Dienstag, 27.07.2021
 

Literatur | Beitrag vom 20.06.2021

Lyrik lesen"No Art" oder "Kunst"?

Moderation: Barbara Wahlster

Lyrikerin Wanda Coleman vor einem Graffito in einer Unterführung. (IMAGO / Leemage)
Dichterin Wanda Coleman starb bereits 2013. (IMAGO / Leemage)

Lyrik beglückt oder verstört, seit Menschen ihre Gedanken und Gefühle in Worte fassen. Drei Kritiker und eine Moderatorin diskutieren über neue Lyrikbände. Allein drei davon stammen aus den USA, ein vierter entstand dort.

Gedichte können alles – und das auf engstem Raum. Sie sind spielerisch oder grüblerisch, öffnen Räume und Perspektiven, führen ins unbekannte Eigene, machen Vertrautes fremd – oder umgekehrt. Gedichte sind Wahrnehmungs- und Konzentrationsbatterien: kurz und knapp und mit lang anhaltender Wirkung, im besten Fall.

Gedichte handeln von allem, was in der Welt wichtig ist, und von allem anderem natürlich auch. Sie können verwundern und beglücken, verwirren und trösten, unterhalten und anstrengen, verärgern und vor den Kopf stoßen. Sind sie gelungen, dann schauen sie jedes Mal, wenn man sie ansieht, anders zurück.

Gespräch und Lesung in Frankfurt

Von dieser kleinsten und ältesten literarischen Form lassen sich Claudia Kramatschek (freie Kritikerin), Jan Bürger (Deutsches Literaturarchiv Marbach), Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel, Berlin) und die Moderatorin Barbara Wahlster begeistern und verblüffen, anregen und zuweilen auch ärgern. Birgitta Assheuer liest Auszüge aus den Gedichtbänden.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Drei wichtige Neuerscheinungen haben sich die Kenner ausgesucht für das Gespräch in der Evangelischen Akademie Frankfurt. Außerdem hat jeder der drei einen Tipp mitgebracht.

Diese Bücher werden in der Runde diskutiert:

Robert Hass: "Nach der Natur". Zweisprachig. Aus dem Amerikanischen von Hans Jürgen Balmes. Stadtlichter Presse. Wenzendorf 2021. 169 Seiten, 16 Euro

Ben Lerner: "No Art". Poems/Gedichte. Englisch und deutsch. Aus dem amerikanischen Englisch von Steffen Popp. In Zusammenarbeit mit Monika Rinck. Vorwort von Alexander Kluge. Suhrkamp Verlag, Berlin 2021. 512 Seiten, 34 Euro

Eva Maria Leuenberger: "kyung". Droschl Verlag. Graz 2021. 136 Seiten, 20 Euro

Und das empfehlen die drei:

Claudia Kramatschek:
Thomas Kunst: "Kunst". Gedichte 1984-2014. Edition Azur. Dresden 2015. 144 Seiten, 20 Euro

Jan Bürger:
Wanda Coleman: "Strände. Warum sie mich kaltlassen". Hg. v. Terrance Hayes. Aus dem Amerikanischen von Esther Ghionda-Breger. Maro Verlag. Augsburg 2021. 248 Seiten, 24 Euro

Gregor Dotzauer:
Valzhyna Mort: "Musik für die Toten und Auferstandenen". Aus dem Englischen und dem Weißrussischen übersetzt von Katharina Narbutovič und Uljana Wolf. Edition Suhrkamp. Berlin 2021. 124 Seiten, 15 Euro

Mehr zum Thema

Ben Lerner: "No Art" - Lyrik, die Formen des Sprechens untersucht
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 23.04.2021)

Lyrik lesen – und darüber diskutieren - Dichten über das, was wichtig ist
(Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 24.08.2019)

Lyrik lesen - Wilde Gedichte
(Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 13.12.2020)

Literatur

Armut in der LiteraturWege nach unten
Fotografie eines Stillebens mit einem Kochtopf aus dem ein Buch herausragt. (imago / Cavan Images)

Der leere Bauch bringt große Kunst hervor – meist glauben das Gutgenährte. Sicher ist, dass das Menschheitsthema Armut nicht wenige Künstler im 19. Jahrhundert zu bedeutenden Romanen inspiriert hat. Dann trat es in den Hintergrund. Nun ist die Armut zurück in der Literatur.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur