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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 03.12.2013

LyrikMelancholie und Einsamkeit

Eugenio Montale: "Was bleibt (wenn es bleibt), Gedichte 1920-1980"

Von Maike Albath

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Eugen Montale war Lyriker, Übersetzer und auch Literatur-Nobelpreisträger. (dpa / picture alliance / ANSA)
Eugen Montale war Lyriker, Übersetzer und auch Literatur-Nobelpreisträger. (dpa / picture alliance / ANSA)

Eugenio Montale galt als einer der bedeutendsten italienischen Lyriker des 20. Jahrhunderts. "Was bleibt (wenn es bleibt)" gibt nun einen eindrucksvollen Querschnitt durch sein Gesamtwerk.

Schmucklos, spröde, reduziert auf das Wesentliche - Eugenio Montales Gedichte trafen sofort einen Nerv. Gegenstand seiner frühen Lyrik waren Agaven, Felsklippen, Eukalyptusbäume, die weißen Kalkschulpen der Tintenfische, das Meer und das gleißende Sonnenlicht. Mit einer "krummen, reisigtrockenen Silbe" wollte er die Fauna und Flora präzise benennen. So konkret sich die Bildfelder gestalteten, so hermetisch blieb die Gesamtbewegung der Texte.

Die Natur diente als Ausdruck einer inneren Gestimmtheit, es überwogen Melancholie und Einsamkeit. Einen metaphysischen Trost bot die karge ligurische Landschaft allerdings nicht mehr. Als 1925 seine erste Sammlung "Tintenfischknochen" heraus kam, war Eugenio Montale unter Eingeweihten längst ein Begriff. Er sollte zu einem der großen italienischen Dichter des 20. Jahrhunderts und Wegbereiter der italienischen Moderne avancieren. 1896 in Genua geboren, besuchte Montale eine Fachschule für Buchhaltung, nahm aber an den Privatstunden für Philosophie und Literatur seiner Schwester teil und begann, seine literarischen Interessen als Autodidakt zu kultivieren.

Dass er in das Familienunternehmen für chemische Produkte einstieg, war undenkbar. 1925 unterschrieb er das Manifest der Intellektuellen gegen den Faschismus des Philosophen Benedetto Croce. 1929 wurde er an die renommierte Florentiner Bibliothek und Kultureinrichtung Gabinetto Vieusseux berufen, die er 1938 wegen seines fehlenden Parteiausweises verlassen musste. Mittlerweile ein anerkannter Lyriker schlug er sich mit Übersetzungen durch, bis Montale nach dem Krieg Feuilletonredakteur beim "Corriere della Sera" in Mailand wurde. 1975 erhielt er den Nobelpreis. Montale starb 1981.

Bezug der Gedichte zur Lebenswirklichkeit

Mit dem neuen Band legt der Übersetzer Christoph Ferber einen eindrucksvollen Querschnitt durch Eugenio Montales Gesamtwerk vor, bei dem erstmals die späten Gedichtbände von "Satura" (1971) bis "Andere Verse" (1980) berücksichtigt werden. Einen roten Faden bilden die verschiedenen Frauenfiguren von "der Fliege" über "Clizia" bis zur "Füchsin", die durchaus einen Bezug zur Lebenswirklichkeit des Dichters hatten, sich zugleich aber auch zu Chiffren verdichteten.

Neben einigen der berühmtesten Texten Montales, wie "Die Zitronen", "Die Ohrringe" oder "Für Liuba, die abreist", sind zahlreiche Gedichte zu entdecken, die erzählerischer gestaltet sind, einen tagebuchartigen Charakter haben und sich unmittelbar erschließen. "Der Tod ging dich nichts an" hebt das lyrische Ich an und richtet sich an die verstorbene langjährige Gefährtin Drusilla Tanzi.

"Auch deine Hunde waren gestorben, auch/ der Irrenarzt, Klapsonkel genannt,/ auch deine Mutter und ihre Reis-Frosch-/,Spezialität', ein Mailänder Triumph;". Der unprätentiöse Gestus darf aber nicht über den Gehalt dieser Gedichte hinweg täuschen: Wieder sind es die großen Fragen, denen sich Montale annähert. Den neuen Ideologien verweigerte er sich – und beharrte auf stoischer Skepsis. Ergänzt durch ein erhellendes Nachwort von Georges Güntert versehen, bringt uns Christoph Ferber mit "Was bleibt (wenn es bleibt)" Montale wieder nahe.

 

Eugen Montale: "Was bleibt (wenn es bleibt), Gedichte 1920-1980"
italienisch-deutsch, übersetzt von Christoph Ferber,
Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung Mainz, 508 Seiten, 25 Euro 

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