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Tonart | Beitrag vom 28.04.2016

Lisa Simone: "My World" Nina Simones Tochter macht endlich ihr Ding

Von Martina Zimmermann

Die Sängerin Lisa Simone, Tochter von Nina Simone, bei einem Konzert auf dem Jazz Festival in Brüssel 2016 (imago/Reporters)
Die Sängerin Lisa Simone, Tochter von Nina Simone (imago/Reporters)

Lisa Simone hat als Tochter von Nina Simone lange gebraucht, selbst als Musikerin anerkannt zu sein. Mit "My World" hat sie ihr zweites Album mit Pariser Musikern veröffentlicht und ist überzeugt: "Wir werden immer besser."

"All is well", alles ist gut. Der Titel von Lisa Simones erstem Album war das Fazit eines aufregenden Lebens. Die Tochter von Nina Simone ist mit Berühmtheiten wie dem Führer der Bürgerrechtsbewegung Malcolm X und der Sängerin und Anti-Apartheidskämpferin Miriam Makeba aufgewachsen. Sie hat schon als Kind in Amerika, Barbados und Liberia gelebt! Kein Grund, die heute 53-jährige zu beneiden.

"Du weißt nie wie das Leben von jemanden aussieht, solange du nicht in seinen Schuhen gegangen bist. Es ist ein zweischneidiges Schicksal. Ich freue mich, endlich in meinen eigenen Schuhen zu stehen, die 'Tochter von' zu sein und dennoch als ich selbst anerkannt zu werden."

Lisa Simone hatte eine chaotische Kindheit. Ihre Mutter Nina war 29 Jahre alt, als Lisa 1962 in Mont Vernon bei New York zur Welt kam. Der Vater war Simones Manager und Ehemann Andrew Stroud, beide Eltern waren in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und engagierten sich gegen den Vietnamkrieg. Ihre Tante Betty Shabazz war die Witwe von Malcolm X. Wenn die Eltern auf Tournee waren, lebte Lisa bei der Tante und ihren sechs Töchtern. Als Lisa elf Jahre alt war, nahm Nina sie mit nach Barbados.

"Meine Eltern ließen sich 1972 scheiden, als ich zehn war. Als sie zusammen waren, kümmerte sich mein Vater ums Geschäft und meine Mutter um die Musik. Und sie arbeiteten sehr eng zusammen. Als sie sich scheiden ließen, war alles weg. Das Geschäft, das Private, alles: Eine Menge Leid. Meine Mutter war nun alleinerziehend, das ist nicht leicht. Sie tat ihr Bestes."

Mit zwölf chauffierte sie Mutter Nina Simone im Pontiac

Miriam Makeba war die beste Freundin von Nina Simone, und gemeinsam beschlossen die Sängerinnen sich in Liberia niederzulassen – dem Land, das ein Symbol für den Kampf gegen die Sklaverei war. Damals war Lisa zwölf und chauffierte die Mutter in der Limousine.

"Ich fuhr mit zwölf ein riesiges Auto, einen Pontiac, aber ich hatte mit elf das Autofahren gelernt mit einem Volkswagen. Ich bin immer gerne Auto gefahren und wollte mal Rennfahrerin werden. Wenn meine Mutter mich in Liberia brauchte, dann fuhr ich. Einmal hatten wir einen riesigen Streit, ich packte alle meine Sachen ins Auto und haute mit dem Auto ab. Ich saß auf Büchern um aus dem Auto herausgucken zu können. Ich war sehr unabhängig. (Lacht lauthals)

Ich ging auf Partys. Ich rauchte nicht, ich trank nicht, ich hatte keinen Freund aber ich hatte Spaß. Es war clean und Fun mit guter Musik und guten Leuten."

Mit 13 wurde Lisa Simone auf eine Privatschule in die Schweiz geschickt, dann lebte sie ein Jahr lang bei ihrem Vater in New York, dann wieder bei der Tante in Hudson im Staat New York. Als sie ihr Abitur in der Tasche hatte, wollte sie eigentlich studieren. Aber ein Onkel vergaß sie an der Uni einzuschreiben. Lisa ging zur Armee.

"Ich wollte nicht bleiben wo ich war und noch ein Jahr warten. So wurde die Air Force zur Option. Als ich meiner Mutter sagte, ich gehe in die Armee... (lacht). Oh mein Gott! Inzwischen bin ich selbst Mutter und wenn ich an ihr Gesicht denke... Es drückte perfekt aus: 'Mein Kind bist du verrückt geworden? Warum? Bloß nicht!' Aber ich ging zum Militär."

Elf Jahre diente Lisa Simone in der Army

Sie diente elf Jahre in der Army und war in der amerikanischen Militärbasis in Frankfurt stationiert. In Deutschland begann sie eine musikalische Karriere als Sängerin. Unter der Woche war sie Soldatin, am Wochenende trat sie in Clubs auf. 1993 verließ sie Deutschland und die Armee. Sie hatte ihren Weg gefunden und machte das Singen zu ihrem Beruf. Doch trotz vieler Erfolge auf Tourneen und am Broadway hat es lange gedauert, bis sie es wagte eigene Kompositionen vorzustellen.

"In Amerika sind die Maßstäbe für Entertainer anders. Du musst ein bestimmtes Alter haben, musst lächerliche Dinge singen, sie interessieren sich meiner Erfahrung nach nicht für Künstler die etwas Positives sagen wollen."

Ihr französischer Agent Boris Jourdain brachte Lisa Simone vor zwei Jahren dazu ihr erstes eigenes Album mit eigenen Songs und ein paar Coverversionen aufzunehmen. Manche Lieder hatten seit 20 Jahren in der Schublade auf eine Veröffentlichung gewartet. Boris Jourdain brachte Lisa Simone auch mit exzellenten Musikern der Pariser Szene zusammen, Gitarrist Hervé Samb, der auch der künstlerische Direktor ist, Bassist Reggie Washington und Schlagzeuger und Percussionist Sony Troupé.

"Was Hervé aus Afrika, was Reggie aus Amerika und was Sonny aus Guadeloupe bringt sind unsere Wurzeln. Aber wir haben die Welt bereist und haben mit so vielen verschiedenen Künstlern gearbeitet, haben verschiedene Speisen und Sprachen erlebt und viele Sounds und Rhythmen gehört. Das gibt uns einen eigenen Sound. ... Aber wir haben erst begonnen, wir werden immer besser." (Lacht)

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