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Lesart | Beitrag vom 14.01.2021

Lockdown-Tagebuch von Georg Diez"Es geht um die Arbeit am Neuen"

Georg Diez und Philip Grözinger im Gespräch mit Andrea Gerk

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Hinter einem grauen Pfeiler schaut ein Mann mit dunklen zurückgekämmten Haaren und großer Brille und einem freundlichen Gesicht hervor. Er trägt ein weißes Hemd und eine Anzugjacke. (picture alliance / Frank May)
Mit der Coronakrise ist auch die Zeit aus den Fugen geraten, sagt Georg Diez. (picture alliance / Frank May)

Aufbruch, Umbruch oder nichts als Lethargie? Was der Lockdown mit uns macht - und wir mit dem Lockdown, das reflektieren der Autor Georg Diez und der Künstler Philipp Grözinger in ihrem politischen Tagebuch "Blogdown - Notizen zur Krise".

Das Leben ist angehalten, wie auf Kommando. Doch was verbirgt sich unter der Oberfläche, in dieser Phase, die nach den Regeln der Pandemie-Bekämpfung verläuft?

Der Autor Georg Diez reflektierte diese "Zwischenzeit" in einer Art politischem Online-Tagebuch: "Blogdown - Notizen zur Krise". Sein Freund, der Künstler Philip Grözinger, hat dazu Bilder beigesteuert. Was im Netz begann, ist nun auch als gedrucktes Buch erhältlich (Frohmann-Verlag 2020, 34 Euro).

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Diez und Grözinger haben zunächst jeder für sich versucht, den Blick für diese Zeit zu schärfen anhand von Texten beziehungsweise Zeichnungen. Daraus sei dann "zufällig" ein gemeinsames Projekt geworden.

"Ich habe angefangen zu schreiben, aus einer Art von Selbstverteidigung, Selbstverortung", sagt Diez. "Ich brauchte eben das, was mir Halt gibt, und das sind Worte." Sein erster Eintrag stammt vom 18. März 2020, dem Tag, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer Herausforderung von "historischem Ausmaß" spricht und auffordert, soziale Kontakte zu minimieren.

Früher hätten sie zusammen Kaffee getrunken und diskutiert, "und das viel ja dann plötzlich weg", meint Grözinger. An die Stelle der Treffen trat die Arbeit an dem anregenden kleinen Buch. "Ich habe dann Georg ab und zu mal eine Zeichnung geschickt, und da haben wir relativ schnell bemerkt, dass wir das gleiche Feld beackern."

Das Gefühl des Zeiterlebens sei durcheinander gekommen, sagt Diez über die vergangenen Monate: "Manchmal scheint mir der März näher als der September. Und manchmal erscheint mir der März wie vor zehn Jahren."

Sehnsucht nach dem Neuen

Dabei drängt es Diez nach etwas – gesellschaftlichem – Neuem. Klimawandel, Wertschätzung in der Gesellschaft, Kapitalismus, der Umgang mit dem Tod - "das sind alles Momente des 21. Jahrhunderts, die wir menschlich gestalten könnten", meint er. "Es geht um die Arbeit am Neuen." Allerdings beobachte er dabei eine um sich greifende Müdigkeit.

Grözinger gibt sich optimistischer: "Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass etwas Neues entsteht. Und außerdem habe ich den Eindruck: Es entstehen schon neue Sachen. Wenn wir dann tatsächlich wieder zum Luftholen kommen, dann wird etwas Neues hoffentlich entstehen."

(huc)

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