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Lyriksommer | Beitrag vom 06.08.2016

Lyriksommer - Dichter empfehlen Gedichte (8)Joanna Müller: zaranna

Die Tastatur einer alten Schreibmaschine. (imago / McPHOTO)
"dolmetsche dich in die stille" (imago / McPHOTO)

Dagmara Kraus empfiehlt Joanna Müller, weil sie in ihren experimentellen Gedichten "die Grenzen der polnischen Sprache und Grammatik auslotet".

(Übersetzung Dagmara Kraus)

matutinchen
                      willkommen, Agnieszka!

du triffst mählich ein, im rhythmus der brandung
in mir späten, getriebenen, längst nicht bereiten
zu viele worte wehen noch im durchzug am boden
wenn ich so dasteh im auslaut, bunt wie die litfaß
sperrangelweit offen mit ringsum den postervisagen

du mienchen, nicht zu ermitteln: erstehst, wo ich nicht bestehe
weißes blatt du, ringelchen, früheling
schneebeerchen, lämmchen im purpur

sei stark wie der schlaf der nachtschichthebamme
stimme mich mit mir gleich, morgensternige, zerre mich ins helle
schrumpfe mich zur topographie von urhöhen und -tälern
von allen sinnen übe mich im schauen
schnapp ein in die körperkapsel, dolmetsche dich in die stille

atmen • ich veräußere mich ins bleiche laken
atmen • ich winde mich, das grelle gehäuse nach innen
atmen • ich spule lockeres rot auf dich über
jetzt kannst du mich schon mit deiner blässe eröffnen

(Verlag Biuro Literackie, Wrocław 2015, Übersetzung noch unveröffentlicht, erscheint in der Reihe inter_poems)

 

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