Seit 15:00 Uhr Nachrichten

Samstag, 22.02.2020
 
Seit 15:00 Uhr Nachrichten

Konzert / Archiv | Beitrag vom 08.02.2020

Live aus der MET: Höllenfahrtsdrama von Hector Berlioz"La Damnation de Faust"

Moderation: Ulrike Klobes

Beitrag hören
Illustration eines beflügelten nackten Mephisto, der über einer Stadt schwebt.  (Metropolitan Opera / Marty Sohl)
Mephisto hat nur ein Ziel: Faust in die Verdammnis zu stürzen (Illustration 1828 von Eugene Delacroix) (Metropolitan Opera / Marty Sohl)

Das Höllenfahrtsdrama um Faust ist Oper, Oratorium und Chorsymphonie. Überwältigend schwingt sich die Musik vom Himmel zur Hölle. Hector Berlioz träumte von einem Orchester mit 466 Musikern.

Auf den Bühnen Frankreichs war "Faust" im 19. Jahrhundert ein Dauergast, allerdings war er nicht nur der Verdammte, sondern manchmal auch der gelangweilte Dandy. Auch Hector Berlioz war im Faust-Rausch. Er vertont 1829 einige Szenen in einer Schauspielmusik und schickt zwei Exemplare dem verehrten Dichter.

Doch Goethe bittet Carl Friedrich Zelter um sein Urteil: Dem gefielen die Entwürfe nicht. Und so ließ auch Goethe davon ab. Berlioz jedoch ließ der Faust-Stoff nicht los.

"Das wunderbare Buch faszinierte mich sogleich"

Allerdings dauerte es über zwei Jahrzehnte, bis er sich dem "Höllendrama" noch einmal zuwandte. 1846 entstand die "Symphoniekantate". Gemeinsam mit dem Schriftsteller Almire Gandonniere verfasste er dazu den Text.

Berlioz komponierte die dramatische Legende wie im Rausch. Ganz glücklich war er mit den vier Teilen, die stilistisch zwischen allen nur möglichen Stühlen sitzen, aber nicht. Finanziell trieb ihn diese Arbeit fast in den Ruin, denn nach drei Tagen schon wurde das Stück abgesetzt.

Menschheitstragödie

Berlioz' Faust ähnelt Byrons 'Manfred' mehr als Goethes Faust. Der gelangweilte, einsame, von Weltschmerz durchdrungene Faust versucht in Marguerite sein Glück zu finden.

Dei Sängerin sitzt elegant auf einem edlen Ledersessel und schaut in die Höhe. (Elina Garanca / Deutsche Grammophon / Holger Hege)Elina Garanca übernimmt an der MET die Rolle der Marguerite. (Elina Garanca / Deutsche Grammophon / Holger Hege)

Jedoch verliert er sie, als er den Pakt mit dem Teufel unterschreibt. Faust wird nicht gerettet, sondern verdammt. Méphistophélès feiert mit dem Dämonen seinen Sieg über Faust.

Porträt des Sängers, der an einer gemauert Wand lehnt. (MET / Ildar Abdrazakov)Ildar Abdrazakov wird erneut die Rolle des Méphistophélès singen und Faust umstricken. (MET / Ildar Abdrazakov)

Berlioz träumte für sein Werk von einem Orchester mit 466 Musikern. Dieser Traum wurde nicht wahr, dennoch zeigt sich der Komponist als wahrer Meister der Interpretationskunst.

Überwältigend schwingt sich die Musik vom Himmel zur Hölle und besonders an Marguerite entzündete sich seine kompositorische Phantasie.

In der Pause gegen 20:05 Uhr:
Hector Berlioz und die deutsche Romantik
Von Uwe Friedrich

Live aus der Metropolitan Opera New York

Hector Berlioz
"La Damnation de Faust"
Légende dramatique in vier Teilen op.24
Libretto: Hector Berlioz und Almire Gandonnière  
nach der Übersetzung von Goethes Faust 1 von Gérard de Nerval

Marguerite - Elina Garanča, Mezzosopran
Faust - Michael Spyres, Tenor
Méphistophélès - Ildar Abdrazakov, Bass
Brande - Patrick Cafizzi, Bassbariton
Chor und Orchester der Metropolitan Opera New York
Leitung: Edward Gardner

Mehr zum Thema

"La damnation de Faust" - Berlioz' Faust als turbulente Revue
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 27.05.2017)

Die Oper "Les Troyens" von Hector Berlioz - Von Troja nach Karthago
(Deutschlandfunk Kultur, Interpretationen, 17.11.2019)

150. Todestag von Hector Berlioz - Das Ende einer fantastischen Symphonie
(Deutschlandfunk, Kalenderblatt, 08.03.2019)

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur