Lokaljournalismus aus 14.000 Kilometern Entfernung

Von Kerstin Zilm · 28.01.2009
Die US-Zeitungsbranche ist in der Krise und sucht nach Einsparmöglichkeiten. Eine davon ist das "Offshore Reporting", bei dem man die Inhalte im Ausland produzieren lässt. So geschehen bei "Pasadena Now", einer Online-Publikation mit Berichten aus lokaler Politik und Unterhaltung einer Kleinstadt nördlich von Los Angeles. Über Rathaussitzungen dort schreiben jetzt Redakteure in Indien.
Die Adresse auf der Webseite von "Pasadena Now" führt in ein ruhiges Wohnviertel zu einem unscheinbaren Reihenhaus mit Klingel ohne Namenschild. Eine Frau öffnet die Tür nur einen Spalt breit und macht klar: Wenn Chefredakteur James MacPherson nicht auf Interviewanfragen reagiert, wünscht er kein Gespräch. Derzeit sei er sowieso unterwegs von New York an die Westküste.
James MacPherson ist möglicherweise der am meisten verachtete Chefredakteur der USA. Er hat seine Reporter entlassen und ihre Arbeit ausgelagert - nach Indien. Von dort wird nun berichtet - in dieser Woche zum Beispiel über eine Rede des Bürgermeisters, ein neues Astronomie-Zentrum der Universität und einen Vertrag der Stadt zur Wasserreinigung.

Robert Berkeley, Geschäftsführer von Express KCS, einem Unternehmen, das Arbeitskräfte in Indien an Zeitungsverleger in den USA, Kanada und Europa vermittelt, wirbt für Verständnis:

"James MacPherson versucht, in Pasadena umfassende Berichterstattung zu gewährleisten. Das konnte er ohne die Hilfe aus Indien nicht."

Für 500 bis 750 Dollar im Monat schreiben die Mitarbeiter in Indien Reden und Pressekonferenzen ab, stellen sie neben Pressemitteilungen auf die Webseite und koordinieren Veranstaltungstipps. Ihr englisch ist manchmal holprig. Sie haben schon den Namen des Football-Stadions in Pasadena - die "Rose Bowl" - mit einem Reisgericht verwechselt. Damit das die Ausnahme bleibt, gibt es Schnellkurse, berichtet Vermittlungs-Anbieter Robert Berkeley:

"Unsere Angestellten lernen in vier bis sechs Monaten lokale Besonderheiten. Zum Beispiel, was ein Heinzelmännchen ist und welche Farben am Valentinstag beliebt sind."

MacPhersons Konzept aus Pasadena wird immer häufiger in den USA kopiert und bekommt Unterstützung von führenden Medienunternehmern.

"Heutzutage ist es egal, ob Dein Schreibtisch am Ende des Flurs oder am Ende der Welt steht", sagte Dean Singleton, Direktionspräsident der Associated Press und Chef der MediaNews Group, die unter anderen Zeitungen in Denver und Detroit veröffentlicht, auf einer Verlegerkonferenz.

James MacPherson ergänzt: "Es geht nicht um glanzvolle Geschichten, sondern ums Überleben."