnas neues Album, bevor er irgendwann im vierten Absatz auch mal etwas über die Musik sagt.

Seitenhiebe auf Madonnas Hang zur Selbstoptimierung

Und selbst wenn die im Mittelpunkt der Kritik steht, gibt es immer wieder Seitenhiebe, die auf Madonnas Hang zur Selbstoptimierung ihres Körpers abzielen.

"Da ginge doch mehr, als sich einen Motivationssoundtrack für ihr knallhartes Fitnessprogramm auf den Leib zimmern zu lassen."

Urteilt "Süddeutsche". (Text weicht an dieser Stelle vom Audio ab. Anm. der Red.)

Können Sie sich noch erinnern, als Angela Merkel 2008 bei den Bayreuther Festspielen mit tief ausgeschnittenem Kleid auftauchte? Welch einen Aufruhr gab es, welch Überraschung, eine Bundeskanzlerin mit Brüsten!

Die gealterte Frau ist eine der letzten Gruppen, die noch offen diskriminiert werden darf. So Madonna kürzlich in einem Interview mit dem Rolling Stone.

Indem fast alle deutschen Kritiker Madonnas Auftreten, ihren Körper, zum Thema machen, liefern sie den unmittelbaren Beweis, dass die Queen of Pop mit ihrer Kritik genau richtig liegt.  

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