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Lyriksommer | Beitrag vom 01.08.2016

Lyriksommer - Dichter empfehlen Gedichte (1)Inger Christensen: alphabet 5

Die dänische Lyrikerin Inger Christensen bei der Verleihung des Siegfried Unseld Preises im Jahr 2006. (picture alliance / dpa / Frank May)
Die dänische Lyrikerin Inger Christensen bei der Verleihung des Siegfried Unseld Preises im Jahr 2006. (picture alliance / dpa / Frank May)

Nico Bleutge über Inger Christensen

Nico Bleutge: "Je länger man liest, desto genauer stellt man fest, dass dieses Buch sehr genau komponiert ist und nach mathematischen und musikalischen Gesichtspunkten die Dinge aneinandergereiht und durch die Sprache geführt werden. Das Tolle ist: Man merkt dann, dass ist überhaupt keine Sprach-Etüde, sondern Sprache und Welt durchdringen sich ganz und gar und so wie eine Pflanze sich auffächert und wächst, wächst hier die Sprache und es ist ein tolles Beispiel dafür, wie sich Sprache und Welt organisch ineinander fächern oder das eine in das andere sich übersetzt."

Inger Christensen: alphabet 5

den herbst gibt es; den nachgeschmack und das nachdenken

gibt es; und das insichgehn gibt es; die engel,

die witwen und den elch gibt es; die einzelheiten

gibt es, die erinnerung, das licht der erinnerung;

und das nachleuchten gibt es, die eiche und die ulme

gibt es, und den wacholderbusch, die gleichheit, die einsamkeit

gibt es, und die eiderente und die spinne gibt es,

und den essig gibt es, und die nachwelt, die nachwelt

(aus dem Dänischen von Hanns Grössel, Kleinheinrich Verlag, 2016)

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