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Fazit | Beitrag vom 20.04.2021

Machtkämpfe und ihre Zuschreibungen"Königsdrama" statt "Zickenkrieg"?

Malcolm Ohanwe im Gespräch mit Gabi Wuttke

Zwei Königsfiguren auf einem Schachbrett, eine liegt, eine steht (imago / imagebroker)
Königsdrama K-Frage? Auf einem politischen Feld müssten auch Konflikte ausgetragen werden, sagt Malcolm Ohanwe. (imago / imagebroker)

Der Kampf um die Kanzlerkandidatur habe weder Söder noch Laschet geschadet, glaubt der Journalist Malcolm Ohanwe. In den Medien seien eher Begriffe wie "Königsdrama" gefallen, nie "Schlammschlacht". Eine Frau wäre da ganz anders beurteilt worden.

Nach gut einer Woche steht fest: Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der CDU/CSU. Sein Kontrahent Markus Söder hat die Entscheidung akzeptiert. "Ich fand interessant, diesen Kampf zu beobachten, wie er medial aufgearbeitet wurde", sagt Journalist Malcolm Ohanwe. Als Podcaster und Sprachwissenschaftler beschäftigt er sich mit Männlichkeitsbildern.

Majestätische Begrifflichkeiten

Es sei nie die Rede von einer "Schlammschlacht", "Stutenbissigkeit" oder "Zickenkrieg" gewesen. Das seien Begriffe, die sehr weiblich besetzt seien, erklärt Ohanwe: "Sie haben eine Wirkmacht und machen Kämpfe lächerlich."

Im Kampf zwischen Söder und Laschet wurden dagegen majestätische Begrifflichkeiten wie das "Königsdrama" genutzt. "Das ist Luxus", sagt Ohanwe, "denn vor dieser Keule, dass man als ‚Zicke‘ oder ‚Intrigant‘ abgestempelt wird, braucht ein Mann nicht so eine große Angst haben. Obwohl Markus Söder ja schon eine Menge Tricks irgendwie in seiner Kiste hatte."

Wäre er eine Frau gewesen, hätte er sich sicherlich eher den Vorwurf gefallen lassen müssen, intrigant zu sein, glaubt Ohanwe. So wurde Söders Handeln dagegen als "klug" und "clever" benannt.

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Besonders toxisch sei ihm der Kampf zwischen Söder und Laschet nicht vorgekommen. Auf einem politischen Feld müssten auch Konflikte ausgetragen werden, so Ohanwe, der sich auch ein bisschen mehr Konflikt bei den Grünen gewünscht hätte, aber verstehen könne, warum es ihn nicht gab:

"Die Grünen haben das sehr clever gemacht. Habeck konnte sich als 'nice guy', als Gentleman inszenieren, der Damen den Vortritt lässt. Und sie musste nicht die böse Zicke sein, sondern sie hat ganz einfach das Feld bekommen."

Eine Dynamik, die sich nur Männer leisten können

Hätte Annalena Baerbock gegen Habeck durch eine Kampfansage oder Tricks gewonnen, wäre es schwierig in der öffentlichen Wahrnehmung gewesen, glaubt Ohanwe. Söder und Laschet dagegen hatten eine Dynamik, die sich auch nur Männer leisten könnten, da sei ein bisschen Kampf okay, so Ohanwe:

"Und es ist auch ziemlich typisch, dass ein Laschet, der sehr schlechte Umfragewerte hat - 17 Prozent innerhalb seiner eigenen Partei - sich trotzdem dann so wohl fühlt und diese Chuzpe hat, zu sagen: 'Ich trete jetzt an'. Ich glaube, eine Frau hätte wahrscheinlich zu viel Gegenwind bekommen und hätte dann gesagt: 'Hey, mit so wenig Rückhalt in meiner Partei oder von der Basis traue ich mich nicht'."

Forsche Herangehensweise wird Frauen negativ ausgelegt

Das habe nichts damit zu tun, dass Frauen das nicht könnten, betont Ohanwe, sondern eher mit den Fragen "Wie ist es in der Wahrnehmung? Was passiert dann mit ihr? Wie wird sie stilisiert?"

"Sobald Frauen forscher rangehen, wird ihnen das negativ ausgelegt, so Ohanwe weiter. "Insofern war das von den Grünen sehr intelligent, dass es nicht zu einem großen Kampf kam. Und das wird dann spannend zu sehen, wie sie dann mit Laschet oder einem Olaf Scholz aus der SPD dann in einem Bundestagswahlkampf sich schlagen wird", sagt Ohanwe.

(nho)

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