Seit 00:05 Uhr Neue Musik

Dienstag, 12.11.2019
 
Seit 00:05 Uhr Neue Musik

Lesart / Archiv | Beitrag vom 20.11.2014

LiteraturEinmal bei Ken Follett auftauchen!

Die Juristin Eva-Ines Obergfell über die Möglichkeit, mit eigenem Namen in Werken von Bestsellerautoren zu erscheinen

Podcast abonnieren
Der Schriftsteller Ken Follett steht am 10.09.2014 in einer Ausstellung zum Mauerfall im Journalismusmuseum Newseum in Washington. (picture alliance / dpa / Chris Melzer)
Ken Follett: Wer will zu seiner Romanfigur werden? (picture alliance / dpa / Chris Melzer)

Wer schon immer mal in einem Werk von Ken Follett auftauchen wollte, kann bald einen Charakter im nächsten Buch des Bestsellerautors ersteigern. Was lustig klingt, birgt auch Fallstricke: Die hat die Juristin Eva-Ines Obergfell bei uns erläutert.

Wie bringt man sich ins Gespräch? Zum Beispiel, indem Ken Follett in seinem nächsten Buch eine Figur nach einem benennt. Das ist jetzt möglich, denn prominente britische Autoren wie Follett, Ian McEwan, Julian Barnes, Zadie Smith und die Kanadierin Margaret Atwood haben je einen Namen in einem künftigen Buch zur Verfügung gestellt. Diese können ersteigert werden, der Erlös kommt der Stiftung "Freedom from Torture" zugute, die sich um Folteropfer kümmert.

Doch was ist, wenn man dann damit nicht einverstanden ist, was Ken Follett über die Figur mit dem eigenen Namen schreibt? Juristisch ist die Beziehung zwischen realen Menschen und literarischen Figuren komplex.

Ein Autor besitzt seine Romanfiguren nicht, er genießt aber Urheberrechtsschutz 

Grundsätzlich gestalte eine Autor seine Romanfiguren und genieße deswegen Urheberrechtsschutz, betont Eva-Ines Obergfell, Professorin für Bürgerliches Recht an der Berliner Humboldt-Universität. Deswegen könne er auch darüber bestimmen, was mit den Figuren passiere.

Aber: Andere dürften sich von literarischen Figuren inspirieren lassen, sagt die Expertin und verweist auf die "Pippi-Langstrumpf-Entscheidung" des Bundesgerichtshofs. Der hatte eine Werbung des Discounters Penny für rechtens befunden. Zentrale Figur war ein Mädchen im Pippi Langstrumpf-Kostüm. Penny habe damit nur ein paar "äußere Merkmale" übernommen, so der BGH. Oder, wie es Obergfell ausdrückt: "Eine Hülle wurde geschaffen."

Im Urteil zum Roman "Esra" wurde die Kunstfreiheit hervorgehoben

Im Fall "Esra", einem Roman von Maxim Biller, mussten sich die Gerichte hingegen mit einem Dilemma beschäftigen: Kunstfreiheit versus Persönlichkeitsrechtsschutz. Eine ehemalige Lebensgefährtin Billers sah ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und bekam Recht. Doch das Bundesverfassungsgericht habe eigentlich die Kunstfreiheit in seinem Urteil hervorgehoben, sagte Obergfell. Die Entscheidung sei damit ein "Fortschritt für die Kunstfreiheit". Der Fall sei aber so speziell gewesen, dass hier der Schutz der Persönlichkeitsrechte überwogen habe.

Mehr zum Thema:

Spiel mit Assoziationen
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 02.04.2009)

"Wo die Moral fehlt, fehlt die Kunst"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 10.06.2008)

"Unerträgliche Situation für einen Künstler"
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 12.10.2007)

Verteidigung eines verhassten Schriftstellers
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 24.07.2006)

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

Ali Smith: "Herbst" Die letzten Tage eines Sterbenden
Das abstrakt in Herbstfarben gestaltete Cover des Buches "Herbst" von Ali Smith auf einem orange-weißem Hintergrund. (Cover: Luchterhand-Verlag)

Selten sind die letzten Tage eines Sterbenden so anrührend beschrieben worden wie von Ali Smith in "Herbst". Aber auch Großbritannien siecht dahin. Der Roman ist grundiert vom Unbehagen über den aufflammenden Rassismus nach dem Brexit-Entscheid. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur