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Konzert / Archiv | Beitrag vom 06.09.2019

Live vom Beethovenfest Bonn: EröffnungskonzertNatur und Trieb

Moderation: Stefan Lang

Bronzebüste des Komponisten umringt von Grün im Garten des Beethoven-Hauses in Bonn. (Beethovenfest Bonn / Sonja Werner)
Beethoven liebte ausgedehnte Spaziergänge, auf denen er unzählige Inspirationen erhielt. (Beethovenfest Bonn / Sonja Werner)

Natürlich beginnt das Fest mit einem Werk aus Beethovens Hand: mit seiner ganz in Natur getauchten Pastoral-Sinfonie. Ergänzt wird der Abend mit Progressivem von Béla Bartók. Sein Mandarin-Ballett galt als zu triebhaft. Zu viel der Natur?

Stundenlang konnte Beethoven im Sommer durch die Natur laufen. Inzwischen ist in einem ehemaligen Vorort Wiens, in Heiligenstadt, ein ganzer Weg nach ihm benannt: der Beethoven-Steig. Er hatte immer Papier und Stift dabei, um schnell eine musikalische Idee zu notieren, um sie nicht zu verlieren.

Natur pur

In fünf Sätzen beschreibt Beethoven, wie er der heißen, stinkenden Stadt entflieht - im Galopp geht es im ersten Satz aufs Land. Es folgen Bachszenerien und Hirtengesänge, bis ein Gewitter aufgrollt, das sich aber am Ende des letzten Satzes beruhigt und wieder freundliche, "dankbare Gefühle" zulässt. 

Barocktradition wiederbelebt

Frank Martin nimmt in seinem Werk aus dem Jahr 1949 die barocke Tradition des Concerto grosso auf, bei dem sich Instrumente in solistischen Partien immer wieder abwechslen. Sie vertiefen sich dabei in eine Art musikalische Unterhaltung. Dabei werden melodische Einfälle geteilt, hin- und hergeworfen und kommentiert. Brillant und farbenreich ist das Werk. Und für eine ungewöhnliche Besetzung gesetzt: im klassischen Orchesterverbund ist ein Schlagzeug integriert.

Triebhaftes Skandalballett 

"Der wunderbare Mandarin" von Béla Bartók kam 1926 in Köln zur Uraufführung und erschütterte eine ganze Kulturszene, die sich erschrocken in ein Auftrittsverbot rettete. Der Geschichte um eine junge Prostituierte erschien dem Oberbürgermeister Konrad Adenauer viel zu triebhaft. Zwei Jahre später erarbeitete Bartók eine Suite aus seinem Ballett-Einakter, die fortan auf große Begeisterung stieß.

Die Musiker stehen mit ihren Instrumenten verteilt auf einem markanten Bühnenboden und schauen nach oben in die Kamera. (Philharmonia Zürich / Dominic Büttner)Die Philharmonia Zürich ist zu Gast in Bonn. (Philharmonia Zürich / Dominic Büttner)

In diesem Jahr sind die Musiker der Philharmonia Zürich eingeladen, das Fest zu eröffnen. Es dirigiert Jukka-Pekka Saraste, der sich in den letzten Jahren sehr intensiv mit den Beethoven-Sinfonien auseinander gesetzt hat.

Sein persönlichster Moment in dieser Sinfonie, so sagte er in einem Interview, liege im zweiten Satz. Dieser ist mit "Szene am Bach" überschrieben und an einer Stelle scheint der Klang zu verschwinden. Und Jukka-Pekka Saraste glaubt, dass Beethoven hier einen Moment der Angst artikuliert habe, sein Gehör zu verlieren. Die Musik wird leiser und leiser und scheint zu verschwinden.

Porträt des Dirigenten, der eine markant gerahmte, schwarze Brille trägt. (Jukka-Pekka Saraste / Felix Boede)Jukka-Pekka Saraste eröffnet das Beethovenfest in diesem Jahr. (Jukka-Pekka Saraste / Felix Boede)

Live aus dem World Conference Center Bonn

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 6 F-Dur, op. 68 "Pastorale"

Frank Martin
Concerto für sieben Blasinstrumente, Pauken, Schlagzeug und Streicher

Béla Bartók
"Der wunderbare Mandarin", Suite für Orchester op. 19

Philharmonia Zürich
Leitung: Jukka-Pekka Saraste

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