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Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.04.2015

Literatur Der Schriftsteller als Marathonläufer

Matthias Politycki im Gespräch mit Maike Albath

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Tempomacher sorgen am 29.09.2013 in Berlin beim 40. Berlin-Marathon vor den Favoriten für Tempo zum Beginn des Rennens. (picture alliance / dpa / Ole Spata)
Tempomacher beim Berlin-Marathon (picture alliance / dpa / Ole Spata)

Für den Schriftsteller Matthias Politycki ist das Marathon-Laufen auch eine mentale Herausforderung. In seinem neuen Buch "42,195" widmet er sich den Parallelen zwischen dem langen Atem für das Laufen und für das Schreiben eines Romans.

Der Schriftsteller Matthias Politycki hat den Weiberroman geschrieben und sich auf enzyklopädische Weise mit Frauen auseinander gesetzt. Er hat von Männern in ihren besten Jahren erzählt, Geschichten über Kuba und Samarkand vorgelegt, und auch das Schreiben von Gedichten gehört zu seinen Beschäftigungen. In seinem neuen Buch "42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken" widmet er sich dem Laufen. Er selbst hat damit erst spät begonnen, aber betrachtet den Sport nicht nur als Freizeitbeschäftigung.

Teilnahme an der Schönheit der Welt

"Das ist ein Glück", sagt Politycki über seine Begeisterung für den Marathon im Deutschlandradio Kultur. "Gewisse Läufe, das ist eine solche Welterfahrung." Wenn er aus Hamburg mit der S-Bahn hinausgefahren sei und dann durch Gegenden zurücklaufe, die er so nicht gesehen habe oder sich mit einem Laufkumpel gut unterhalte – dann seien das Glücksmomente. "Das ist weniger Sinnsuche als einfach an der Schönheit der Welt teilnehmen, in dem man in Bewegung ist." Anders als beim Joggen müsse man beim Marathonlaufen aus der eigenen Wohlfühlzone heraus. Es gehe darum, Grenzen zu überwinden und der Schmerz sei notwendige Bedingung für eine andere Art der Belohnung, die einen nach den großen Läufen erwarte. Wenn dann so ein langer Lauf vorbei sei, dann gehe es um Emotionen anderer Art, als wäre ein Lebensabschnitt vorbei.

Leben und Schreiben eng verknüpft

In einer globalisierten Welt ist das Laufen zum Minimalkonsens der neuen Weltgemeinschaft geworden. Für ihn selbst ist sein Leben und Schreiben ohne Laufen längst nicht mehr denkbar,. In 42,195 Kapiteln denkt Politycki über das Laufen nach und erzählt aus dem eigenen Laufleben, welches mit seiner Schriftstellerexistenz eng verknüpft ist.

Matthias Politycki , 42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken, Verlag Hoffmann und Campe, 20 Euro.

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