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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 01.10.2017

"Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens"Ein ungewöhnliches Gebet im Geist des Franz von Assisi

Von Pater Haribert Arens

Szene aus dem Leben des Heiligen Franz von Assisi, 13. Jahrhundert. (imago/United Archives)
Szene aus dem Leben des Heiligen Franz von Assisi, 13. Jahrhundert. (imago/United Archives)

Am Beginn des 13. Jahrhunderts krempelte die Begegnung mit einem Aussätzigen das Leben des Franz von Assisi um. Werte, die ihm bis dahin nebensächlich waren, gewannen an Bedeutung. Diesen Wandel charakterisiert ein Gebet, das Franz von Assisi zwar nicht verfasst hat, das aber seinen Geist atmet – als wäre es von ihm. Pater Heribert Arens, Franziskaner im Kloster Vierzehnheiligen, geht diesem heute weit verbreiteten Gebet, das zu den erklärten Lieblingsgebeten des Papstes gehört, auf den Grund und stellt fest, dass die "verrückte Welt" dieses Gebetes so verrückt gar nicht ist.

Er war schon ein bisschen verrückt, dieser Franz von Assisi, dieser Heilige aus Umbrien in der Mitte Italiens. Er lebte zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er als verwöhnter Sohn reicher Eltern. Aus-schweifend hat er diese Zeit genossen. Doch dann rüttelte Gott an seiner Tür. Das stellte die bisherigen Vorstellungen vom Leben dieses jungen Mannes in Frage. Ein wühlender Prozess des Fragens und Suchens nach dem Sinn seines Lebens begann – an dessen Ende war alles "verrückt".

Vieles hat sich seitdem in seinem Leben verändert und verschoben:  Geld und Reichtum interessierten ihn nicht mehr, er fing an, arm zu leben; die "oberen Zehntausend" lockten ihn nicht mehr, dafür die Bettler und Habenichtse. Gott gewann in seinem Leben an Bedeutung und weckte ihn aus einem religiösen Mitläuferdasein. Auslöser für all das war die Begegnung mit einem Aussätzigen:

Franziskus hatte vor den Aussätzigen einen natürlichen Abscheu. Eines Tages, als er bei Assisi umherritt, traf er einen Aussätzigen am Weg. Obwohl der ihm mächtigen Ekel und Abscheu einflößte, glitt er dennoch vom Pferd herab und eilte auf ihn zu. Als ihm der Aussätzige die Hand entgegenstreckte, um ein Al-mosen zu empfangen, legte er ihm Geld hinein - und küsste ihn. Und obwohl Franziskus sogleich sein Pferd wieder bestieg und sich nach allen Seiten um-wandte, konnte er von dem Aussätzigen nicht mehr die geringste Spur entdecken.  (1)

Franziskus ahnte, dass Jesus selbst es war, der ihm in diesem Aussätzigen begegnete. Mehr intuitiv als mit dem Verstand begriff er: in den Menschen, die die Gesellschaft ausschließt, die arm sind, weil sie keinen Menschen mehr haben, begegnet dir Jesus, und dieser Jesus erinnert daran: Gott macht keinen Unterschied zwischen arm und reich, zwischen gesund und krank, zwischen denen "da oben" und denen "da unten". Jeder Mensch hat seinen Wert und seine Würde von Gott.

Franz begriff: Jesus begegnet gerade den armen Menschen

Darum wechselte er die Seite. Er "verrückte" seinen Standort: der Sohn des reichen Tuchhändlers wurde Bettler, Bruder der Armen, der kleinen Leute. Sein Vater und mit ihm viele in der Stadt nannten ihn "verrückt". Und das war er ja auch.

Aus der Perspektive seines Vaters stand die Welt des Franziskus auf dem Kopf. Was bei den Menschen zählte, zählte für ihn nicht mehr. Für ihn zählte Gott, der in der Menschwerdung seines Sohnes Himmel und Erde auf den Kopf gestellt hat: oben wurde unten, hoch wurde niedrig, reich wurde arm –  unansehnlich wurde angesehen, klein wurde groß, verachtet wurde geschätzt, der Rand wurde zur Mitte.

Diesen Wandel charakterisiert ein Gebet, das nachweislich nicht vom heiligen Franziskus stammt, das aber seinen Geist atmet – als wäre es von ihm. Hören Sie dieses Gebet:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. (2)

Der Beter will Werkzeug sein – in Gottes Händen

"Herr mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens".

Das Erste, was in diesem Gebet meine Aufmerksamkeit weckt, ist das Wort "Werkzeug". Der Beter will Werkzeug in Gottes Hand sein. Ein Werkzeug schafft nicht selbstständig. Jemand nimmt es in die Hand und arbeitet mit ihm: der Zimmermann mit der Säge, der Friseur mit der Schere. Werkzeuge werden benutzt. Andere schaffen mit ihnen. So ein Werkzeug will der Beter sein.

