Seit 17:30 Uhr Tacheles

Samstag, 15.12.2018
 
Seit 17:30 Uhr Tacheles

Kulturnachrichten

Samstag, 26. Mai 2018

Literaturnobelpreis: Verleihung 2019 nicht sicher

Abhängig von Fortschritten bei der Aufarbeitung des Skandals sowie Reformen

Die wegen eines Missbrauchsskandals bereits um ein Jahr verschobene Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises könnte sich noch weiter verzögern. Die Verleihung sei abhängig von Fortschritten bei der Aufarbeitung des Skandals sowie Reformen, sagte der Direktor der Schwedischen Akademie, Lars Heikensten, in Stockholm. Das bedeute, dass 2019 nicht als feststehender Termin zu verstehen sei, betonte er. Vor rund drei Wochen sagte die Akademie die Vergabe des diesjährigen Nobelpreises ab. Dieser sollte nach ihren bisherigen Angaben im kommenden Jahr zusammen mit dem Preis 2019 verliehen werden.

Mobbing am Schauspiel Köln

Intendant und Ehefrau in der Kritik

Der Intendant Stefan Bachmann und seine Ehefrau, die Schauspielerin und Regisseurin Melanie Kretschmann, sollen am Schauspiel Köln ein "Klima der Angst" geschaffen haben, wie das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL unter Berufung auf Theaterkollegen berichtet. Die ehemalige Hausregisseurin Angela Richter wirft Kretschmann üble Nachrede vor. Sie soll über Richters Lebensgefährten verbreitet haben, dass dieser heroinabhängig sei. Der Regisseur Adam Traynor spricht sogar von einer "toxischen Atmosphäre" am Theater. Das Ehepaar Bachmann/Kretschmann lässt über seinen Anwalt mitteilen, der Spiegel sei „mitunter falsch und/oder nicht vollständig informiert und „mit den Gepflogenheiten am Theater nicht hinreichend vertraut. Eine Rechtfertigung, so unser Theaterkritiker Stefan Keim, die aus Zeiten vor der MeToo-Debatte stamme und als Ausrede nicht mehr gelten könne.

Museumsbesucher beschädigt weltbekanntes Gemälde

Ilja Repins Gemälde von Iwan IV. mit einem Metallpfosten attackiert

Ilja Repin zählt zu Russlands bedeutendsten Malern. Jetzt wurde sein weltberühmtes Gemälde von Zar Iwan IV., dem im Ausland der Beiname "der Schreckliche" gegeben wurde, von einem nach eigenen Angaben betrunkenen Besucher mit einem Metallpfosten attackiert und schwer beschädigt.

Swetlin Russew ist tot

Bulgarischer Maler starb im Alter von 84 Jahren

Swetlin Russew, einer der bekanntesten bulgarischen Maler, ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Der politisch engagierte Künstler hatte mit seinen dramatischen Bildern und auch mit großflächigen Wandmalereien internationale Bekanntheit erlangt. Bulgarien habe "einen seiner Weisen" verloren, schrieb Regierungschef Bojko Borissow in seinem Kondolenzschreiben.

Goldener Löwe für Schweizer Pavillon

Kenneth Frampton für sein architekturhistorisches Lebenswerk geehrt

Zum Auftakt der Architekturbiennale in Venedig hat der Schweizer Pavillon den Goldenen Löwen gewonnen, wie die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia mitteilte. Der prämierte Beitrag "Svizzera 240: House Tour" stellt eine leere Wohnung dar, die der Besucher in dem Pavillon besichtigen kann, und thematisiert damit Standards wie 240 Zentimeter, die als optimale Höhe für Wohnräume gelten. Das sei ein außerordentlicher Erfolg für das junge Architektenteam und unterstreiche die Spitzenklasse der Schweizer Architektur, sagte der Schweizer Bundespräsident Alain Berset, der gestern den Schweizer Pavillon eröffnet hat. Der Goldene Löwe ist eine der wichtigsten internationalen Architekturauszeichnungen und wurde dem Schweizer Pavillon zum ersten Mal verliehen. Dem britischen Architekten und Architekturhistoriker Kenneth Frampton wurde der Goldene Löwe für sein Lebenswerk überreicht.

Ku'damm-Bühnen: Letzer Vorhang vor Abriss

Überleben der Berliner Traditionsbühnen ist gesichert

An diesem Wochenende fällt der letzte Vorhang in den traditionsreichen Ku'damm-Bühnen in Berlin. Die beiden privaten Boulevardtheater im Ku'damm-Karree müssen einem Shopping-Center weichen. Sie ziehen für die kommenden drei bis vier Jahre in das ehemalige Schillertheater. In dem neuen Einkaufszentrum wird ein neues Theater gebaut.

"Das Leben von Oleg Senzow retten"

Einsatz für inhaftierten Filmemacher gefordert

350 Schriftsteller, Wissenschaftler und Publizisten, darunter die Literaturnobelpreisträgerinnen Herta Müller und Swetlana Alexijewitsch, haben die Bundesregierung in einem offenen Brief aufgefordert, sich für den in Russland inhaftierten ukrainischen Regisseur Oleg Senzow einzusetzen. "Oleg Senzow darf kein Todesopfer der politischen Justiz Russlands werden", heißt es in dem Brief an Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Maas, wie der "Tagesspiegel" am heutigen Samstag berichtet. Die Unterzeichner appellieren an die Bundesregierung, alles zu tun, um Senzows Leben zu retten und die Freilassung der ukrainischen politischen Gefangenen in Russland zu erreichen. Senzow war 2014 von Sicherheitskräften in Moskau festgenommen worden. Die russische Justiz warf dem Filmemacher "Terrorismus" vor. Er wurde 2015 in einem Verfahren zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seit dem 14. Mai befindet sich der Filmemacher in einem Hungerstreik. In einer handschriftlichen Erklärung, die von seinem Anwalt veröffentlicht wurde, betonte Senzow, er sei von dem russischen Gericht "unrechtmäßig verurteilt" worden. Mit der Aktion will Senzow "die Freilassung aller ukrainischen politischen Gefangenen" in Russland erreichen.

"Sesamstraße" klagt gegen vulgären Filmtrailer

Puppen bei Sex, Gewalt und Drogenmissbrauch gezeigt

Die Macher der Puppentrickserie "Sesamstraße" sind gegen eine Filmwerbung vor Gericht gegangen. Der Trailer für Melissa McCarthys Puppenfilm "The Happytime Murders" schädige den Markennamen "Sesamstraße". Unter dem Slogan "Kein Sesam. Alles Straße" zeige der Trailer "freizügige, lästerliche, drogenkonsumierende, frauenfeindliche, gewalttätige, kopulierende und sogar ejakulierende Puppen", hieß es in einer Klage der Organisation Sesam Workshop. STX, die Produktionsfirma des Films, ließ daraufhin einen Charakter aus dem Werk antworten: "STX mochte die Idee, eng mit Brian Henson und der Jim Henson Company zusammenzuarbeiten, um die bisher noch nicht erzählte Geschichte der Leben der Henson-Puppen zu zeigen, wenn sie gerade nicht vor Kindern auftreten. Wir sind zwar enttäuscht, dass die 'Sesamstraße' den Spaß nicht versteht, sind aber zuversichtlich, dass unsere rechtliche Position bestätigt wird." Die Hauptrolle spielt in dem Film die Komikerin Melissa McCarthy, die in einer Welt, in der Menschen und Puppen zusammenleben, einen Serienmörder sucht.

Erstmals "Kantatenring" auf dem Bachfest

18 Stunden Musik-Marathon in Leipzig

Auf dem diesjährigen Bachfest in Leipzig gibt es erstmalig einen sogenannten "Kantatenring" mit den 30 besten Kantaten von Johann Sebastian Bach. Das kündigte der neue Intendant des Festivals, Michael Maul, an. Der Ring umfasse 18 Stunden Musik an zwei Original-Wirkungsstätten des Komponisten - abwechselnd in der Thomas- und der Nikolaikirche. Dafür seien weltweit renommierte Ensembles gewonnen worden - darunter der Platzhirsch, der Thomanerchor und Sir John Eliot Gardiner mit dem Monteverdi Choir. Das diesjährige Bachfest steht unter dem Motto "Zyklen" und findet vom 8. bis 17. Juni statt. Insgesamt stehen 161 Veranstaltungen auf dem Programm. In Leipzig schrieb Bach seine bedeutendsten Kompositionen.

Künstler lässt sich lebendig begraben

Mike Parr mahnt das Kolonialverbrechen an

Der australische Aktionskünstler Mike Parr lässt sich für drei Tage in den Boden versenken. Damit will er an das dunkle Kapitel der australischen Kolonialzeit erinnern. Der 73-Jährige mahnt damit die nahezu komplette Auslöschung der Aborigines in Tasmanien nach der Ankunft britischer und irischer Siedler im 19. Jahrhundert an. Parr soll am 14. Juni in einem Container unter einer Straße in Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien, in den Boden versenkt werden. Mit unter die Erde nimmt er Wasser, Bettzeug, Skizzenblock, Stifte und einen Hocker zum Meditieren.

Harvey Weinstein wegen Vergewaltigung angeklagt

Er wird elektronisch überwacht und darf den Staat Connecticut nicht verlassen

Gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ist nun in New York Anklage wegen Vergewaltigung und eines sexuellen Übergriffs erhoben worden. Der 66-Jährige stellte sich der Polizei und kam nach einer Anhörung gegen eine Kaution von einer Million Dollar frei. Weinstein hatte einen Barscheck über genau diesen Betrag dabei, da die Höhe der Kaution vorab ausgehandelt worden war. Der Beschuldigte habe seine Position, sein Geld und seine Macht benutzt, um junge Frauen in Situationen zu locken, in denen er sie sexuell verletzen konnte, sagte die stellvertretende Staatsanwältin vor Gericht. Weinsteins Anwalt verwies darauf, dass die Frauen die mutmaßlichen Übergriffe nicht der Polizei gemeldet hätten. „Herr Weinstein hat die Besetzungscouch in Hollywood nicht erfunden", sagte er. Natürlich gebe es in der Branche "schlechtes Benehmen", aber darum gehe es in diesem Fall nicht. Weinstein wird nun elektronisch überwacht und darf New York sowie den Staat Connecticut nicht verlassen.

Staatstheater-Krise: Mehr Mitsprache

Personalrat darf künftig an den Stiftungsratssitzungen teilnehmen

Nach dem heftigen Streit um den Führungsstil am Cottbuser Staatstheater bekommen die Mitarbeiter mehr Mitspracherecht. Der Personalrat darf künftig als Gast an den Stiftungsratssitzungen teilnehmen, wie die Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, Kulturministerin Martina Münch (SPD), nach einem Gespräch mit der Belegschaft in Cottbus sagte. Der Stiftungsrat ist Teil der Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder), die sich um den Theaterbetrieb kümmert. Erst gestern wurde bekannt gegeben, dass dem Vorstandsvorsitzenden Martin Roeder aufgrund eines "zerstörten Vertrauensverhältnisses" fristlos gekündigt wurde. Die schon Wochen andauernde Krise entstand, als immer mehr Mitarbeiter den Führungsstil des Generalmusikdirektors Evan Alexis Christ kritisierten. Das Theater strebt eine Beendigung seines Vertrags an.

Programmdirektorin verlässt Volksbühne

Marietta Piekenbrock geht in gegenseitigem Einvernehmen

Die Programmdirektorin Marietta Piekenbrock verlässt die Berliner Volksbühne. Ihr Vertrag sei in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden, bestätigte Pressesprecher Johannes Ehmann dem rbb. Intendant Chris Dercon war bereits im April zurückgetreten. Das Duo verantwortete das umstrittene Programm der Neuen Volksbühne nach der Ära Castorf.

Architektur-Biennale: Deutscher Pavillon eröffnet

28 Projekte für 28 Jahre seit dem Mauerfall

In Venedig wurde heute der deutsche Pavillon auf der Architekturbiennale eingeweiht. Unter dem Motto "28 Projekte für 28 Jahre seit dem Mauerfall" beschäftigt sich die Ausstellung "Unbuilding Walls" mit der Geschichte der deutschen Teilung. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sagte bei der Eröffnung in Venedig, es lohne sich, jeden Tag für Freiheit zu kämpfen. Kuratoren sind die frühere Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler sowie das Berliner Büro Graft mit den Architekten Wolfram Putz, Thomas Willemeit und Lars Krückeberg. Die 16. Architektur-Biennale in Venedig steht in diesem Jahr unter dem Titel "Freespace". Es sind 65 Nationen vertreten, darunter zum ersten Mal der Vatikan, Saudi-Arabien, Pakistan und der Antillen-Staat Barbuda. Die Architektur-Schau dauert bis zum 25. November.

Kulturnachrichten hören

Mai 2018
MO DI MI DO FR SA SO
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

Fazit

"Staatssicherheitstheater"Ein Ventil für Gegenwartsekel
Drei Männer lesen einen Stadtplan Berlin, den sie auf den Rücken eines vierten Mannes gelegt haben, der vor ihnen sitzt. (Harald Hauswald/Volksbühne Berlin)

In Leander Haußmanns "Staatssicherheitstheater" sieht unser Kritiker viele Männer mit Handtäschchen in krustigen Klamotten. Deren Stasi-Tätigkeit taugt Haußmann, um Abscheu über die Gegenwart auszudrücken. Doch mit dem Jahr 2018 hat das wenig zu tun.Mehr

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur