Seit 03:05 Uhr Tonart
Samstag, 16.01.2021
 
Seit 03:05 Uhr Tonart

Interview / Archiv | Beitrag vom 08.04.2015

Machtgefüge im Nahen Osten"Saudi-Arabien will Ordnungsmacht werden"

Michael Lüders im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schäfer

Podcast abonnieren
Verhärtete Fronten: Bewaffnete Huthi-Unterstützer skandieren Slogans gegen Saudi-Arabien. (dpa / picture alliance / Yahya Arhab)
Verhärtete Fronten: Bewaffnete Huthi-Unterstützer skandieren Slogans gegen Saudi-Arabien. (dpa / picture alliance / Yahya Arhab)

Iran-Verhandlungen, Konflikt im Jemen, IS-Terror im Nordirak und in Syrien: Im Nahen Osten verschieben sich die Fronten. Und mittendrin ist Saudi-Arabien als "Big Player". Nahost-Experte Michael Lüders erklärt, warum das Land die Rolle der USA übernehmen will.

Im Pulverfass Naher Osten verschieben sich derzeit alte und neue Fronten. Der Konflikt im Jemen mit den schiitischen Huthi-Rebellen und das Engagement des sunnitischen Saudi Arabiens dort mit 150.000 an der Grenze stationierten Soldaten führt zu der Frage: Springt Saudi-Arabien im Nahen Osten in die Lücke, die die USA derzeit durch ihre Zurückhaltung lassen?

"Man könnte sagen, dass Saudi-Arabien versucht, die Rolle von den USA  zu übernehmen und nun seinerseits als Ordnungsmacht in der Region tätig zu werden", meint Nahost-Experte Michael Lüders. "Saudi-Arabien sieht sich als Schutzmacht der Sunniten und versucht, verschiedene sunnitische Staaten der Region, von Ägypten bis Pakistan, auf seine Linie zu verpflichten im Kampf um die Zukunft des Jemen." Nach saudischer Darstellung sei Iran Verursacher der Konflikte im Jemen. Doch das, sagt Lüders, sei "sachlich falsch". Der Krieg im Jemen sei "zunächst einmal ein Bürgerkrieg, der sich an den unklaren Machtverhältnissen entzündet hat".

Harte eigene Interessen

Im Jemen iranischen Einfluss bekämpfen zu wollen sei für Saudi-Arabien nur der Deckmantel um harte eigene Interessen in der Region zu verfolgen. Widerstand seitens anderer sunnitischer Staaten dagegen sei kaum zu erwarten. "Das sind alles Länder, die abhängig sind von den regelmäßigen Geldüberweisungen aus Saudi-Arabien. Sie können es sich gar nicht leisten, eine andere Haltung zu vertreten, als von Riad gewünscht."

Michael Lüders , aufgenommen am 14.10.2011 auf der 63. Frankfurter Buchmesse in Frankfurt am Main. (dpa / Arno Burgi)Der Nahost-Experte Michael Lüders (dpa / Arno Burgi)

Eine spannende Frage sei auch, wie sich die Haltung der USA in der Region und vor allem zum Iran künftig entwickeln werde. "Sollten die Amerikaner in der Tat bei den nächsten Präsidentschaftswahlen einen Republikaner ins Amt versetzen, dann stehen die gesamten Vereinbarungen, die jetzt mit dem Iran getroffen sind beziehungsweise im Begriff stehen, getroffen zu werden, wieder auf der Kippe." Denn es sei das Verdienst von US-Präsident Barack Obama, erkannt zu haben, dass man den Konflikt mit dem Iran friedlich lösen müsse. Der Iran wiederum sei dem Westen bei den Atom-Verhandlungen weit entgegen gekommen.

Es gehe dabei auch um die Frage: Welche Rolle solle der Iran künftig in der Region spielen? Klar sei schon jetzt: Sollten in den USA die Republikaner siegreich aus den Wahlen hervorgehen, würden diese den Iran klein und wirtschaftlich geschwächt halten wollen. 


Zweiter Teil des Interviews mit Michael Lüders zum Nachhören: Die Position Israels innerhalb der neuen nahöstlichen Konstellation und die Rolle des Irans

 

Mehr zum Thema

Jemen - Saudi-Arabien will "Sicherheit wiederherstellen"
(Deutschlandfunk, Aktuell, 28.03.2015)

Saudi-Arabien unterstützt Jemen - "Völkerrechtsgemäß nicht machbar"
(Deutschlandfunk, Interview, 27.03.2015)

Jemen - "Dieser Konflikt hat das Potenzial, überzugreifen auf Saudi-Arabien"
(Deutschlandfunk, Interview, 26.03.2015)

Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien - "Sonst liefern zehn andere"
(Deutschlandfunk, Interview, 09.03.2015)

Saudi-Arabien - Königshaus weist Einmischung zurück
(Deutschlandfunk, Informationen am Abend, 08.03.2015)

Gabriel in Saudi-Arabien - Kleine Störfeuer in Riad
(Deutschlandfunk, Aktuell, 08.03.2015)

Interview

Homeschooling im Corona-JahrKein Sitzenbleiben
Ein Mädchen sitzt zu Hause an ihrem Schreibtisch und macht Aufgaben für die Schule. (picture alliance / dpa / Kira Hofmann)

Im Corona-Jahr müssen alle Schülerinnen und Schüler versetzt werden: Das fordert Marlis Tepe, die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, und sorgt damit für Diskussionen. Landesschülersprecher Lennart Seimetz beurteilt Tepes Vorschlag positiv.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur