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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.03.2019

LiteraturkreiseVon der Lust, gemeinsam zu lesen

Dilek Arslanlar und Kerstin Hämke im Gespräch mit Gisela Steinhauer

Mitglieder des Geneva Book Clubs im August 2010, der damals 116 Mitglieder aus 47 Ländern hatte (Yu Yang/imago/Xinhua)
Gemeinsam Lesen: Doppelter Genuss (Yu Yang/imago/Xinhua)

Ein Glas Wein, Knabberzeug und ein Buch: Etwa 30.000 Literaturkreise in Deutschland treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Lesen und Diskutieren. Was ist der Reiz, sich mit anderen über ein Buch auszutauschen? Und wie gründet man einen Lesekreis?

"Was ist schöner als eine gute Geschichte, eine Geschichte, die man mit jemandem teilen kann?"  sagt Kerstin Hämke, Gründerin der Online-Plattform "Mein-Literaturkreis.de". Gerade in schnelllebigen Zeiten sei ein Literaturkreis eine wunderbare Gelegenheit zu entschleunigen: "Für viele ist Lesen wie eine Art Urlaub. Wenn man sich mit einem Buch auseinandersetzt, hat man Gefühle, und ein Literaturkreis bietet die Möglichkeit, sich darüber auszutauschen."

Der doppelte Lesegenuss

Das Schöne an Lesekreisen: "Sie genießen jedes Buch doppelt: zuerst bei der eigenen Lektüre und dann noch einmal im Austausch in der Gruppe." Wichtig dabei sei: "Man muss gern lesen und man muss schon bereit sein, die Meinung der anderen zu akzeptieren." Gleichzeitig sind für Hämke jene Diskussionen am spannendsten, "wo nicht alle Mitglieder einer Meinung sind." Und es sei immer wieder die Kunst, daraus eine produktive Diskussion entstehen zu lassen. Tipps dazu gibt Hämke in ihrem Ratgeber "Das große Lesekreis-Buch".    

"Leselust ist ansteckend!"

"Für mich ist ein Leseleben kein einsames, sondern ein gemeinsames. Nur Reden ist schöner!", sagt die Buchhändlerin Dilek Arslanlar. Sie leitet einen Lesekreis in der Buchhandlung Christiansen in Hamburg, der ältesten Buchhandlung in Familienbesitz, gegründet 1878. Deren Motto: "Leselust ist ansteckend". Hier treffen sich nicht nur Erwachsene: Bei den "Reading Teens" diskutieren auch Kinder und Jugendliche über die Bücher ihrer Wahl.

Dilek Arslanlars Beobachtung: "Das Bedürfnis, über Literatur zu reden, ist unglaublich groß. Dafür einen Raum zu haben und einen Abend, an dem das möglich ist, ist wichtig – auch für Buchhandlungen."

Die Literaturwissenschaftlerin ist immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich die Bücher bei den Treffen aufgenommen und diskutiert werden: "Mir macht Spaß, dass ich den Abend immer mit einem anderen Blick auf das Buch beende. Die sind alle so engagiert und interessiert, dass es immer wieder viele Impulse und Gedanken gibt."  

Literaturkreise: Von der Lust, gemeinsam zu lesen - darüber diskutiert Gisela Steinhauer heute von 9.05 Uhr bis 11 Uhr mit Dilek Arslanlar und Kerstin Hämke. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literaturhinweis:

Kerstin Hämke: "Ein gutes Buch kommt selten allein. Das große Lesekreis-Handbuch"
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2018, 352 Seiten, 15 Euro

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