Das ist verrückt, denn unsere Lebenswirklichkeit ist anders: "Willkommen im Land der Macher" – las ich im Urlaub auf einem Schild. Wieder daheim habe ich "Land der Macher" gegoogelt und mit Staunen festgestellt, wie viele Länder stolz darauf sind, "Land der Macher" zu sein: allen vorweg die USA, aber auch Deutschland und etliche seiner Bundesländer wie Sachsen, Thüringen oder Bay-ern. Macher sein, das zählt.

Und da betet einer, dass er nicht "Macher" sein will, sondern "Werkzeug", Werkzeug Gottes: "Nimm mich in die Hand, Gott. Schaffe mit mir und meinen Gaben den Frieden." Ist das nicht weltfremd im "Land der Macher"? "Fremd" ist es auf jeden Fall, aber nicht weltfremd. Denn: bei aller Freude daran, etwas zu machen, bei allem notwendigen Selbstvertrauen, das sagt "Wir machen das schon": es gibt auch eine Machermentalität, die maßlos wird und sich mehr zu-traut, als sie tatsächlich kann. Darum ist es gut, wenn ihr eine andere Mentalität an die Seite tritt: die Mentalität des Mit-Machers. Der Mit-Macher will nicht die erste Geige spielen, aber er macht mit bei einem anderen, dem er vertraut. Für den Verfasser unseres Gebetes ist das Gott. Der Beter stellt Gott seine Fähigkeiten als Werkzeug zur Verfügung – er macht mit.

Wer immer dieses Gebet geschrieben hat, seine Gedanken sind nah am Geist des Heiligen aus Assisi. Und der will nicht irgendein Werkzeug sein, sondern Werk-zeug Gottes für den Frieden. Der Friede ist dem Heiligen Franz zeitlebens ein zentrales Anliegen: "pace e bene", "Friede und alles erdenklich Gute" – so grüßt er die Leute.

Wie sehr ihm am Frieden gelegen ist, zeigt eine Szene aus seinem Leben:

Einmal sagte der Bischof von Assisi zu Franziskus: "Euer Leben erscheint mir hart.  Nichts Irdisches zu besitzen, ist schwer!" Und er wollte dem Franziskus ein Stück Land schenken. Doch der lehnte ab mit den Worten: "Wollten wir etwas besitzen, so müssten wir auch Waffen zu unserer Verteidigung haben. Daher kommen ja die Streitigkeiten, die Kämpfe und die Kriege, die die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen hindern. Darum wollen wir in dieser Welt nichts unser Eigentum nennen."  (3)

Franziskus wollte keine Waffen, er wollte ein Werkzeug des Friedens in Gottes Händen sein. Die Beliebtheit dieses Gebetes bis heute zeigt, dass es viele sind, die sich nach Frieden sehnen, die Werkzeuge des Friedens sein wollen.

Das Gebet als Programm, wie man Frieden schafft

Und wie werde ich ein "Werkzeug des Friedens"? Das Gebet entfaltet dazu ein Programm, das Vertrautes auf den Kopf stellt:

Lass mich lieben, wo man hasst.

Hass zwischen Menschen kann sich vernichtend steigern. Liebe dagegen, schreibt Paulus den Korinthern, "lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach." Lass mich Liebe bringen und den Kreislauf von Hass und Gegen-hass überwinden.

Lass mich verzeihen, wo man beleidigt.

Beleidigung zu ertragen ist schwer. Abschätzige, ehrabschneidende Worte ver-letzen, tun weh. Viele ziehen sich zurück, andere schlagen zurück. Da lass mich verzeihen und nicht nachtragen.

Lass mich verbinden, wo Streit ist.

Streit spaltet, entfremdet Menschen voneinander, lässt Menschen auf Trüm-mern zurück – lass mich verbinden, damit wir uns wieder in die Augen schauen – und wenn schon nicht Freunde, so doch wenigstens gute Nachbarn sein können.

Lass mich die Wahrheit sagen, wo Irrtum herrscht.

Irrtum verführt. Er lässt Richtiges falsch und Falsches richtig erscheinen. Die Wahrheit dagegen macht frei, gibt Orientierung und weist den Weg, auf dem ich den inneren Frieden wiederfinde.

Lass mich Glauben bringen, wo Zweifel droht.

Wenn der Zweifel im Menschen nagt, wenn unbeantwortete Reste bleiben, wenn es heißt, "Du musst mit offenen Fragen leben", dann kann das Wagnis des Glaubens helfen, innerlich wieder Festigkeit zu finden, und Halt.

Lass mich Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält.

Wer verzweifelt ist, weiß nicht mehr ein noch aus. Die Zukunft erscheint ihm dunkel. Seine Hoffnung stirbt.  Wenn Verzweiflung einen Menschen nieder-zieht, dann kann oft nur noch ein Mensch helfen, der Hoffnung verkörpert, der dem Verzweifelten zumindest etwas neuen Lebensmut schenkt.

Lass mich Licht entzünden, wo die Finsternis regiert.

Wo Finsternis regiert, da treiben lichtscheue Gestalten ihr ungutes Werk. Fins-ternis macht Angst. Das Kind, das im Dunkeln wach wird, beginnt zu wei-nen. Finsternis ist bedrohlich. Wo Finsternis regiert, da lebt die Sehnsucht nach Licht, nach Durchblick, nach der Nähe eines Menschen.

Lass mich Freude bringen, wo der Kummer wohnt.

Es gibt Menschen, denen lähmt der Kummer Seele und Füße.  Wie wohltuend sind die, die da ein wenig Freude bringen können, die wieder ein Lächeln auf dein Gesicht zaubern können, die dich aufatmen lassen.

Dieses Gebet kehrt alles um – und ermutigt

Gemeinsam ist all diesen Bitten: sie vollziehen eine Kehrtwende vom Unheil  zum Heil. Sie wollen aufbrechen, wo das Ungute zu verhärten droht. "Wie du mir, so ich dir": das befreit nicht, das will durchbrochen werden:  Versuch es doch einmal mit Liebe. Versuch es doch einmal mit Verstehen, mit Verzeihen.

Dazu lädt dieses Gebet ein und gewinnt überraschend eine große Aktualität:

Zurzeit zittert die Welt vor einer Eskalation von Schlag und Gegenschlag. Verantwortungs-bewusste Politiker mahnen: "Nicht zurückschlagen!" "Keine militärische Rache, sondern Diplomatie!" Diplomatie kann ein Weg der Liebe sein, so paradox das klingt. Liebe hat etwas Emotionales und Zärtliches. Aber sie kennt auch Nüchternheit, sie hält den Verstand im Spiel, sucht nach Wegen und Lösungen, mit denen alle leben können – und das will ja auch die Diplomatie. Hass schaltet den Verstand aus. Liebe hält den Verstand und die Suche nach befreienden Lösungen im Spiel.

Ähnlich suchen auch die anderen Bitten dieses Gebetes, negatives Verhalten aufzubrechen, den Irrtum durch Wahrheit, den Zweifel durch Glauben, die Verzweiflung durch Hoffnung, die Dunkelheit durch Licht, den Kummer durch Freude.

"Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens". Nicht zuletzt wegen seiner zweiten Hälfte berührt dieses Gebet. Da spricht der Beter Gedanken aus, die absolut ungewöhnlich und in dem Sinn ver-rückt sind, denn er lenkt seinen Blick vom geliebten "Ich" zum "Du". Der Mitmensch rückt an die Stelle des "ICH". 

"Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe."

"Jeder ist sich selbst der Nächste", weiß der Volksmund. Die Gesellschaftsphilosophie hinter diesem Sprichwort ist zur Zeit hoch im Kurs: "Zuerst ich!". "America first": dieses Mantra des amerikanischen Präsidenten ist dafür typisch. Es ist ja gut und richtig, an die eigenen Leute zu denken. Dafür wird einer gewählt. Aber das Miteinander einer Weltbevölkerung gelingt nur, wenn klar ist: "Wir sitzen alle im gleichen Boot"! Wer nur an seinen Vorteil denkt, zerbricht die Solidargemeinschaft der Menschen – und schadet dadurch letzten Endes auch sich selbst. 

Nicht zuerst "ich", bittet der Beter, sondern zuerst "du". Und dann spricht er Erfahrungen an, die unserer Lebenswirklichkeit abgelauscht sind – und sie sind auch dem Evangelium abgelauscht: "Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen." In der Tat, oft erscheint das, was ich auf den ersten Blick als Verlust erachte, bei genauerem Hinsehen als Gewinn:

- Den meisten Trost erfahre ich, wenn ich selber tröste und mich vom Leid des anderen berühren lasse.

- Ich weiß, dass keiner mich voll und ganz versteht, darum mühe ich mich darum, den anderen zu verstehen.

- Mein Hunger nach Liebe wird am ehesten gestillt, wenn ich Liebe ver-schenke, nicht, wenn ich Liebe erwarte.

