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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.10.2016

"Love you, Dragonfly" am Theater Bonn Mit Fritz Kater auf Zeitreise

Von Stefan Keim

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Der Theaterregisseur Armin Petras (dpa / picture alliance)
Steckt hinter Fritz Kater: der Theaterregisseur Armin Petras. (dpa / picture alliance)

Fritz Kater alias Regisseur Armin Petras reist mit uns durch 80 Jahre: In seinem neuen Stück "Love you, Dragonfly" wird in sechs Geschichten das Leben verhandelt. So wird ein Mädchen missbraucht und tötet Tiere, ein NVA-Soldat träumt wiederum vom Westen.

Ein Professor hat einen afrikanischen Jungen adoptiert. Das ist viele Jahre her, nun besucht er seinen Sohn im Gefängnis. Der Junge ist zum Mörder geworden. Fritz Kater hat in seinem neuen Stück "Love you, Dragonfly" sechs völlig unterschiedliche Geschichten zusammen montiert. Es ist ein assoziationsreicher, vielschichtiger Abend über das Leben.

Ein Mädchen wird missbraucht und tötet Tiere

"Sechs Versuche zur Sprache des Glaubens" heißt das Stück im Untertitel. Und es sind wirklich völlig unterschiedliche Theatersprachen, die Fritz Kater hier erprobt. Monologe, romanhafte Erzählungen, psychologische Dialoge, poetische Texte. Ein Erfinder gerät immer wieder in ausweglose Situationen und rettet sich mit neuen Einfällen. Ein Mädchen wird missbraucht und tötet Tiere. Ein NVA-Soldat träumt vom Westen. Man erfährt genug von diesen Leuten, um sich Gedanken machen zu können, aber nie so viel, dass sie ihre Geheimnisse verlieren. Die gesellschaftspolitische Dimension stellt sich bei diesem präzisen Blick auf Krisen und Verstörungen von selbst ein. Es braucht keinen Zeigefinger. Das ist die große Kunst von Fritz Kater, hinter dem sich der Theatermacher Armin Petras verbirgt.

Ein Afrikaner wird von einer Frau gespielt 

Alicia Buddeberg hat das Auftragswerk des Theaters Bonn mit großer Aufmerksamkeit inszeniert. Den jungen Afrikaner lässt sie von einer Frau spielen, ebenso den NVA-Soldaten, die seelisch völlig kaputte 13-Jährige wiederum von einem Mann. Weil die hervorragenden Schauspieler diese Rollen mit großer Natürlichkeit und Präzision verkörpern, wirkt die Verfremdung nicht störend sondern bereichernd. Denn es geht ja nicht nur um Einzelschicksale. Die runde Bühne wirkt wie ein leer gepumptes Schwimmbad mit Holzbank, sieht nicht gerade ästhetisch aus, taugt aber zur Projektionsfläche. So wird "Love you, Dragonfly" in Bonn zu einem emotionalen, geistreichen und manchmal sogar witzigen Gedankenanreger.

Weitere Informationen zu "Love you, Dragonfly" von Fritz Kater, unter der Regie von Alice Buddeberg am Theater Bonn.

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