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Fazit | Beitrag vom 10.07.2018

Liu Xia in Deutschland eingetroffen"Sie ist sehr sensibel, es wird nicht einfach"

Tienchi Martin-Liao im Gespräch mit Britta Bürger

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Liu Xia bei ihrem Zwischenstopp in Helsinki auf dem Weg nach Berlin, aufgenommen am 10. Juli 2018. (picture alliance/Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa)
Endlich in Freiheit: Liu Xia bei ihrem Zwischenstopp in Helsinki auf dem Weg nach Berlin, aufgenommen am 10. Juli 2018. (picture alliance/Jussi Nukari/Lehtikuva/dpa)

Am Dienstagmorgen hat die chinesische Regierung den Hausarrest gegen Liu Xia aufgehoben. Sie flog umgehend nach Berlin. Ihre Freundin Tienchi Martin-Liao freut sich einerseits, sieht andererseits aber neue Probleme auf sie zukommen.

Eine Freundin und Unterstützerin der 57 Jahre alten Liu Xia ist die in Köln lebende Autorin und Übersetzerin Tienchi Martin-Liao. Sie ist Vorsitzende des unabhängigen chinesischen PEN-Zentrums und hat früher mit dem verstorbenen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zusammengearbeitet.

Vor drei Tagen hat Tienchi Martin-Liao zuletzt mit Liu Xia telefoniert, da stand sie noch unter Hauarrest. Am Montag fand das Treffen des chinesischen Präsidenten mit Angela Merkel statt. Die Kanzlerin hatte sich in der Vergangenheit mehrfach für die Freilassung von Liu Xia eingesetzt.

Chinas Gut-Wetter-Politik

Nach Ansicht von Martin-Liao gibt es auf jeden Fall einen Zusammenhang zwischen dem Treffen und der Aussetzung des Hausarrests, obwohl "offizielle chinesische Stellen das bestreiten". Aber man müsse solche Stellungnahmen richtig lesen, nämlich "genau umgekehrt".

Martin-Liao sieht hier wirtschaftliche und geopolitische Interessen, die aus dem aktuellen Streit mit Donald Trump herrühren. China werde von der US-amerikanischen Regierung in die Enge getrieben und suche jetzt vermehrt engere Beziehungen zu EU-Ländern, darunter natürlich auch zu Deutschland. "Dieses chinesische Regime hat Liu Xia als Paket verpackt und als Geschenk" der deutschen Regierung übergeben, um auf "gut Wetter zu machen".

Deutschland habe eine moralische Verpflichtung zum Schutz von Menschenrechten und Geflüchteten, dies sei eine Lehre aus der eigenen Geschichte. Chinesische Intellektuelle und Dissidenten schauten deshalb sehr nach Deutschland und hofften, dass sie Unterstützung bekommen. "Ich weiß: Die Deutschen haben schon ein Herz für politisch Verfolgte", so Martin-Liao weiter.

"Sie ist zierlich, aber innerlich stark"

Es sei natürlich schwer für Liu Xia, aber sie sei eine "Künstlerin von Natur aus" und habe die Traumata der letzten Jahre auf ihre Weise einigermaßen bewältigen können. Sie habe Gedichte geschrieben und sogar gemalt. "Sie ist zierlich, aber innerlich stark. Nach außen macht sie nicht so einen Eindruck, und sie weiß, dass sie nichts getan hat." Ganz im Gegenteil: Ihr Mann habe sogar etwas Gutes für sein Land und seine Mitmenschen getan. "Das gibt ihr schon Kraft."

"Einsamkeit trotz Liebe und Hilfe wird sie erwarten"

Auch aus der vielfältigen Unterstützung, die ihr zuteil wird, ziehe Liu Xia Kraft. Dennoch macht sich ihre Freundin gerade jetzt Sorgen, da es nun ein anderes Problem gebe. Jetzt sei der Druck der letzten Jahre weg und neue Herausforderungen stünden vor ihr: Eine neue Kultur, eine neue Sprache und eine neue Umgebung. "Sie ist sehr sensibel, es wird nicht einfach." Einsamkeit trotz aller Liebe und Hilfe werde sie erwarten, doch da müsse sie nun alleine durch und diesen neuen Weg gehen. "Ich hoffe, dass wir sie ein bisschen unterstützen können."

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