Freistil, vom 10.01.2010

Von Patrick Banush

Das ist die wahre Geschichte des berühmtesten und einsamsten Radio-Discjockeys aller Zeiten. Mitte der 60er-Jahre ist Cornel Chiriac die wichtigste Figur der rumänischen Jazzszene und entdeckt bald Rock und Pop für sich. In seiner Radiosendung "Metronom" erklärt er einer ganzen Generation von Rumänen Bob Dylan, Jimi Hendrix und Janis Joplin - und das zu Zeiten der Ceausescu-Diktatur.

Blick auf ein Mischpult (Stock.XCHNG)
Blick auf ein Mischpult (Stock.XCHNG)

Er ist Mitte 20 und bereits eine Legende. Als er 1968 den sowjetischen Einmarsch in Prag zur besten Sendezeit mit dem Song "Back In The USSR" kommentiert, wird seine Sendung sofort verboten. Chiriac flieht über Österreich nach München. Dort geht er 1969 beim US-Exilsender Radio Free Europe wieder über Kurzwelle auf Sendung.

In Kellern, auf Dachböden, unter Bettdecken wird "Metronom" in seiner Heimat gehört und erlangt Kultstatus. Manche seiner Hörer landen dafür im Gefängnis. Seine Fans bekommt Cornel Chiriac ohnehin nie zu Gesicht, auch in München bleibt er einsam, passt nicht dazu, ist entweder der "Scheiß-Ausländer" oder nicht links genug für einen Langhaarigen. Also vergräbt er sich in seinem Sendestudio. Mit Zigaretten, Bier und seinen fernen Hörern. Am 4. März 1975 zieht er wieder einmal rastlos durch Schwabings Kneipen. In dieser Nacht wird Cornel Chiriac ermordet.