Am Schluss offenbart der Beter seine erstaunliche Erfahrung

Der letzte Abschnitt des Gebetes spricht in Sätzen, die mit solchen Erfahrungen getränkt sind: 

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Diese Sätze sind das Fundament für das gesamte Gebet. Was sie aussprechen, kann ich täglich erfahren:  

-           Ich opfere Zeit und Energie für einen Menschen – und werde beschenkt mit einem strahlenden Lächeln voller Dankbarkeit.

-           Ich besuche einen Kranken. Ich weiß nicht, was ich ihm sagen und wie ich ihn ermutigen soll. Am Ende bin ich der Beschenkte, weil ich einem Men-schen begegnet bin, der mich mit seinem Lebensmut angesteckt hat.

-           Ich springe über meinen eigenen Schatten und verzeihe – und mir wird bewusst, dass ja auch ich von Verzeihung lebe und sie auch erhalte.

Das Gebet mündet in einen Satz, der mit großer Selbstverständlichkeit aus-spricht, was alles andere als selbstverständlich ist: "Wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben."

Gerade gestern habe ich einen Menschen bestattet. Ich habe den Angehörigen diese Botschaft gesagt. Ob Sie daran glauben konnten? Ich weiß es nicht. Ob ich selbst es glaube? Ich hoffe es. Aber ich finde mich auch wieder in dem, was einer meiner Mitbrüder in einem südoldenburgischen Dorf erlebt hat: Er brachte als Pfarrer einer alten Frau die Krankenkommunion. Am Ende fragte sie ihn: "Pastor, komme ich in den Himmel?" Er hat seine ganze väterliche Güte zusammengenommen und ihr geantwortet: "Sicher, Mutter, kommst du in den Himmel." Sie schaute ihn eine Weile groß an. Dann sagte sie: "Das weißt du auch nicht!"

Nein, das wusste er auch nicht – und ich weiß es auch nicht, und Franziskus wusste es auch nicht, und der Verfasser dieses Gebetes wusste es auch nicht. Das kann ich nur glauben. Das kann ich nur hoffen. Und diese Hoffnung kann ich bezeugen – wie der Beter dieses Gebetes.

Und woher nehme ich den Mut zu dieser unverschämten Hoffnung?

Aus dem Vertrauen auf die Botschaft von  Ostern, die mir bezeugt, dass Jesus am Kreuz gestorben ist und doch lebt. Dieses Vertrauen erfüllte auch Franziskus, wenn er in seinem Sonnengesang folgende Verse schrieb:

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unseren Bruder, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun. (4)

Nicht Werkzeug, sondern Instrument – ein faszinierender Gedanke

Und jetzt muss ich noch einen Gedanken loswerden, der mich fasziniert, seit ich dieses Gebet in anderen Ländern und Sprachen mitgebetet habe. In vielen Sprachen heißt es nicht Werkzeug, sondern "Instrument": "Signore, fa' di me uno strumento della tua pace " – betet der Italiener. Das kann auch "Werkzeug" bedeuten. Aber mir drängt sich eine andere Assoziation auf: Musik-Instrument.

"Mach mich zum "Instrument" deines Friedens, zur Geige, zur Flöte, zur Gitarre, zur klangreichen Orgel deines Friedens. Dann lautet der Gebetstext frei übersetzt: "Herr, lass mich ein Instrument sein, auf dem Du die Melodie des Friedens spielst." Das gibt dem Thema etwas Leichtes, Lockeres, Unkompliziertes, etwas Spielerisches – und das tut dem Thema "Frieden" gut, gerade weil es so ein ernstes Thema ist.

Zum Abschluss kehre ich noch einmal zu Franz von Assisi zurück, zu seiner Art die Welt zu sehen, zu seinem Denken, das so anders ist als das, was Menschen oft denken. Einmal sagte er seinen Brüdern:

"Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verkündet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt. Niemand soll durch euch zu Zorn oder Zank gereizt, vielmehr sollen alle durch eure Sanftmut zu Friede, Güte und Eintracht angehalten werden. Denn dazu seid ihr berufen, Verwundete zu heilen, Gebrochene zu verbinden und Verirrte zurückzurufen." (5)

Da ist sie noch einmal, seine Friedensbotschaft. Worte des Friedens müssen im Herzen verankert sein, mahnt Franziskus. Er brennt seinen Brüdern und auch mir heute das Anliegen des Friedens ins Herz: Dazu bist du berufen.

Ja, dieser verrückte Heilige aus Assisi war und ist auch heute noch ein "Werk-zeug des Friedens".

Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Martin Korden, Senderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandfunk Kultur.


Zitate:

(1), (3) frei nacherzählt nach verschiedenen Quellen-Biographien
(2) dem Heiligen Franziskus oft zugeschriebenes Gebet
(4) Sonnengesang, Franziskusquellen 41
(5) Dreigefährtenlegende, Franziskusquellen 644

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